Stuttgart-Heumaden Der neue Pfarrer bringt einen neuen Groove

Von Caroline Holowiecki 

Ingo-Christoph Bauer hat die vakante Stelle als Seelsorger in der Kirchengemeinde in Stuttgart-Heumaden übernommen. Der 41-Jährige hat viele Ideen. So könnten die Gottesdienste in der Gnadenkirche zum Beispiel bald deutlich souliger werden.

Ingo-Christoph Bauer ist der neue Pfarrer in Stuttgart-Heumaden. Foto: Holowiecki
Ingo-Christoph Bauer ist der neue Pfarrer in Stuttgart-Heumaden. Foto: Holowiecki

Heumaden - Noch sitzt Ingo-Christoph Bauer weitgehend auf unausgepackten Kisten. Doch was in der Wohnung an der Bockelstraße bereits zu sehen ist, lässt einiges erahnen. Ein hübsch geschwungenes antikes Beistelltischchen aus Holz neben einem Deko-Schaf, eine alte Jesus-Figur über einem Vintage-DDR-Sessel, während etwas weiter ein futuristisches Lichtobjekt über einem schnörkellosen Esstisch den Raum erhellt. Traditionelles neben Modernem, Klassisches neben Unkonventionellem. Ob Bauer so auch seine Kirchengemeinde führen wird? „Wer weiß“, sagt er und lächelt.

Er ist der neue Pfarrer für die evangelischen Kirchengemeinde Heumaden-Süd und nach längerer Vakanz ab sofort für rund 1450 Gemeindemitglieder als Seelsorger zuständig. 41 Jahre ist er alt und wirkt deutlich jünger, dies nicht nur wegen seines jugendlichen Gesichtes und seines offenen Lachens, auch die Art und Weise, wie er an seinen neuen Job herangeht, wirkt frisch und leichtfüßig. Ingo-Christoph Bauer ist passionierter Sänger und großer Gospel-Fan, „das ist etwas, was mich emotional berührt“. Popularmusik in seine Gottesdienste einzubeziehen, kann er sich daher gut vorstellen, auch will er alsbald selbst wieder singen. „Ich bin ein Bauchmensch“, sagt der Theologe von sich selbst, die evangelische Kirche komme nach seinem Geschmack oftmals zu verkopft und überintellektualisiert daher, „mir ist wichtig, wo schlägt mein Herz?“.

Was sind die Bedürfnisse und Vorstellungen der Heumadener?

Wie sich der neue Groove im Kirchen-Alltag niederschlagen soll, da hält er sich noch zurück. Zunächst gelte es, die Bedürfnisse und Vorstellungen der Heumadener, der Kirchengemeinderäte und auch der Kollegen abzuklopfen. Die ersten Begegnungen seien jedoch vielversprechend gewesen. Der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Lars Vogt, sei „ein klasse Kerl“, auch mit seinem Amtskollegen in Alt-Heumaden, Jörg Scheiring, fühle er sich menschlich und fachlich auf einer Wellenlänge.

Ingo-Christoph Bauer weiß: Er stößt in unruhigen Zeiten dazu. Vor Kurzem ist bekannt geworden, dass die fünf Pfarrstellen im Stadtbezirk bis 2024 auf 3,5 gekürzt werden. Die bis dato vier evangelischen Gemeinden reagieren mit einer Fusion. Wie die konkret umgesetzt werden soll, dies zu erarbeiten wird auch Ingo-Christoph Bauers Aufgabe sein. Zu schrecken scheint ihn das nicht. „Oftmals schmort man im eigenen Saft, der Pfarrplanprozess fordert heraus, sich zu öffnen.“ Dass er als Unbefangener von außen kommt, sieht er auch als Vorteil.

Der neue Pfarrer hat schon viele Hände geschüttelt

Jetzt freut er sich aber erst einmal auf das, was da kommt. Seit Mitte Februar leben er und seine Lebensgefährtin Judith Haller – ebenfalls Pfarrerin und unter anderem im Pädagogisch-Theologischen Zentrum in Birkach tätig – in Heumaden, am Sonntag hat er seinen ersten Gottesdienst geleitet und die ersten Hände geschüttelt. Dass die Einführungsveranstaltung gut besucht war, macht Ingo-Christoph Bauer Mut. Auch eine Schul-Pfarrstelle wird er noch zugewiesen bekommen.

Zuvor war der gebürtige Heilbronner rund zehn Jahre im Balinger Raum tätig gewesen. Bei der Entscheidung für die neue Wirkungsstätte habe „das Stadt-Land-Thema“ eine große Rolle gespielt. „Es ist schon attraktiv hier, da vorne ist eine kleine Waldfläche, und mit der U-Bahn bin ich in 15 Minuten in der Stadtmitte“, erklärt er. Kino, Theater oder Konzerte, von Hardrock bis Klassik, sind dem Paar ebenso wichtig wie etwas Grün und eine nachbarschaftliche Struktur. Und dass schon in den ersten Tagen in der neuen Heimat Einladungen zu Fassanstichen und Public Viewing kamen, sei „eine tolle Sache“.

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