Jason Derulo – auf Leinwand, in den Songs, im Vorprogramm bei DJ Afro B – es besteht kein Zweifel, wessen Konzert das hier ist. Ein Countdown zählt auf Null, eine kurze Verzögerung, ein Knall und die ganz große Show beginnt. Vielleicht ist das hier „The biggest Party on the Planet“, sagt Derulo, der, passend zur Superstar-Pose, eine glitzernde Lederjacke und Halskette trägt. Eine Erscheinung. Und wer weiß, vielleicht hat er ja recht? Jedenfalls löst es einen Kreisch-Alarm bei den Fans aus. Die Konditionierung funktioniert wunderbar und Spaß hilft ja bekanntlich, um nicht völlig in Ehrfurcht zu erstarren, wenn ein Weltstar wie Derulo die heiligen Stuttgarter Konzerthallen segnet. Und das hat er getan.
Jason Derulo ist der Mittelpunkt seines Königreichs
In einem gut zweistündigen Konzert hat der amerikanische R&B-Sänger am Mittwochabend in der ausverkauften Porsche-Arena vor 6000 Fans ein Konzert der Extraklasse geliefert, das an Show und Dynamik seinesgleichen sucht. Und auch wenn auf seiner „Nu King“-Welttournee, zum neuen Album, er selbst der Mittelpunkt seines Königreichs ist, wirkt der Star zwischen einer fantastischen Crew aus Tänzerinnen und Tänzern fast ein wenig wie Beiwerk. Selbst ausgebildeter Tänzer, reiht sich Derulo regelmäßig geschmeidig in die Gesamtperformance ein. Dabei hat er die Crème de la Crème der Bewegungs-Artists, unter anderem „Les Twins“. Laurent und Larry Bourgeois, wie die aus Frankreich stammenden Brüder mit bürgerlichen Namen heißen, tanzten schon für Beyoncé, Missy Elliot oder Big Sean. Sie sind dem New Style Hip-Hop zuzuordnen, und so legendär, dass es auch schlicht „Twins-Style“ heißt, wenn sie tanzen.
Eine Zusammenarbeit gab es schon mit Nicki Minaj, Snoop Dogg oder Jennifer Lopez. Die Liste ist lang. Derulos Debutsingle „Whatcha Say“ erschien 2009, und machte den aus Florida stammenden Sänger weltberühmt. Es folgten Hits wie „Talk Dirty“, „Slow Low“ oder „Swalla“, die seither aus den eingängigen Clubs nicht mehr wegzudenken sind. Mit Michael Bublé hat er kürzlich das Stück „Spicy Margarita“ herausgebracht, ein Dance-Song, mit einem Sample aus Dean Martins berühmten „Sway“ (1954).
Die Selbstinszenierung ist perfekt
Jason Derulo läuft in Superlativen, mit einer Hommage an den King of Pop. Auch die restlichen Tänzerinnen und Tänzer sind mal sexy und lasziv, mal kraftvoll und energetisch. Während der Show gibt es mehrere Outfitwechsel, eine Bomberjacke, ein Jackett, einen schwarzen Fellmantel, irgendwann steht er mit bloßem Oberkörper da, die Selbstinszenierung ist perfekt. Die Mischung aus R&B, Hip-Hop und Pop wird ergänzt durch lateinamerikanische Rhythmen. Mit mehreren Soli singt sich der gebürtige Haitianer in die Herzen seiner Fans. Später erscheint die haitianische Flagge auf einer Leinwand, als wäre es ein Statement. Dann wird der Saal dunkel und der 34-Jährige in Licht getaucht. Flammenfontänen, Goldregen, Konfetti – einmal spielt Derulo die Laserstrahlen auf der Bühne wie die Saiten einer Gitarre. Ein volles Programm in einer gut durchgestylten Show. Da war so viel geboten, dass die Ekstase in der Halle fast nicht mithalten konnte.
Die Setlist:
Whatcha Say
Tip Toe
Wiggle
Take You Dancing
Acapulco
Breathing
Cheyenne
In my Head
Riding Solo
Mad Love
Savage Love
Hands On Me
Love Tonight
Jalebi
Cono
It Girl
You + I
Marry Me
Spicy Margarita
Swalla
Don’t Wanna Go Home
Ayo Girl
Otherside
Talk Dirty
Want 2 Want Me
Love Sucks