Die Sportler lassen beim diesjährigen Stuttgart-Lauf die Innenstadt wieder links liegen und laufen auf der ursprünglichen Route im Neckartal. Am Sonntag werden die viele Tausend Teilnehmer unterwegs sein.

Stuttgart - Wenn sich die vielen Tausend Teilnehmer, darunter der ehemalige 10 000-Meter-Europameister Jan Fitschen als Favorit, am Sonntag beim 19. Stuttgart-Lauf auf die Halbmarathonstrecke begeben, sind sie auf sporthistorischen Pfaden unterwegs. Vor 29 Jahren wurden entlang des Neckars die Marathon-Weltmeister ermittelt. Und an manchen Stellen können die Läufer noch heute die blaue Ideallinie der 42,195 Kilometer erkennen, die die Organisatoren damals auf die Straße gemalt haben.

In den vergangenen vier Jahren haben die Freizeitsportler vergeblich nach dieser Orientierungshilfe suchen, schließlich verlief die Strecke zuletzt durch die Stuttgarter Innenstadt. Nun kehrt der Veranstalter, der Württembergische Leichtathletik-Verband (WLV), zu der Route zurück, auf der der Stuttgart-Lauf zwischen der ersten Auflage 1994 und 2007 stets ausgetragen wurde: Vom Start auf der Benzstraße führt sie durch Untertürkheim, Bad Cannstatt, am Neckar entlang nach Hofen und Mühlhausen, und zurück über Münster in die Mercedes-Benz-Arena, in der sich erstmals seit 2008 – bedingt durch den langwierigen Stadionumbau – wieder das Ziel befindet. Somit orientiert sich der Verlauf auch an der WM-Marathonstrecke von 1993.

„Der Stuttgart-Lauf kehrt zurück zu seinen Wurzeln“, sagt der WLV-Breitensportwart Dieter Schneider. Doch die Rückkehr zur alten Strecke hat nicht nur nostalgische Gründe. Sie liegt vor allem daran, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder große Verzögerungen beim Start des Halbmarathons gegeben hat. Allein 2011 musste er um 25 Minuten verschoben werden – wegen „Unstimmigkeiten bei den Verkehrssicherungsmaßnahmen“, wie es im Behördendeutsch heißt. Seitdem die Strecke durch die Innenstadt führte, ist der Aufwand, um sie abzusperren und zu beschildern immer größer geworden. So wurde im Vorjahr unter anderem ein neuer Rekord bei den kurzfristig abgeschleppten Fahrzeugen aufgestellt: es waren 85. Und dadurch steigt unter anderem auch die Gefahr für Verzögerungen.

Zuletzt sind die Läufer immer mit Verspätung gestartet

„Der Stuttgart-Lauf hat nun einen gewissen Ruf weg“, sagt Gerhard Müller, der Projektleiter vom WLV. „Diese Scharte wollen wir auswetzen, denn auf das Alleinstellungsmerkmal der Verspätung können wir verzichten.“ Während der vier Jahre in der Innenstadt kam es dreimal zu Verzögerungen beim Start. „Das wollen wir den Läufern nicht mehr zumuten“, betont Müller. Zumal während der 14 Jahre zuvor auf der alten, neuen Strecke „immer alles bestens“ geklappt habe. Nun soll es wieder reibungslos funktionieren. Wobei sich der Organisationsaufwand für Müller und sein Team im Vergleich zu 2007 nicht verringert hat. Ganz im Gegenteil. Hatten die bei den Behörden einzureichenden Planungsunterlagen vor fünf Jahren noch ein Gewicht von 1,5 Kilogramm, beträgt dies nun satte vier Kilogramm mehr.

Doch der Wechsel der Strecke hat noch einen weiteren Grund. „Der erhoffte Zugewinn an Zuschauern und an Atmosphäre ist in der Innenstadt ausgeblieben“, sagt der WLV-Geschäftsführer Müller. Die Route vorbei am Schlossplatz ging also nicht einher mit mehr anfeuernden Besuchern – und mehr Teilnehmern. „Außerdem gab es eine Kostenexplosion bei den Sicherheitsvorkehrungen im Verkehr. Und so hatten wir mit der Innenstadtstrecke einfach nicht mehr das gute Gefühl.“

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