Stuttgart/Ludwigsburg „Es geht um Macht und Geld“

Sie hätten ihre Kutten an den Nagel gehängt, sagen die Black Jackets von Stuttgart und Ludwigsburg. Doch die Polizei bleibt skeptisch. Foto: factum/Weise
Sie hätten ihre Kutten an den Nagel gehängt, sagen die Black Jackets von Stuttgart und Ludwigsburg. Doch die Polizei bleibt skeptisch. Foto: factum/Weise

Die Polizei vermutet, dass sich die Black Jackets in Stuttgart und Ludwigsburg möglicherweise aufgelöst haben, um einem Verbot zuvorzukommen.

Region: Norbert Burkert (bur)
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Stuttgart/Ludwigsburg Die Fachleute im Landeskriminalamt können sich noch keinen rechten Reim darauf machen, warum der rockerähnliche Club Black Jackets Stuttgart/Ludwigsburg seine Auflösung bekannt gegeben hat. Sigurd Jäger, der Leiter der Inspektion organisierte Kriminalität, ist sich aber sicher: Die Polizei sehe schnell, ob die Sache ernst zu nehmen sei.
Herr Jäger, waren Sie überrascht von der Nachricht, dass sich aus heiterem Himmel die Black Jackets in der Region angeblich aufgelöst haben?
Ja, überrascht war ich schon. Andererseits habe ich damit gerechnet, dass die Black Jackets irgendwann darauf reagieren, dass sie möglicherweise verboten werden. Vielleicht wollen sie dieser Gefahr mit der Auflösung zuvorkommen, so wie das etwa auch die Hells Angels in Hannover getan haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass führende Köpfe in Untersuchungshaft sitzen und dadurch ein Machtvakuum entstand, sodass die Gruppe zerfiel. Allerdings kann ich bisher weder bestätigen noch dementieren, dass sie sich tatsächlich aufgelöst haben.

Mussten die Black Jackets in der Region denn aktuell damit rechnen, dass ein Verbot bevorstehen könnte?
Immerhin laufen zurzeit Strafverfahren gegen Mitglieder der Ludwigsburger Black Jackets. Und der Innenminister hat kürzlich erst im Landtag gedroht, er werde das Vereinsrecht für Verbote nutzen. Die Black Jackets wissen, dass wir sie immer unter besonderer Beobachtung haben und dass wir dabei auch stets schauen, ob wir Verhaltensweisen oder Straftaten finden, die ein Verbot rechtfertigen. Zwar stellt das Gesetz hohe Hürden auf: Wir müssen gewissermaßen nachweisen, dass der Vereinszweck Straftaten sind. Aber in Pforzheim zum Beispiel sind ja im vergangenen Jahr die Hells Angels tatsächlich vom Staat aufgelöst worden.

Heißt das, dass die Polizei V-Leute bei den Black Jackets hat?
Wir nutzen alle rechtlichen Instrumentarien, auch Informanten und Vertrauenspersonen. Nun werden wir beobachten, ob die Mitglieder ihre Aktivitäten tatsächlich einstellen.

Welche Aktivitäten?
Es geht in den Rocker- und rockerähnlichen Gruppen immer um Macht und Geld. Sie haben eine Nähe zur organisierten Kriminalität, zum klassischen Rotlicht: Zuhälterei, Prostitution, Sicherheitsdienste in Bordellen, Waffen, Drogen. Wir werden sehen, ob das nun aufhört. Wenn nicht oder wenn sie weiterhin geschlossen als Gruppen in der Öffentlichkeit auftreten und ihre schwarzen Kutten zeigen, dann ist ihre Auflösungserklärung bedeutungslos.

Warum sollten die Black Jackets denn Angst haben vor dem Verbot? Sie könnten sich doch verbieten lassen und fröhlich weitermachen.
Immerhin ist mit einem Verbot verbunden, dass das Vereinsvermögen eingezogen wird. Das Geld fällt dann an den Staat. Das wollen sie sicher vermeiden.

Wäre es schwieriger für die Polizei, die Gruppe im Auge zu behalten, wenn die formalen Strukturen und Hierarchien zerschlagen wären?
Nein, wir haben Wege, uns Informationen über die Mitglieder zu beschaffen. Für die Arbeit der Ermittler würde sich dadurch voraussichtlich nichts ändern.

Wenn sich Hells Angels und Black Jackets selbst auflösen, ist das ein Zeichen für eine Trendwende? Sind die Gruppen, nachdem die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren offenbar stark gewachsen sind, heute nicht mehr attraktiv genug?
Von einer Trendwende kann man in Baden-Württemberg nicht sprechen. Im Gegenteil: wir haben hier seit fünf Jahren stabile Mitgliederzahlen. Es gibt etwa 1200 Rocker und 800 Mitglieder rockerähnlicher Gruppen wie den Black Jackets. Teilweise konkurrieren sie miteinander, teilweise arbeiten sie sogar zusammen. Aber auch wenn die Zahlen gleich geblieben sind: es gibt bei den Black Jackets eine hohe Fluktuation, während die Rocker ein fester Kreis von Leuten sind.

Das heißt, sie finden sich in den gleichen Bereichen der Kriminalität, aber mit völlig unterschiedlicher Haltung?
Allerdings. Bei den Black Jackets haben viele einen Migrationshintergrund. Die Vereinigungen wurden ursprünglich gegen rechts gegründet. Sie bieten den Mitgliedern zwar nicht unbedingt eine Heimat, aber ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl. Dennoch ist die Chapter-Landschaft ständig in Bewegung, Gruppen werden gegründet und aufgelöst.

Und die Rocker?
Definieren sich eher über die Ablehnung staatlicher Autorität und ihre Motorräder.




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