Stuttgart: Mit Baseballschläger auf Kopf eingeprügelt Brutale Attacke auf die eigene Schwester

Von George Stavrakis 

Ein 18-Jähriger steht wegen versuchten Mordes in Stuttgart vor Gericht. Er soll auf seine Schwester eingeprügelt haben, weil sie nicht den von der Familie ausgesuchten Mann heiraten wollte.

Der des versuchten Mordes  Angeklagte (links) gibt sich vor Gericht selbstbewusst. Foto: G. Stavrakis
Der des versuchten Mordes Angeklagte (links) gibt sich vor Gericht selbstbewusst. Foto: G. Stavrakis

Stuttgart - Der junge Mann kommt selbstbewusst in den Saal 3 des Landgerichts Stuttgart. Nachdem ihm die Handschließen abgenommen worden sind, grüßt er mit Kusshand ins Publikum, in dem mehrere junge Unterstützer des 18-Jährigen sitzen. Der Deutsche mit afghanischen Wurzeln ist des versuchten Mordes an seiner zur Tatzeit 20 Jahre alten Schwester angeklagt. Er soll zudem sechs Monate vor der Attacke auf seine Schwester auf einen Mann eingestochen haben.

Es ist der 15. Juli vorigen Jahres. Um 7.10 Uhr sitzt eine Frau an der Bushaltestelle Hohensteinstraße in Zuffenhausen. Sie hört Musik mit ihrem Mobiltelefon, ihr Blick ist gesenkt und auf das Display gerichtet. Ein Mann tritt auf sie zu, er hat einen Baseballschläger in der Hand. Der Mann spricht sie an. „Er hat auf sich aufmerksam gemacht, weil er wollte, dass sie weiß, wer sie schlägt“, sagt Oberstaatsanwalt Albrecht Braun am ersten Prozesstag vor der 4. Jugendstrafkammer des Landgerichts.

Das linke Jochbein bricht

Der Mann schlägt zu und trifft die 20-Jährige am Kopf. Ihr linkes Jochbein bricht. Laut Anklage soll er versucht haben, weitere drei Hiebe gegen den Kopf des Opfers zu setzen. Doch die Frau kann die Schläge mit den Armen abwehren. Eine Passantin schreit: „Hör auf.“ Das Opfer schafft es, zu anderen Passanten zu rennen. Der Angreifer rennt auch und zwar davon. Er wird noch am selben Tag festgenommen. Es handelt sich um den 18-jährigen Bruder des Opfers.

Hintergrund des Angriffs auf offener Straße soll ein Konflikt in der Familie sein. Das Opfer sollte, so ist zu erfahren, mit einem weitläufig Verwandten in den USA verheiratet werden. Doch die 20-Jährige, die die Familie verlassen hatte, weigerte sich.

Ob das Opfer aussagt, ist unklar

Es soll nicht das erste Mal gewesen sein, dass die Familie die Frau zu disziplinieren versucht hat. Ihr älterer Bruder soll auch schon auf sie eingewirkt haben. Er wurde festgenommen, kam aber bald wieder frei, weil seine Schwester von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte. Sie wollte nicht gegen ihren Bruder aussagen. Ob sie dies im aktuellen Fall ihren jüngeren Bruder betreffend ebenso halten wird, ist noch unklar.

Als der 18-Jährige nach dem Angriff mit dem Baseballschläger festgenommen wurde, sollen ihm Polizeibeamte gesagt haben, bei ihm würde es nicht so laufen wie bei seinem älteren Bruder. Den hatte man freilassen müssen. „Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, soll der 18-Jährige dazu gesagt haben.

Am ersten Verhandlungstag am Dienstag wurde lediglich der Anklagesatz verlesen.Oberstaatsanwalt Braun wirft dem Angeklagten gefährliche Körperverletzung und versuchten heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Der Mann soll sechs Monate vor dem Angriff auf seine Schwester einem Widersacher in Stuttgart-Vaihingen von hinten zweimal in den Oberschenkel gestochen haben. Die Hintergründe sind noch nicht genannt worden.

Schwester mit Billardstock totgeschlagen

Der Prozess ruft Erinnerungen an einen verblüffend ähnlichen Fall vor der selben Kammer wach. 2005 hatte die 4. Strafkammer, damals unter Vorsitz von Richter Wolfgang Vögele, einen 21-Jährigen mit afghanischen Wurzeln zu sechs Jahren Jugendhaft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Der Mann aus dem Großraum Stuttgart hatte seine damals 18-jährige Schwester mit einem Billardstock zu Tode geprügelt. Die junge Frau war von ihrer Familie streng kontrolliert worden. Jede nur so kleine angebliche Verfehlung wurde brutal sanktioniert. So wurde sie beispielsweise regelmäßig mit einem Kabel geschlagen.

Als der jetzt angeklagte 18-Jährige am Dienstag aus dem Saal geführt wird, rufen seine Unterstützer. „Wir lieben dich.“ Er grüßt zurück. Der Prozess wird am 3. Februar fortgesetzt und ist mit insgesamt neun Tagen bis zum 19. März terminiert.




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