Stuttgart-Münster Bäderkonzept stößt auf breite Ablehnung

Von Uli Nagel 

Das Bäderkonzept der Stadt findet immer mehr Kritiker: Nach dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt haben nun auch die Bürgergremien in Münster und Mühlhausen ihre Ablehnung bekundet.

Nach Bad Cannstatt stimmten nun auch die Bezirksbeiräte Münster und Mühlhausen für den Erhalt des Stadtbads. Foto: Uli Nagel
Nach Bad Cannstatt stimmten nun auch die Bezirksbeiräte Münster und Mühlhausen für den Erhalt des Stadtbads. Foto: Uli Nagel

Mühhausen - Münster - Vor wenigen Wochen hatte Stuttgarts Bäder-Chef Alexander Albrand seinen Bäderentwicklungsplan 2030 im Großen Kursaal den Mitgliedern aller 23 Stadtbezirke vorgestellt. Schon damals gab es viel Kritik, denn das Konzept sieht vor, die öffentlichen Badezeiten in den acht Stuttgarter Hallenbädern um 132 Stunden pro Woche zu reduzieren und die Zeit Schulen und Vereinen zuzuschlagen. Aus den betroffenen Stadtteilen kommt heftiger Widerspruch.

In Bad Cannstatt wird das Konzept in erster Linie nicht wegen der reduzierten Öffnungszeiten abgelehnt, vielmehr herrscht hier die Meinung, dass das Stadtbad, das nach Eröffnung des Sportbads im Neckarpark im Jahr 2022 abgerissen werden soll, unbedingt erhalten werden muss. Der gleichen Meinung sind auch die Bezirksbeiräte Münster und Mühlhausen.

Schwimmunterricht notwendig

In Münster wurde vor allem auf den Bedarf an Kapazitäten für Kita-Kinder, Schüler und Vereinen aus dem Stadtbezirk verwiesen. „Es gibt schon heute einen Engpass im Cannstatter Stadtbad“, sagte SPD-Bezirksbeirat Dietmar Bulat in der jüngsten Sitzung des Bürgergremiums. Dies gehe auch aus Gesprächen hervor, die er mit Vertretern der Schulen und Elternbeiräten geführt habe. Doch vor allem Kinder und Jugendliche müssen ausreichend Platz für den Schwimmunterricht haben, da fast zwei Drittel der Grundschüler Nichtschwimmer sind. „Eine erschreckende Zahl“, so Bulat. Auch die eigentlichen Zeiten für den Schwimmunterricht würde unter der Verlegung in das Sportbad im Neckarpark leiden. „Mit Hin- und Rückfahrt und der Zeit, die es braucht, um sich umzuziehen, bleiben von zwei Schulstunden 35 Minuten übrig“, erklärte Alexandra Hanel von den Grünen. Jörg Sailer von den Freien Wählern schlug in die gleiche Kerbe. Der Anfahrtsweg für die Kitas und die Schüler der Elise-von-König-Gemeinschaftsschule würde sich verdoppeln. Das eigentliche Ziel des Bäderkonzeptes – die Erhöhung der Schwimmdauer im Sportunterricht – würde so konterkariert.

Abriss würde Situation verschärfen

Mit den gleichen Argumenten lehnt der Bezirksbeirat Mühlhausen das Konzept von Bäderschef Albrand ab. Das Gremium stimmte deshalb einem Antrag der SPD zu, das Cannstatter Stadtbad zu erhalten. „Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Kinder beim Verlassen der Grundschule schwimmen können“, heißt es in dem Papier. Die Schwimmkurse von Vereinen und der Stadt seien aber bereits heute auf Jahre ausgebucht, da nicht genügend Wasserflächen zur Verfügung stehen würden. „Ein Abriss des Stadtbads würde diesen Notstand nochmals verschärfen und ist daher kontraproduktiv für die Erreichung dieses Ziels.“ Der Bezirksbeirat fordert zudem, dass der Gemeinderat für den nächsten Haushalt Sanierungsgelder zur Verfügung stellt.

Die Proteste zeigen Wirkung: Eigentlich hätte der Bäderausschuss Ende März über das Konzept befinden sollen, dieser Termin wurde jetzt aber auf den 4. Juli verschoben. Als Folge davon wird das neue Konzept, wie immer es dann auch aussieht, „wohl nicht schon nach den Sommerferien umgesetzt werden können“, heißt es bei den Bäderbetrieben.

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