Stuttgart-Plieningen/Birkach Tonnenputzen bis der Hochdruckreiniger streikt

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Knapp 50 Mülltonnen haben vier Jugendliche sowie drei Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit am Dienstagabend in Birkach und Plieningen auf Vordermann gebracht. Mit den Spenden der Anwohner finanzieren sich die jungen Menschen ihren Traum von Paris.

Pro Haushalt haben die  Putzteufel fünf Euro bekommen – und oft auch mehr. Das Geld wird für die Parisreise verwendet. Foto: Julia Bosch
Pro Haushalt haben die Putzteufel fünf Euro bekommen – und oft auch mehr. Das Geld wird für die Parisreise verwendet. Foto: Julia Bosch

Birkach/Plieningen - Bevor es losgeht, klagt der zwölfjährige Bahadir Yazici noch über sein Outfit: Schneehose, Regenjacke, Kapuze, Schutzbrille und Atemmaske. Er findet, er sieht aus „wie ein Larry“. Heißt: er findet sein Aussehen an diesem Nachmittag alles andere als cool. Wenige Minuten später scheint ihm das völlig egal zu sein: Er übernimmt den Job des Ausspritzers und reinigt fast schon im Minutentakt eine Mülltonne nach der anderen.

Dreieinhalb Stunden lang sind vier Jugendliche sowie drei Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit Plieningen-Birkach dieser Tage mit einem Sprinter, einem 1000-Liter-Wassertank, einem Hochdruckreiniger und allerhand Putzmaterial durch Plieningen und Birkach gefahren und haben für je fünf Euro rund 50 Mülltonnen von Schmutz befreit. Den Wassertank hat die Mobile Jugendarbeit extra für die Aktion gekauft, die anderen Materialien hat ihnen eine Firma aus Plattenhardt geliehen.

Um 20 Uhr streikte der Hochdruckreiniger

Eigentlich hatten die Putzteufel vor, insgesamt 38 Adressen anzufahren und dort jeweils mehrere Tonnen zu reinigen – allerdings streikte nach dreieinhalb Stunden Dauereinsatz der Hochdruckreiniger. „Wir konnten leider einige Tonnen nicht mehr putzen und haben den Anwohnern Briefe in die Briefkästen geworfen. Das war schade, denn die Jugendlichen waren Feuer und Flamme für die Aktion“, bedauert Julian Schmid, Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit. Bereits im Vorhinein hatte es eine große Nachfrage gegeben: „Wir mussten etwa 15 Anwohnern absagen und haben sogar auf unseren Anrufbeantworter eine Ansage gesprochen, dass wir keine Aufträge mehr annehmen können.“

Hintergrund der Aktion war: In den Osterferien reisen die Jugendlichen mit der Mobilen Jugendarbeit für vier Tage nach Paris. Und weil eine solche Reise nicht ganz preiswert ist, haben die Jugendlichen noch etwas finanzielle Unterstützung benötigt. Beim Markttag zum Advent hatten sie selbst erstellte Weihnachtskarten, Kunstwerke und Gebäck verkauft. Da dies noch nicht reichte, hatten sich die Jugendlichen noch für die Putzaktion entschieden.

„So sauber war unsere Tonne noch nie“, sagt ein Anwohner

„Das ist eine super Aktion“, lobt der Schönberger Klaus Münsenmeyer, als die Truppe bei ihm eintrifft. Er hatte in unserer Zeitung von der Aktion gelesen und meldete sich, beziehungsweise die hauseigene Mülltonne, sofort an. Auch Friedemann Reim, ebenfalls ein Anwohner aus Schönberg, ist begeistert: „So sauber war unsere Mülltonne noch nie.“

Auch die zwölfjährige Sofia Springer ist nach dem Putzen der ersten paar Tonnen von der Aktion überzeugt: „Weil wir extra Kleider angezogen haben, die dreckig werden dürfen, finde ich es gar nicht eklig.“ Außerdem waren freilich die Spenden ein motivierender Faktor: Zusätzlich zu den vereinbarten fünf Euro, hatten viele noch ein großzügiges Trinkgeld drauf gepackt: Auch Beträge um die 20 Euro fanden die Jugendlichen teilweise unter Fußmatten gelegt oder an die Tonnen geklebt.

Begegnung geschaffen zwischen Jugendlichen und Anwohnern

„Insgesamt war die Aktion ein voller Erfolg“, sagt Julian Schmid von der Mobilen Jugendarbeit . „Die meisten Anwohner haben uns gesagt, dass es ihnen weniger um die sauberen Tonnen ging, sondern vielmehr um die gute Aktion. Und es wurde dadurch eine Begegnung zwischen den Jugendlichen und den Anwohnern in Plieningen und Birkach geschaffen, die sonst nie zustande gekommen wäre.“

In der Regel treffen sich die Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit immer dienstagnachmittags mit einigen Jugendlichen, die in den Fürsorgeunterkünften in Birkach leben. „In der Regel kochen oder spielen wir dann gemeinsam. Aber im vergangenen halben Jahr haben wir eigentlich immer etwas für unsere Parisreise geplant – oder eben Mülltonnen geputzt“, sagt Giovanna Montis (13) und schmunzelt.

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