Stuttgart/Renningen Babysitterin als Sexopfer ins Haus gelockt

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Ein Mann soll eine Frau attackiert haben, um sie in seine Gewalt zu bringen. Er hatte vor, an der 21-Jährigen seine perversen Sexual- und Gewaltfantasien auszuleben. Der Mann ist einschlägig vorbestraft und muss sich jetzt vor dem Landgericht verantworten.

Ein 48-Jähriger soll eine junge Frau mit dem Messer attackiert haben. Foto: dpa
Ein 48-Jähriger soll eine junge Frau mit dem Messer attackiert haben. Foto: dpa

Stuttgart/Renningen - Ein 48 Jahre alter Mann muss sich seit Freitag vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Dem vorbestraften Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft eine versuchte schwere Vergewaltigung und Geiselnahme vor. Am ersten Prozesstag wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der wegen früherer Taten unter Führungsaufsicht stehende Mann im Februar 2015 den Plan gefasst, sich mit Gewalt einer jungen Frau zu bemächtigen, um gegen deren Willen mit dieser gewalttätige sadomasochistische Sexpraktiken auszuüben. Eine von ihm auserkorene junge Frau aus Weil der Stadt ließ sich allerdings nicht auf ein unter Vorwänden arrangiertes Treffen mit ihm ein. Zuvor hatte der 48-Jährige sich bereits auf einschlägigen Seiten im Internet „inspiriert“ und seine Sexual- und Gewaltfantasien als schriftliches Szenario akribisch fixiert. Er wollte die „Schlampe“ im Wald auf der Pritsche seines Pick-ups fesseln und knebeln, um das Opfer danach auf mehrfache Weise zu vergewaltigen. Um seine Gewaltfantasien in die Tat umzusetzen, hatte er unter anderem auch Kabelbinder und Nadeln beschafft.

Der 48-Jährige hatte klare Gewaltfantasien

Als der perfide Plan fehlschlug, habe der Angeklagte im Internet nach einer Babysitterin gesucht, erklärte die Staatsanwältin, und eine 21 Jahre alte Frau am 26. Mai zu seinem Aussiedlerhof in Malmsheim bestellt. Zuvor habe er in der Garage vier Metallringe am Boden angebracht sowie Rohrschellen, eine angespitzte Holzstange, Klebeband und Knebel bereitgelegt.

Eine 21-Jährige konnte sich nur knapp retten

Als die 21-Jährige das Haus betrat, umklammerte der hinter der Haustür lauernde Angeklagte sein Opfer. Er bedrohte die Frau mit einem Messer, drohte sie umzubringen und versuchte, ihr Handschellen anzulegen. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, bei dem sich die 21-Jährige wegen ihrer Kampfsportkenntnisse trotz einer Gehirnerschütterung, Prellungen und Schürfwunden mit letzter Kraft befreien und flüchten konnte. An der nahe gelegenen Kreisstraße wurde das um Hilfe rufende Opfer von einer Autofahrerin mitgenommen. Der 48-Jährige, der die Flüchtende zunächst verfolgt hatte, wurde wenige Tage später in Bad Herrenalb von der Polizei festgenommen.

Der Angeklagte ist ein Wiederholungstäter, der bis 2013 im Gefängnis saß. Im Jahr 2010 war er verurteilt worden, weil er in Calw eine 24 Jahre alte Frau auf ähnliche Weise in einen Möbelmarkt gelockt und angegriffen hatte. Wie im Mai in Malmsheim konnte das Opfer damals nur dank heftiger Gegenwehr und mit Glück fliehen.

Nachdem er seine jüngste Haftstrafe 2013 verbüßt hatte, nahm der Mann an einem Kursprogramm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter teil. Außerdem musste er sich alle zwei Wochen bei einem Betreuer melden. Dabei habe es keine Hinweise auf weitere Straftaten gegeben, betonten Polizei und Staatsanwaltschaft nach der Attacke auf dem Aussiedlerhof. Der Prozess wird am 3. Dezember fortgesetzt.