Stuttgart Scorpions Nicolas Hühnergarth – im Eiltempo vom Anfänger zum Nationalspieler

Nicolas Hühnergarth im Spiel. Foto: Angela Kächele

Der 19-Jährige hat im American Football einen steilen Aufstieg hingelegt. Kürzlich wechselte er von den Stuttgart Scorpions ins Rheinland – doch eine Rückkehr zum Herzensverein ist geplant.

Volontäre: Rouven Spindler (rsp)

Es ist Juni 2018. Nicolas Hühnergarth steht vor seinem ersten Football-Training auf dem Kunstrasen neben dem Gazi-Stadion auf der Waldau. Der damals 14-Jährige ist durch YouTube-Videos auf die amerikanische Ballsportart aufmerksam geworden – und war begeistert. Er absolviert in der U 16 bei den Stuttgart Scorpions eine Einheit nach der nächsten, lernt unter seinem damaligen Coach Konstantin Katz und in der Folgezeit schnell. So schnell, dass Nicolas Hühnergarth bereits auf einen beachtlichen Karriereweg blicken kann – der nun eine neue Richtung erhalten hat.

 

Nachdem das Footballtalent den Juniorenbereich der Scorpions durchlaufen hat, stand kürzlich der Wechsel von der Stuttgarter U 19 in jene der Düsseldorf Panther an. Im Rheinland verfolgt er nun höhere Ziele. Das ist kein Wunder beim Blick auf Hühnergarths Entwicklung. Ab 2019 wurde er dreimal in Serie in die baden-württembergischen Landesauswahl berufen. 2021 spielte er für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft, in diesem Jahr steht er wieder im Kader und kämpft im September gegen Italien um den Aufstieg in Europas Topgruppe.

Eines der versteckten Talente

Dennis Oppermann verfolgt den Weg des Talents seit rund zwei Jahren mit. Der Headcoach des Aktiventeams der Scorpions kann sich durchaus erklären, wie der steile Aufstieg gelang: „Nici bringt für den Football, speziell für seine Position des Safety, alles mit.“ Dem U-19-Spieler kommt dabei auf dem Feld eine hohe Verantwortung zu. Er muss als Safety gegnerische Spielzüge lesen, ist im Zweifel der letzte Spieler, der einen Punktgewinn des Kontrahenten verhindern kann. In diese Rolle ist er nach mehreren Positionswechseln hereingewachsen.

Dass immer wieder versteckte Talente spät entdeckt werden, ist für Dennis Oppermann nichts Neues. Dennoch weiß er, was für ein spezieller Footballer auf der Waldau gereift ist: „Er ist ein unfassbar talentierter Spieler“, sagt der Coach, immer wieder für die Nationalmannschaft nominiert zu werden, „bedeutet schon etwas“.

Dass sich Nicolas Hühnergarth binnen weniger Jahre derart entwickelt hat, kommt nicht von ungefähr – sondern vom harten Training. „Am Spieltag spürst du dann, warum sich dieses ganze Training auszahlt“, sagt der Ex-Fußballer, der sich selbst als „von Natur aus sehr energiegeladen und ehrgeizig“ beschreibt: „Ich will immer konkurrieren und mich messen.“ Mit seinem Mannschaftssport verbindet der junge Athlet nicht nur die Leidenschaft, das Familiengefühl im Team und den Traum vom Profi in den USA, sondern auch einen Mehrwert für die Herausforderungen im Alltag. „Man kann sehr viel vom Football in das Leben übertragen“, weiß Hühnergarth, „zum Beispiel, dass jedes Hindernis überwindbar ist und dass du aus schmerzhaften Situationen, wenn du nicht nachgibst, einen Weg findest, wie du dich bessern kannst, wie du daraus lernst.“

Gebessert haben sich auch die Ergebnisse der Scorpions-U-19, die den Play-off-Einzug so gut wie sicher hat und am Samstag (15 Uhr) das Topspiel der Gruppe Süd bei den Schwäbisch Hall Unicorns bestreitet. Dennoch entschied sich das größte Talent des Kaders kurz nach dem Abitur für den Wechsel ins Rheinland. Gegen die Paderborn Dolphins steht Nicolas Hühnergarth am Samstag vor seinem ersten Einsatz. Das Ziel: Der Gewinn des Junior Bowls.

Eine Scorpions-Rückkehr ist geplant

Deutlich weniger gut läuft es derzeit für die Aktiven der Stuttgart Scorpions, die in der German Football League 2 mit vier Niederlagen gestartet sind. Der Tabellenletzte der Gruppe Süd 2 empfängt am Samstag um 17 Uhr im Gazi-Stadion auf der Waldau den Spitzenreiter Kirchdorf Wildcats. Dennis Oppermann bleibt optimistisch und versichert: „Wir werden alles geben.“ Am Ende der laufenden Runde kann er vermutlich auf Nicolas Hühnergarth setzen. Denn der plant nach den U-19-Play-offs mit den Düsseldorfern vorerst eine Rückkehr auf die Waldau. Dorthin, wo 2018 alles begann.

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