Damit sind jeden Monat insgesamt wieder gut 2200 Euro fällig. Verglichen mit dem früheren Eigenanteil geht das noch, der habe „schon bei 3000 Euro gelegen“, sagt der Sohn. Dann hat die kleine Pflegereform des früheren Gesundheitsministers gegriffen, die vor allem Betroffenen zugute kam, die schon länger im Heim sind. Anfang des Jahres sank der Eigenbeitrag auf 1910 Euro. „Eine enorme Entlastung“, sagt der 48-Jährige. Nun fürchtet er, dass die Kostenentwicklung wieder steil nach oben geht.
Entlastung bei langen Pflegeheimzeiten
Und Familien, deren Angehörige noch nicht so lange oder neu im Heim leben, werden noch deutlich stärker zur Kasse gebeten. Alles in allem koste der Platz („in einem städtischen Pflegeheim, nicht in einem Luxushaus“) künftig 5700 Euro im Monat, sagt der Sohn. Bei vielen liege der Eigenanteil „zwischen 3000 und 3700 Euro im Monat“, berichtet der 48-Jährige. „Das ist Wahnsinn.“
Tatsächlich liegt der Eigenanteil in den Häusern des ELW von Januar an sogar noch etwas darüber, „bei durchschnittlich 3826 Euro im Monat“. Marc Bischoff muss es wissen, er ist der Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs. Rechne man auch die individuellen Leistungszuschläge ein, wodurch mit der „Mini-Pflegereform“ zum Jahresanfang die Eigenbeiträge teilweise reduziert wurden, komme man auf einen Schnitt von 2912 Euro im Monat. In den Verhandlungen mit den Kostenträgern habe man „eine Pflegesatzsteigerung von 10,4 Prozent für 2023 erreicht“, sagt Bischoff. In der Spitze liege die Steigerung im Monat bei 463 Euro.
Deutlich höhere Energiekosten
Die Gründe für die Preiserhöhung sind bekannt. Marc Bischoff nennt die „immense Inflation“. Die Energiekostensteigerung lägen beim ELW bei 50 Prozent, Preisaufschläge für Lebensmittel bei etwa sechs Prozent.
In den Pflegeheimen anderer Träger ist die Lage nicht anders. In den Häusern der Heimstiftung liege der monatliche Eigenanteil der Bewohner aktuell bei durchschnittlich 3250 Euro, erklärt Pressesprecherin Alexandra Heizereder. „In der Spitze sind es 3700 Euro.“ Vom kommenden Jahr an werden es für die Heimbewohner im Schnitt sogar etwa „4000 Euro im Monat“ sein.
Eigenanteile mit mehr als 4000 Euro
Florian Bommas, der Geschäftsführer der Diak Altenhilfe in Stuttgart, geht davon aus, dass Bewohner und Angehörige angesichts der höheren Rechnungen für das nächste Jahr wohl „ziemlich erschrocken“ gewesen seien. Der Eigenanteil liege auch bei der Diak Altenhilfe ohne Abzug der Leistungszulage dann bei mehr als 4000 Euro im Monat. Die Zuzahlung der Pflegekasse aber bleibe unverändert. „Das kann niemand von seiner Rente bezahlen“, stellt Bommas fest.
Noch etwas verschont von solchen Botschaften bleiben die Bewohner der Caritas-Altenheime in Stuttgart, aber nur wenige Monate. Die Vergütungssätze, die mit den Kostenträgern für ein Jahr verhandelt werden, gelten bei der Caritas „bis zum 31. März“, sagt Sebastian Menne, der stellvertretender Bereichsleiter Altenhilfe. Danach rechnet er auch bei der Caritas mit einer ähnlichen Steigerung e wie bei anderen Trägern.
Ziel war mehr als 10,4 Prozent Zuschlag
Immerhin bei den Energiepreisen habe „der Gesetzgeber inzwischen gehandelt“ mit einer Preisbremse für Strom, Gas und Fernwärme, sagt der Geschäftsführer der Diak Altenhilfe. „Die reinen Energiekosten verdreifachen oder vervierfachen sich dadurch ‚nur’ noch, eine Verzehnfachung ist damit vom Tisch“, schildert Florian Bommas die gegenwärtige Lage bei der Diak Altenhilfe.
Von Entspannung keine Rede. Die Heimträger befürchten, dass die jetzigen Erhöhungen nicht reichen, um die gestiegenen Kosten zu decken. Marc Bischoff: „Der ELW hätte gerne mehr als die 10,4 Prozent gehabt.“ Nicht nur er ist überzeugt: „Die Haltung der Kostenträger zu Inflation und Kostensteigerungen geht an der Realität vorbei.“
Wie Marc Bischoff ist auch Florian Bommas besorgt wegen des kommenden neuen Tarifabschlusses für die Bezahlung der Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi gehe in die Tarifverhandlungen mit der Forderung von 10,5 Prozent Lohnsteigerung, aber mindestens 500 Euro im Monat. Gerade bei den unteren Entgeltgruppen bedeute die monatliche Minimalzahlung „eine Lohnsteigerung von über 20 Prozent“, sagt der Geschäftsführer der Diak Altenhilfe. Die Kosten würden dadurch noch weiter deutlich steigen. Bommas: „Etwa 65 Prozent der Kosten im Pflegeheim sind Personalkosten.“