Stuttgart-Untertürkheim Andreaskirche als Stadtteilzentrum

Von Janey Schumacher 

Seit etwa fünf Jahren bietet ein Initativkreis in der Andreaskirche ein vielfältiges Angebot an. Um dieses auch künftig tun zu können, soll hier ein Stadtteil- und Familienzentrum entstehen.

In der Andreaskirche soll ein Stadtteil- und Familienzentrum entstehen. Foto: Janey Schumacher
In der Andreaskirche soll ein Stadtteil- und Familienzentrum entstehen. Foto: Janey Schumacher

Obertürkheim - Vor etwa fünf Jahren hat sich der „Initiativkreis Stadtteil- und Familienzentrum in Obertürkheim“ zusammengeschlossen. Auslöser waren damals die Ergebnisse des Sozialdatenatlas. Denn erstmals wurden Uhlbach und Obertürkheim getrennt aufgeführt. Das Ergebnis: Es wurde deutlich, dass es im Ortskern von Obertürkheim viele Menschen gibt, die von Armut betroffen sind. Um diese Menschen zu unterstützen, wurde der Initiativkreis gegründet. In der evangelischen Andreaskirche in der Heidelbeerstraße fanden die Beteiligten Platz für ihr Angebot. Im Luthersaal und verschiedenen anderen Nebenräumen finden seither Elternseminare, Frühstück, Sprachkurse oder eine Nähwerkstatt statt. „Angebote, die auch in einem Stadtteil- und Familienzentrum gedeckt werden, wurden auf eigenes Risiko und vielfach auch auf eigene Kosten zur Verfügung gestellt“, sagte Bezirksvorsteher Peter Beier in der letzten Sitzung des Bezirksbeirates Obertürkheim. Damit das Angebot weiterhin zur Verfügung stehen kann, soll ein Stadtteil- und Familienzentrum im Stockwerk unterhalb der Andreaskirche eingerichtet werden. Voraussetzung ist, dass der Gemeinderat einem entsprechenden Antrag zustimmt und die notwendigen Fördermittel zur Verfügung stellt.

30 000 Euro pro Jahr

Bereits im Jahr 2017 hat die Initiative einen Förderantrag gestellt, wurde jedoch enttäuscht. Zwar unterstützten Vereine und Einrichtungen die Forderung, und auch der Bezirksbeirat sprach sich einstimmig für ein Stadtteil- und Familienzentrum aus, die notwendige Mehrheit konnte im Gemeinderat aber nicht erreicht werden. Ein kleiner Trost blieb dennoch: Der Willkommensraum in der Andreaskirche, der im Mai letzten Jahres eröffnet wurde, wird von der Stadt gefördert. Die Arbeit des Initiativkreises wurde mit 30 000 Euro pro Jahr unterstützt, sodass unter anderem eine 25-Prozent-Stelle finanziert werden konnte.

„Die Förderung endet allerdings im nä chsten Jahr“, sagte Pfarrerin Friederike Weltzien von der evangelischen Kirchengemeinde und Mitbegründerin des Initiativkreises. Um weitermachen zu können und das Programm zu erweitern, wird nun erneut Anlauf genommen. Das Ziel: Der Gemeinderat soll im Doppelhaushalt 2020/21 Fördermittel für das Stadtteil- und Familienzentrum bereitstellen. Träger soll die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft sein. Deshalb wurde das Konzept für die Nutzung der Räume mit der Jugendhilfeplanung und der Sozialplanung abgestimmt.

Rasche Entscheidung gefordert

Eine kleine Hürde gibt es jedoch: Die Verwaltung will künftig nur noch sogenannte Stadtteilhäuser fördern. Das Besondere an diesen Stadtteilhäusern: Sie wollen ein generationenübergreifendes Angebot schaffen. „Das wäre kein Problem“, sagte SPD-Bezirksbeirat Michael Jantzer, der sich ebenfalls im Initiativkreis engagiert. Einen Mittagstisch, wie in Stadtteilhäusern eigentlich vorgesehen, könne jedoch nicht angeboten werden, sagt Jantzer. Das sei mangels Personal nicht leistbar. Aber prinzipiell sei das Konzept eines Stadtteilhauses auch ohne Mittagstisch denkbar und daher auch auf das geplante Stadtteil- und Familienzentrum in Obertürkheim übertragbar.

Dass auch der Bezirksbeirat die Arbeit des Initiativkreises schätzt, hat er in der Vergangenheit durch verschiedene Zuschüsse, zuletzt in Höhe von 10 000 Euro für ein „Gläsernes Büro“, unter Beweis gestellt. Der Obertürkheimer Bezirksbeirat fordert eine möglichst rasche Einrichtung – wünschenswert wäre im Laufe des Jahres 2020 – eines von der Stadtverwaltung künftig geförderten „Stadtteilhauses“ direkt im Anschluss an den derzeitigen Willkommensraum. Daher bitten die Bezirksbeiräte die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, im Doppelhaushalt 2020/2021 die erforderlichen Mittel bereitzustellen – entschieden wird über diesen Wunsch nach mehrwöchigen Beratungen Ende dieses Jahres.

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