Stuttgart-Vaihingen Der Rahmsoßen-Rapper

Von Tilman Baur 

Nicht viele Rapper haben sich bislang um Spätzle, Maultaschen und Rahmsoße geschert. Dennis Strobel schon: Er hat eine Umfrage der Filder-Zeitung in der Vaihinger Uni-Mensa musikalisch-satirisch verarbeitet.

Dennis Strobel macht unter dem Namen MC Xsälzbrot Rapmusik und hat eine Umfrage über die Uni-Mensa am Campus Vaihingen in eines seiner Lieder eingebaut. Foto: Tilman Baur
Dennis Strobel macht unter dem Namen MC Xsälzbrot Rapmusik und hat eine Umfrage über die Uni-Mensa am Campus Vaihingen in eines seiner Lieder eingebaut. Foto: Tilman Baur

Vaihingen - Auf düster-drohende Hip-Hop-Beats folgen stets Texte voller Gewalt, Drogen und Exzesse? Nicht unbedingt. Manchmal klingt es auch so: „Rahmsoße ist nur geil, wenn sie dicke Fäden zieht / Schaut wie MCX sich die Schnitzels in den Schädel schiebt.“ Zugegeben: Die Stelle gehört zu den eher harmloseren auf dem Track „Mensa“ des Stuttgarter Moderators und Rappers Dennis Strobel alias „MC Xsälzbrot“. Derb und politisch unkorrekt geht es darin teils durchaus zu.

Auf jeden Fall dürfte Strobel der einzige Rapper weltweit sein, der sich jemals mit der Qualität Stuttgarter Mensa-Gerichte auseinandergesetzt hat. Anlass dazu gab eine Umfrage der Filder-Zeitung. Die wollte vor einem Jahr von Studenten auf dem Campus in Vaihingen wissen, was sie denn vom Angebot ihrer Mensa halten. Die Meinungen wurden als Audiodatei veröffentlicht.

„Maultaschen sind das beste Gericht in der Mensa“

Als der Rapper die eigentlich recht belanglosen und wenig kontroversen Aussagen hört („Ich gehe in die Mensa, weil die Preise studentenfreundlich sind“ – „Es sind freundliche Leute an der Theke, die auf Sonderwünsche eingehen“ – „Maultaschen sind das beste Gericht in der Mensa“), sieht er darin auf Anhieb Satire-Potenzial.

„Die Aussagen waren so witzig, da musste ich einfach was draus machen“, sagt der Teilzeitrapper, der sein Studium mittlerweile abgeschlossen hat und als Moderator beim Radio arbeitet. Strobel zögert nicht lang, schickt die Audiodatei mit der Umfrage sofort seinem Produzenten nach Heidelberg. „Wir haben uns zusammen hingesetzt, die Umfrage auseinandergenommen und uns überlegt, wie wir die Aussagen in den Beat einbauen können“, sagt Strobel.

Die Produktion läuft in einem Rutsch

Eine grobe Idee von Text und Beat hat er bereits auf dem Weg ins Studio. Dort läuft die Produktion dann in einem Rutsch. Nach ein paar Stunden ist der Track im Kasten und eröffnet nun seine aktuelle EP „Bierkrieger“, welches auf allen bekannten Streaming-Diensten erhältlich ist.

Darauf platziert MC Xsälzbrot die eigentlich eher unspektakulären Aussagen der Studenten collageartig mitten in seinen finsteren Beat und seine drastischen Reime – „Sampling“ nennen Rapper den Vorgang.

Dabei entsteht ein lustiger Kontrasteffekt. Kostprobe: „Dinieren in der Mensa, das ist Spachteln mit Stil“, und die Stimme einer Studentin ergänzt: „Und für den Preis erwarte ich jetzt auch nicht viel.“

Obwohl der 24-jährige selbst nicht an der Uni, sondern an einer privaten Medienakademie studiert hat, kennt er die berüchtigten Speisen nur all zu gut. In der Mensa in Stadtmitte hat er früher oft gegessen.

Ein typisch-schwäbischer Künstlername

Wie beurteilt er selbst deren kulinarische Qualität? „Ich würde sagen, dass die Mensa bessere und schlechtere Tage hat“, sagt Strobel – eine diplomatische Aussage, die er gut in seinem eigenen Song aufs Korn nehmen könnte.

Mit dem Sprechgesang hat der gebürtige Tuttlinger vor sechs Jahren aus einer Bierlaune heraus angefangen und auch auf Schwäbisch getextet. Live ist er zuletzt bei der „Langen Ostnacht“ aufgetreten.

„Das Rappen ist eher ein Spaßprojekt, aber wenn sich einmal mehr daraus entwickelt, sage ich nicht nein“, sagt Strobel. Der Künstlername Xsälzbrot entstand bei der Suche nach einem „typisch schwäbischen“ Wort.

Mit dem Mensa-Track ist es aber nicht genug: Erst vor wenigen Tagen hat Strobel sogar ein Video gedreht, das auf Youtube zu sehen ist: Dort rappt er, auf einem Moped sitzend, an verschiedenen Orten über Spätzle, Schnitzel und Maultaschen – unter anderem, selbstverständlich, auch vor der Mensa.

Unseren damaligen Bericht mit Umfrage finden Sie hier.

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