Stuttgart-Vaihingen Kinder leiden unter den Zuständen an den Schulen

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Ungenügender Schallschutz, miefende Klos, Schimmel – die Mängelliste der Schulen ist lang. So auch an der Österfeldschule in Stuttgart-Vaihingen. Und trotzdem tut sich wenig, klagen Rektoren. Es gibt dafür einen Grund.

Die Österfeldschule in Stuttgart-Vaihingen hat Baujahr 1902. Foto: Archiv Marie Hertfelder
Die Österfeldschule in Stuttgart-Vaihingen hat Baujahr 1902. Foto: Archiv Marie Hertfelder

Vaihingen - Das Hauptgebäude der Österfeldschule an der Katzenbachstraße ist 1902 als Volksschule errichtet worden. Die Außenstelle an der Pfarrhausstraße ist sogar noch älter: 1866 wurde das Haus erbaut und ist damit deutlich mehr als 100 Jahre alt. Das Alter macht sich an der Bausubstanz bemerkbar: Die Österfeldschule ist marode. Zu den Problemen, die die alten Gebäude mit sich bringen, zählen unter anderem mangelhafter Schallschutz, miefende Toiletten und Schimmel. „Darunter leiden die Kinder und die Mitarbeiter“, sagte die Rektorin Erika Diemer-Hohnholz in der Januar-Sitzung des Vaihinger Bezirksbeirats.

Denkmalschutz bremst Sanierungen aus

Die Decken im Treppenhaus und Untergeschoss des Hauses an der Pfarrhausstraße werden inzwischen durch sogenannte Bausprieße stabilisiert. „Alle vier Wochen kommt jemand zum Überprüfen“, sagte Diemer-Hohnholz. Auf Dauer will die Schule das Gebäude nicht nutzen. Die Klassen, die an der Pfarrhausstraße untergebracht sind, sollen ins Haupthaus ziehen. „Aber dafür müssen wir dort erst einmal Platz schaffen“, sagt die Rektorin. Dazu soll der Raum, der für Naturwissenschaft- und Technik-Unterricht genutzt wurde, als die Schule noch einen Hauptschulzweig hatte, umgebaut werden, ebenso der Vorbereitungsraum. „Den Rückbau hat die Stadt vor Jahren versprochen, aber wir warten immer noch darauf“, sagte Diemer-Hohnholz. Im Zuge der Umstellung auf den Ganztag brauche die Schule diese Räume dringend.

Ein Problem bei den alten Gebäuden ist das Thema Denkmalschutz. Dieser bremse alles immer wieder aus, sagte die Schulleiterin. „Der Denkmalschutz hat den Nachteil, dass wir nur wenig machen dürfen. Selbst das Streichen der Wände gestaltet sich schwierig.“ Es gebe genaue Richtlinien, an die man sich halten müsse. So dürften die Wände nur in der ursprünglichen Farbe wieder gestrichen werden, „Gefängnis-Grau“ nannte Diemer-Hohnholz den Farbton.

Selbst das relativ „neue“ Gebäude der Außenstelle am Liasweg, Baujahr 1979, ist dringend sanierungsbedürftig. Die Fenster sind undicht, der Fußboden in der Jungentoilette muss erneuert werden. Die Schüler klagten über einen so heftigen Gestank, dass sie sich weigern würden, dort noch auf die Toilette zu gehen, so die Schulleiterin.

Nichts Luxuriöses, sondern nur Standard

Schulen hätten sich verändert. Heute gälten ganz andere Anforderungen an Häuser, Unterricht und Betreuung. „Kinder verbringen heute bis zu zehn Stunden am Tag in der Schule“, sagte Diemer-Hohnholz. Da sei es von Nöten, ihnen ein angemessenes Umfeld zu bieten. Das gehe aber nur, wenn die Österfeldschule umfassend modernisiert werde. „Ich wünsche mir, dass es endlich vorangeht. Wir wollen ja gar nichts Luxuriöses, sondern den heutigen Standard.“

Immerhin: Seit die Rektorin im vergangenen Frühjahr ihre Mängelliste im Bezirksbeirat vorstellte, hat sich etwas getan. „Dank Ihres Einsatzes wurden wenigstens die Jungstoiletten im Untergeschoss des Hauptgebäudes saniert“, sagte Diemer-Hohnholz. Auch die Böden in einigen Räumen der ehemaligen Hausmeisterwohnung, die aufgrund starker Schimmelentwicklung nicht mehr betreten werden durften, seien saniert worden.

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