Stuttgart-Vaihingen Schulen wartenweiter auf Sanierung

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Die Schulbürgermeisterin Isabel Fezer hat für den Bereich Filder-West die Schulentwicklungsplanung vorgestellt. Die Stimmung bei den Schulleitern, Elternvertretern und Lokalpolitikern ist dabei alles andere als euphorisch gewesen. Wir haben alle Infos.

Kinder sollen Spaß am Lernen haben. Doch dazu braucht es auch geeignete Räume. In Vaihingen sind die nicht überall gegeben. Foto: dpa
Kinder sollen Spaß am Lernen haben. Doch dazu braucht es auch geeignete Räume. In Vaihingen sind die nicht überall gegeben. Foto: dpa

Vaihingen - Die Stimmung ist schlecht gewesen. Jedenfalls von dem Zeitpunkt an, zu dem sich herausstellte, dass die Schulen deutlich länger auf Sanierungen und Neubauten warten müssen als bisher angenommen. Am Montag, 9. Oktober, hatte die Stuttgarter Schulbürgermeisterin Isabell Fezer die Schulleiter, Elternvertreter, Kommunal- und Lokalpolitiker in die Pestalozzischule geladen, um die Schulentwicklungsplanung für den Schulbezirk Vaihingen vorzustellen. Dieser umfasst auch die Grundschule Kaltental. Auf dem Podium waren neben Fezer Mitarbeiter des Schulverwaltungsamts. Die Vertreter des Hochbauamts saßen dem Vernehmen nach im Publikum.

Das Problem ist bekannt. Der Gemeinderat hat im Doppelhaushalt 2012/2013 ein Schulsanierungsprogramm beschlossen. Dieses wird seither kontinuierlich abgearbeitet und fortgeschrieben. Das Investitionsvolumen umfasst aktuell etwa 565 Millionen Euro. Seit 2014 hat der Gemeinderat pro Jahr 50 Millionen Euro für die Bearbeitung des Schulsanierungsprogramms bereitgestellt. Doch das Geld konnte nicht verbaut werden. Denn die städtischen Ämter, namentlich das Hochbau- und das Schulverwaltungsamt, sind überlastet, es fehlt an Personal. Hinzu kommt die konjunkturell bedingte Marktauslastung. In der Folge konnte die Stadt durchschnittlich nur 34 Millionen Euro pro Jahr in die Sanierung der Schulen investieren. Viele Projekte verzögerten sich. Die Verwaltung schlägt nun für den nächsten Doppelhaushalt eine Absenkung der finanziellen Mittel auf 40 Millionen Euro pro Jahr vor. Sie verweist zudem darauf, dass neue Stellen im Hochbauamt erforderlich sind.

Es gibt viele Baustellen

Geplant ist im Schulbezirk Vaihingen für die kommenden Jahre viel. Die Grundschule Kaltental wächst und will zudem von Herbst 2018 an eine offene Ganztagsschule werden. Darum braucht die Schule mehr Räume. Derzeit erarbeitet die Schule zusammen mit der Verwaltung ein Konzept für eine bauliche Erweiterung und Umstrukturierungen im Bestand. Bereits zu Schuljahresbeginn sollten zwei zusätzliche Klassenzimmer in Containern eingerichtet werden. Doch deren Lieferung lässt auf sich warten. Darum werden aktuell zwei dritte Klassen im Bürgersaal Kaltental unterrichtet.

Die zweite große Baustelle ist der Campus Vaihingen. Die Pestalozzischule, das Hegel-Gymnasium, die Verbundschule Rohr und die Robert-Koch-Realschule sollen enger zusammenrücken, unter anderem, um Synergien zu nutzen. Es soll ein gemeinsames Campus-Haus C4 geben. Dafür hat der Gemeinderat Planungsmittel in Höhe von 1,35 Millionen Euro beschlossen. Doch die Realisierung scheint in weite Ferne gerückt. Daran geknüpft sind verschiedene andere Maßnahmen, so zum Beispiel die Sanierung des Süd- und Mittelbaus des Hegel-Gymnasiums sowie die Generalsanierung beziehungsweise ein Neubau der Robert-Koch-Realschule.

Ebenso macht sich die Österfeldschule Gedanken über die Zukunft. Wie in Kaltental startet auch dort im kommenden Schuljahr die Ganztagsschule, die mehr Platz benötigt. Das Nebengebäude an der Pfarrhausstraße ist jedoch abgängig. Damit hätte die Schule künftig noch weniger Platz. Für die Außenstelle Liasweg ist für den Ganztagsbereich eine Kooperation mit der Margarete-Steiff-Schule vorgesehen. Auch am Fanny-Leicht-Gymnasium ist der Modernisierungsbedarf groß. Die Schönbuchschule steht vergleichsweise gut da. Sie ist bereits Ganztagsschule. Mittlerweile sind die Baumaßnahmen abgeschlossen.

Schulleiter waren „sauer und geschockt“

Die Schulleiter waren zum Teil vor den Kopf gestoßen. Sie hatten das Gefühl, „dass alles auf Null zurückgeht“, wie es ein Rektor formuliert. Vielen der Anwesenden sei nicht bewusst gewesen, dass sich die Umsetzung auch bereits beschlossener Projekte „so schwierig gestalten“ würde. Die Schulen würden vor sich hinrotten, und wenn die Schulgemeinschaft Dinge selbst in die Hand nehmen wolle, werde man ausgebremst, sagt einer der Rektoren.

Die bei der Veranstaltung anwesenden Bezirksbeiräte werden konkreter. Ebenso wie die Schulleiter sind sie der Bürgermeisterin dankbar für ihre gute Analyse und ihre Offenheit, wie es von vielen Seiten heißt. „Aber die Konsequenz, dass die Sanierungsmittel nun gekürzt werden, freut uns natürlich nicht“, sagt der CDU-Bezirksbeirat Karsten Eichstädt und ergänzt: „Da muss man nach einer anderen Lösung suchen.“ Die Schulleiter seien „verständlicherweise sauer und geschockt“ gewesen, so seine Einschätzung.

Die Grünen-Bezirksbeirätin Christa Tast hat aus der Veranstaltung mitgenommen, „dass der Schulcampus noch nicht entschieden ist, und dass es noch keine Grundsatzentscheidung zu einem eventuellen Neubau der Robert-Koch-Realschule“ gibt. „Die Stimmung war frustrierend“, so ihr Fazit. Eyüp Ölcer (Freie Wähler) spricht von einer ernüchternden Veranstaltung. „Das war ein Schlag ins Gesicht für Schüler, Eltern und Lehrer“, sagt er und fügt hinzu: „Das ist das Ergebnis einer jahrelangen Fehlplanung.“ Bei dem Infotermin seien keine konkreten Lösungen präsentiert worden. Er erwarte von der Verwaltung nun zumindest, dass diese auf die einzelnen Schulen zugehe und erkläre, wann und wo gebaut werden könne. „Die Schulen brauchen Klarheit und Planungssicherheit.“

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