Stuttgart-Vaihingen/Stuttgart-Ost Eingeengt durch gläserne Kugeln um den Kopf

Ursula Donn in ihrem kleinen Atelier am Hoffmannsweg im Stuttgarter Osten. Foto: Sabine Schwieder
Ursula Donn in ihrem kleinen Atelier am Hoffmannsweg im Stuttgarter Osten. Foto: Sabine Schwieder

Die dreifache Mutter Ursula Donn malt Erwachsene und Kinder, die auf den ersten Blick begrenzt durch Glaskugeln oder Vasen sind. Ihre farbstarken Bilder sind dennoch nicht ohne Hoffnung. Die Künstlerin lebt im Stuttgarter Osten und ist Mitglied beim Vaihinger Kunstverein Kultur am Kelterberg.

Filder-Zeitung: Sabine Schwieder (ssc)

Vaihingen/Stuttgart-Ost - Wie ein Aquarium umgibt die Glaskugel den Kopf des jungen Mannes. Dies zumindest lassen die Fische vermuten, die hier ihre Runden drehen. Die Tapete dahinter zeigt Comicfiguren und – in schwächeren Farben – Männer mit Waffen in martialischer Pose. Der junge Mann, so scheint es, ist ein Gefangener seiner Umgebung, vollkommen eingeengt und unfähig zur Kontaktaufnahme. Das Gemälde heißt Traum a III, ist Teil einer Serie, und seine Urheberin Ursula Donn ist seit Kurzem Mitglied des Kunstvereins Kultur am Kelterberg. Zur Ausstellung der neuen Mitglieder hat sie zwei Beispiele dieser Serie beigesteuert.

„Wenn ich nicht malen kann, werde ich unausstehlich.“

Ihre Arbeiten, so vermutet die Künstlerin bei einem Gespräch in ihrem kleinen Keller-Atelier im Stuttgarter Osten, haben fast alle mit ihrer eigenen Lebenswelt zu tun. Wie so viele Frauen in der gleichen Situation empfindet sich die Mutter von drei kleinen Söhnen als stark eingeengt, obwohl sie auf ihrer Homepage die Jahre 2011 bis 2017 unter dem Projektnamen „three wonderful sons“ abgespeichert hat.

Doch das künstlerische Schaffen musste in den vergangenen Jahren all zu oft zurückstehen. „Das vermisse ich sehr“, gesteht Ursula Donn, „wenn ich nicht malen kann, dann werde ich unausstehlich.“ Schon als Kind, so erzählt sie, habe sie sich versteckt, wenn Besuch gekommen sei, um in Ruhe malen zu können.

Aufgewachsen ist die 1977 in Frankfurt am Main geborene Künstlerin zum Großteil in Niederbayern, wo ihre Eltern in einem ehemaligen Internat mit anderen eine Lebensgemeinschaft gegründet hatten. „Das war ein bisschen wie Bullerbü“, erzählt Ursula Donn: auf dem riesigen Dachboden der Schule fanden sich unzählige alte Schätze, die sie zum Basteln und Bauen anregten. Das ist heute noch so, nur dass die viel beschäftigte Mutter viel mehr Ideen hat als Zeit, sie auch auszuführen.

Vielbeschäftigte Mutter von drei Söhnen

Die Schullaufbahn hat sie frühzeitig abgebrochen, stattdessen gab es ausgedehnte Reisen. Auch die Liste ihrer späteren Studienreisen ist bunt: Israel, Thailand, Nepal, Indien, Brasilien, Russland. Auf Anregung eines Volkshochschullehrers ging die begabte junge Frau an die Freie Kunstschule nach Freiburg. Hier erkannte man ihr Talent und schickte sie recht bald an die Stuttgarter Akademie.

Während des Studiums lebte sie in einem Wagen auf dem Gelände eines Biolandhofes in Denkendorf. „So eine Wagenburg“, erinnert sie sich amüsiert, „vereint viele Individualisten, die eigentlich mit niemandem zusammenleben können.“ Aber als sich noch während des Studiums der erste Sohn ankündigte, wechselte sie in ein festes Haus im Stuttgarter Osten: „Mein Mann und ich sind mit jedem Kind eine Straße höher gezogen.“

Vorliebe für kräftige Farben

An der Akademie, zunächst eingeschrieben für Bildhauerei, merkte Ursula Donn, dass ihr Ding die Farbe ist. Da sie auf Ölfarben mit Kopfschmerzen und Hautproblemen reagiert, benutzt sie überwiegend Acryl. Die Vorliebe für leuchtende Farben ist über die Jahre geblieben. „Ich habe eine starke Handschrift, das kann ich gar nicht ändern“, sagt Ursula Donn. Das sprechende Bild einer Glaskugel als Eingrenzung habe sie schon als junges Mädchen im Kopf gehabt: „Jeder sitzt in seiner kleinen Weltkugel aus Glas und kann nicht kommunizieren.“

Und doch: melancholisch sind Ursula Donns Bilder nicht. Trotz ihrer Begrenzung blicken ihre Porträtierten aus wachen Augen auf die Welt. Für die Stuttgarter Künstlerin sind die sie umgebenden Fische ein Symbol für Freiheit – bei aller Sprachlosigkeit.

Ornamente im Hintergrund

Typisch für ihre Bilder ist zudem die Beschäftigung mit Ornamenten. So wie die kleinen Comicfiguren den Hintergrund für den Kopf des jungen Mannes bilden, so zeigt sie Mädchen und Jungen vor Spielzeug oder Flüchtlingskinder vor orientalisch anmutenden Mustern. „Ich nehme ganz stark wahr, dass alles Lebendige einem Rhythmus folgt“, sagt sie, die dieses Malen im Gegensatz zum anstrengenden Porträtieren als Erholung empfindet.

Kinder in engen Vasen

Vielleicht liegt das auch daran, dass sie viel mit Kindern arbeitet. Unter dem Titel „Wenn ich groß bin, geh ich auch mal auf der Welt“ hat sie Jungen und Mädchen in großen Vasen gemalt. Eine Erinnerung an die Zeiten von Krabbelgruppen und Kinderspielplätzen. „Ich wollte nämlich meine Kinder nie in einer engen Vase, in der sie sich nicht bewegen können, als Schmuckstück präsentieren“, merkt sie kritisch an, „ich leide ja selbst darunter, dass mein eigener Bewegungsraum so eingeschränkt ist.“

Beteiligung an der jurierten Ausstellung am Kelterberg

Jetzt, da die Söhne älter werden, will sie sich wieder ins Kunstleben zurücktasten, das bisher nur mit gelegentlichen Beteiligungen an Ausstellungen zu seinem Recht gekommen ist. Zur Zeit bereitet sie einen Beitrag für den jährlichen Wettbewerb der Sparkasse Karlsruhe vor. Und auch in Vaihingen, wo sie keine Unbekannte ist, nachdem sie vor zwei Jahren für ein Weihnachtsmusical des Fanny-Leicht-Gymnasiums Bühnenbild und Kostüme entworfen hat, will sie künftig präsenter sein. Für die jurierte Ausstellung „Stadt _ Land _ Fluss“ am Kelterberg wurde eines ihrer Bilder von der Jury angenommen.




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