Stuttgart-Weilimdorf Beispiel für gelungene Integration

Von Petra Mostbacher-Dix 

Der italienische Botschafter Pietro Benassi hat die Wolfbuschschule in Stuttgart-Weilimdorf besucht.

Massimo Mongero (von links, Leiter der Schulabteilung des Konsulats), Massimo Darchini (italienischer Generalkonsul), Pietro Benassi (italienischer Botschafter) Foto: Mostbacher-Dix
Massimo Mongero (von links, Leiter der Schulabteilung des Konsulats), Massimo Darchini (italienischer Generalkonsul), Pietro Benassi (italienischer Botschafter) Foto: Mostbacher-Dix

Stuttgart-Weilimdorf - Lachend schütteln sich die Kinder die Hände, legen sie dann aufs Herz. „Benvenuto, benvenuto“ – „willkommen, willkommen“ singen die Erst-, Zweit- und Drittklässler fröhlich und schauen auf Pietro Benassi. Der italienische Botschafter aus Berlin erwidert lächelnd die Geste, nachdem Zoe, Flavio und Anna gemeinsam ein Gedicht vorgetragen haben. Einen Tag zuvor noch in Baden-Baden wegen des G20-Gipfels der Finanzminister und Notenbankchefs, hat Benassi die Chance genutzt, die Wolfbuschschule in Stuttgart-Weilimdorf zu besuchen. Mit dabei: Massimo Darchini, Generalkonsul Italiens in Stuttgart, sowie der Leiter der Schulabteilung des Konsulats, Massimo Mongero.

Bereits seit 1998 bietet die Grund- und Werkrealschule einen bilingualen deutsch-italienischen Klassenzug an. Der sei eingerichtet worden, als man merkte, dass die Kinder mit italienischen Wurzeln seltener höhere Bildungsabschlüsse erreichten, sagt die Rektorin Petra Klingel. Den Integrationsprozess dieser Kinder will man erleichtern. „Der Erfolg ist enorm“, so Klingel. Viele weiterführenden Schulen freuten sich über die Kinder der Wolfbuschschule wegen ihrer Sprachkenntnisse und ihrem Wissen. „Das meldet uns auch das Königin-Katharina-Stift zurück“, betont die Rektorin. Das Gymnasium in der Stadtmitte ist die zweite Schule in Stuttgart mit bilingualem Zug Italienisch-Deutsch. Drei weitere gibt es in Karlsruhe, Kollnau-Waldkirch sowie Freiburg. 30 Prozent haben nach Klingel in der Wolfbuschschule einen italienischen oder italienisch-deutschen Hintergrund. „Aber wir haben auch deutsche Eltern und Eltern anderer Nationen, die wegen der Bilingualität unsere Schule auswählen.“

Vier Stunden Italienisch

In den „B-Klassen“ erhalten die Schüler im Sprachbereich vier Stunden Italienisch. Die Sachgebiete werden in Tandems vermittelt: Eine italienische Lehrkraft unterrichtet mit einer deutschen gemeinsam. Wie das funktioniert und wie selbstverständlich die Kinder zwischen beiden Sprachen wechseln, das erlebten Benassi, Darchini und Mongero „live“ im Unterricht. „Guten Morgen Frau Behrend – Buongiorno Maestra Franciamore“, stimmen die Schüler der Klasse 2b schwungvoll ihre Begrüßung an, nachdem ihnen die Gäste vorgestellt wurden. Die müssen denn auch bei einem Spiel mitmachen, dass die Kinder vorbereitet haben: Für „cercare il mese“ verteilten sie Kärtchen, auf denen mal in Italienisch, mal in Deutsch Fragen zu den Monaten gestellt werden, etwa: „Wann beginnt die Schule nach den Ferien?“ Oder: „Wann kommt Befana“. Die Hexe fliegt der Sage nach zwischen 5. und 6. Januar von Haus zu Haus, um das Jesuskind zu suchen, bringt dabei braven Kindern Geschenke mit.

„Diese Schule ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration“, lobt Generalkonsul Darchini die Einrichtung. Das unterstreicht auch Botschafter Benassi und betont, wie gut die Zusammenarbeit mit den baden-württembergischen Behörden sei. „Hier lebt mit 180 000 Menschen die größte italienische Gemeinschaft Europas.“ Das liege an der Wirtschaft, aber auch an der geografischen Nähe. „Solch eine Schule trägt dazu bei, das jeweilige System und die Kultur des Anderen zu verstehen und kann ein Modell für ähnliche Projekte in der Zukunft sein. Das ist in Zeiten wie heute umso wichtiger“, sagt er.

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