Stuttgart West Stadtmagazin Im Westen was Neues

Von Christoph Kutzer 

Das Stadtteilmagazin „Streunen & Schlendern“ von Anna Ruza und Stoff Büttner will den Westen weiter beleben. Im Dezember erscheint die zweite Ausgabe.

Anna Ruza und Stoff Büttner setzen sich für den Westen ein Foto: Christoph Kutzer
Anna Ruza und Stoff Büttner setzen sich für den Westen ein Foto: Christoph Kutzer

S-West - Ein Schwarm von gefalteten Papiervögeln schwebt unter der Decke des I Love Sushi Warteraums am Rosenbergplatz. Noch stehen einige Gläser herum, Tonic-Water-Fläschchen sind aufgereiht. „Wir haben gestern ein bisschen gefeiert“, erklärt Anna Ruza (31) und nippt an ihrem Kaffee. Anlass war eine Vernissage. Tiermotive in Acryl zieren die Wände. Natürlich wurde auch Stuttgarts erster und einziger selbst produzierter Gin verkostet. Hinter der Spirituose mit dem klangvollen Namen „Applaus“ steckt Stoff Büttner (33), Annas Lebens- und Kreativpartner. Der Mit-Geschäftsführer der Sushi-Bar und die Grafikerin entwickeln seit einer gefühlten Ewigkeit gemeinsam Ideen wie den mit Kunst gefüllten Kaugummiautomaten am Haus gegenüber. Ihr neuestes Baby ist das halbjährlich erscheinende Stadtbezirksmagazin „Streunen & Schlendern“.

Heft im Postkartenformat

„Wir wollen dazu beitragen, dass die Leute ihren Stadtteil bewusster wahrnehmen“, erklärt Ruza. „Sie sollen sich Zeit nehmen, ihn zu Fuß zu erschließen und dazu angeregt werden, vielleicht auch mal genau in jene Pinte zu gehen, die sie von außen schon immer so seltsam fanden.“ Das kostenlose Heft im Postkartenformat hilft der Neugier mit Vorschlägen für Entdeckungstouren auf die Sprünge. Überhaupt ist die auf Recyclingpapier und selbstredend im Westen gedruckte Broschüre weit mehr als ein handliches Anzeigenblatt für Gewerbetreibende. Die grafische Gestaltung und verspielte Extras wie eine Postkarte oder Malvorlagen machen „Streunen & Schlendern“ zu einem kleinen Kunstwerk.“ „Wir wollten etwas wirklich Wertiges vorlegen“, erklärt Stoff. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leute die Ausgaben sammeln werden. Zumindest wirft man sie sicher nicht achtlos weg wie ein lieblos gemachtes Heftchen aus dünnem Papier, das sofort zerknittert.“

Eine App zu entwickeln wäre keine Alternative gewesen, wie der gelernte Hörgeräteakustiker klarstellt: Man habe etwas Schönes kreieren wollen, das zudem zur Entschleunigung beitrage. Auch Menschen ohne Affinität zu den neuen Medien sollten partizipieren können. „Diese Teilhabe ist uns wichtig“, so Büttner. „Es wäre schön, wenn noch mehr Leute ihren Stadtteil aktiv mitgestalten würden.“

Nicht aus Gewinn aus

Die Reaktionen auf das in etlichen Läden, aber auch im Bürgerzentrum West ausliegende Print-Produkt sind durchweg positiv. Am 1. Dezember soll der Nachfolger vorliegen. „Wir wollen solche Fristen unbedingt einhalten“, betont Anna Ruza. Nur so lasse sich ein Projekt wie dieses am Laufen halten. Schließlich sollen ja auch Anzeigenkunden für die Kooperation gewonnen oder bei der Stange gehalten werden. Ihr Unkostenbeitrag finanziert zumindest einen Teil des Magazins. Auch wenn es kostenlos ist: Der Druck der jeweils 10 000 Exemplare verursacht Kosten. „Es wäre schön, wenn es einen Weg gäbe, etwas finanzielle Unterstützung seitens der Stadt zu erhalten“, überlegt Büttner. „Das wäre eine Anerkennung für das, was wir hier für den Westen tun und würde unsere Arbeit erleichtern.“ Gerade erst haben die zwei kreativen Köpfe den Bezirksbeirat besucht, um für ihre Sache zu werben. „Ich arbeite gern“, stellt Anna Ruza gutgelaunt fest. „Sonst ginge das auch gar nicht, denn dreißig Stunden habe ich sicher an der ersten Ausgabe gesessen. Die bezahlt niemand. Wir wollen auch keinen Gewinn machen, aber es wäre toll, nicht mehr vom Anzeigengeld abhängig zu sein. Auch für die Läden, die wir vorstellen.“

Dass der Stadtbezirk auf Dauer zu wenig hergeben könnte, um zwei Ausgaben pro Jahr zu füllen, befürchten Ruza und Büttner nicht. Sie sehen, was kleine Geschäfte und deren Klientel angeht, einen klaren Trend weg von der Königstraße und hinein in die Stadtteile. Durch Hinweise auf soziale Projekte oder regelmäßige Treffs im Westen ließe sich auch das Spektrum von „Streunen & Schlendern“ erweitern. An Ideen mangelt es den beiden nicht. Das hat man inzwischen auch andernorts bemerkt. Nach entsprechenden Anfragen sind derzeit zwei weitere Ausgaben von „Streunen & Schlendern in Vorbereitung: für den Stuttgarter Süden.

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