Stuttgart will Fahrradstadt werden „Roter Teppich“ für Radler in der City – aber Kritik an Radweg bleibt

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Stuttgart gilt als traditionelle Autostadt – doch das soll sich ändern. Auf dem Weg zur Fahrradstadt sollen Radler künftig ein Viertel des Verkehrs ausmachen. Jetzt rollt die Stadt den Radlern in der City einen „roten Teppich“ aus – doch der Initiative Radentscheid reicht das nicht.

Der Radweg führt vom Charlottenplatz bis zur Marktstraße. Foto: Sven Matis/Stadt Stuttgart
Der Radweg führt vom Charlottenplatz bis zur Marktstraße. Foto: Sven Matis/Stadt Stuttgart

Stuttgart - Fahrradfahrer in Stuttgart können in Zukunft leichter durch die Innenstadt kommen. Der Grund: Der Radweg, der zwischen Charlottenplatz und Marktstraße parallel zur Hauptstätter Straße verläuft, hat nun eine deutliche rote Markierung bekommen. „Das war eine Baustelle, die bei Radfahrern für Unmut gesorgt hat“, sagte Stadtsprecher Sven Matis am Mittwoch. Anders als die zwei temporären Fahrspuren in der Theodor-Heuss-Straße und der Holzgartenstraße bleibe der Radweg dauerhaft und soll das Radeln in der Innenstadt sicherer machen. Für die Initiative Radentscheid ist es aber mit neuer Farbe allein nicht getan.

„Roter Teppich“ für Stuttgarts Radler

Ebenso werde auf vom Lieferverkehr ausgehende Gefahrenstellen sowie Ein- und Ausfahrten hingewiesen, ergänzte Matis. In einem vom Tiefbauamt angelegten Beet soll demnächst noch ein Baum gepflanzt werden. „In einem nächsten Schritt könnten Poller folgen“, sagt der Stadtsprecher. Auf Twitter kommentierte Matis den neuen Fahrradweg mit den Worten: „Die Stadt Stuttgart hat Radlern einen roten Teppich ausgerollt.“

Doch nicht allen in Stuttgart gehen diese Maßnahmen weit genug: Schon seit Jahren ist der Radweg in der Kritik von Fahrradverbänden. „An dem Radweg ist lediglich neu, dass er nun rot statt schwarz ist. An der Kritik hat sich dadurch nichts geändert“, betont Thijs Lucas, Sprecher der Initiative Radentscheid Stuttgart. Für den Radverkehr in zwei Richtungen sei der Weg auf der Hauptradroute 1 schlichtweg unterdimensioniert. „Allein dadurch kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrenden, Fußgängern und selbst Autos, die den Radweg zum Fahren und Parken nutzen“, prangert Lucas an. Auch die vielen Ein- und Ausfahrten und etliche Verschwenkungen auf dem relativ kurzen Stück von nur etwa 240 Metern verursachten Stress mit Autofahrern. „Die Konflikte kann die Farbe bestenfalls etwas abmildern.“

Stuttgart gilt als traditionelle Autostadt. Nicht nur der Verkehr – auch die Kessellage macht es Radfahrern schwer. Doch die Zeiten sollen sich ändern – Langfristig soll der Radverkehr ausgebaut werden und ein Viertel des gesamten Verkehrs ausmachen. Nach dem Willen von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) soll Stuttgart eine echte Fahrradstadt werden.

So viele Menschen fahren Fahrrad in Stuttgart

Zuletzt hat die Stadt Stuttgart in der Theodor-Heuss-Straße und der Holzgartenstraße jeweils auf den rechten Fahrspuren übergangsweise Fahrradwege eingerichtet. Pop-up-Bike-Lanes heißen die beiden 700 und 400 Meter langen gelb markierten Radwege, die nun mindestens bis Oktober bestehen bleiben sollen und für die die Stadt 130.000 Euro investierte.

In Stuttgart sind laut Stadt immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs, unter anderem wurde an der Zählsäule auf der König-Karls-Brücke am 26. April ein Tagesrekord mit mehr als 7.500 Vorbeifahrenden aufgestellt. Auch ohne Corona-Einflüsse nehme der Radverkehr in Stuttgart stetig zu. Das zeigen die Zahlen der letzten fünf Jahre an den Dauerzählstellen: Die durchschnittliche Steigerung pro Jahr lag in der Böblinger Straße bei 9,3 Prozent und auf der König-Karls-Brücke bei 6,8 Prozent. Der Anteil der Radfahrer am Verkehrsaufkommen lag 2017 bei acht Prozent. Im Jahr 2013 waren es noch fünf Prozent.

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