Stuttgarter Altstadt In die Flüsterbar kommt nur, wer die Parole kennt

Von Uwe Bogen 

Verrucht und versteckt: In der Stuttgarter Altstadt eröffnet eine Speakeasy-Bar, als wär’s ein Stück aus dem Museum. Draußen deutet nichts darauf hin, dass drinnen die Reise in die 1920er geht. Wir verraten, wer hinter den geheimen Plänen steckt.

In dieser Bar an einem versteckten Ort der Altstadt    werden bald Flaschen stehen. Foto: Kappler 6 Bilder
In dieser Bar an einem versteckten Ort der Altstadt werden bald Flaschen stehen. Foto: Kappler

Stuttgart - Mafiaboss Al Capone ist kein Stuttgarter, aber der Holzmaler Johannes Mack lebte hier. Auf den ersten Blick haben die beiden Männer, die schon lange tot sind, nichts miteinander zu tun. Doch in einer Gasse des hiesigen Rotlichtviertels wird nun auf raffinierte und vielleicht sogar abenteuerliche Weise der Bogen zwischen den beiden geschlagen.

Die rauschenden Zwanziger, als in den USA die Prohibition herrschte und die Leute heimlich Alkohol tranken, als gleichzeitig die Wirtschaft boomte und die Kultur blühte, soll an einem geheimen, von außen nicht einsehbaren Ort der Stuttgarter Altstadt aufleben. Doch diejenigen, die die dahinter stecken, wollen ihre Pläne nicht an die große Glocke hängen. Es soll sich quasi nur im Flüsterton herumsprechen, dass in Kürze eine ganz besondere Bar in einer der dunkelsten Ecken des Leonhardsviertels entsteht, nämlich dort, wo die ehemalige Stadtmauer noch die Schatten ihres Verlaufs auf die Gasse zu werfen scheint.

Warum Al Capone in Stuttgart auf den Holzmaler Mack trifft

Das Vorbild sind amerikanische Speakeasy-Bars (Flüsterkneipen), die auch ohne Alkoholverbot weltweit in Großstädten eine Renaissance erleben. In New York nannte man in den Zeiten der Prohibition versteckte Bars „Speakeasies“, da man nur hinter vorgehaltener Hand über sie sprach und auch drinnen nur leise reden durfte, um kein Aufsehen bei der Polizei oder den Nachbarn zu erregen. Ihr Vermächtnis lebt bis heute noch – in Form von Cocktails. Diese sind erfunden worden, um mit dem Mischen des illegal destillierten Alkohols mit Fruchtsäften den Geschmack des Verbotenen zu überspielen.

Nun also trifft Al Capone, der Geschäfte mit verbotenem Alkohol machte, auf den Stuttgarter Holzmaler Johannes Mack: Die Bar, die das Versteckspiel vergangener Zeiten stilvoll nachempfindet, befindet sich in der einstigen Werkstatt des Künstlers an der Weberstraße, wenige Schritte von den Laufhäusern entfernt. „Johannes Mack hat in diesem Gewerberaum 1908 gearbeitet“, sagt Jörg Kappler, der mit Micha Kaiser die neue Bar betreibt, „man findet heute noch viele Spuren dort von ihm.“

40 bis 50 Gäste haben in der neuen Bar Platz

Hinter der Theke werden die Bartender Dino, bekannt aus dem Bix und Pane e Vino, sowie Davide und Till stehen, die beide die European Bartender School besucht haben. Das Haus mit der Werkstatt des Holzmalers ist 1905 im Auftrag von Eduard Pfeiffer und dessen „Verein für das Wohl der arbeitenden Klassen“ erbaut worden. Die einstige Arbeitsstätte von Johannes Mack bietet künftig etwa 40 bis 50 Bargästen Platz und soll „nicht nur als Ort zum Konsum von flüssigen Substanzen dienen“, wie Peter Stellwag sagt, der das Konzept erarbeitet hat, sondern sich auch „an ein aufgeschlossenes Publikum“ wenden, „das die Fragen der Zeit in Kunst, Kultur, Architektur und sozialem Zusammenleben“ diskutiert.

Wer die Bar im Stil der 1920er besuchen will, muss zu den Eingeweihten gehören. „Bei uns kommt man nur rein, wenn man die Parole kennt“, sagt Betreiber Jörg Kappler. Aber wie wohl lautet die Parole zum Start? Al Capone oder Johannes Mack? Bestimmt kennt jeder einen, der einen kennt, der die Parole kennt.

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