Stuttgarter Band Rikas auf Erfolgskurs Die schwäbischen Beach Boys

Von Uwe Bogen 

Alle vier sind 22 Jahre alt. Die Rikas klingen nach Kalifornien und guter Laune – als wären die Beach Boys neu geboren. Mit ihrem Swabian Samba ist die Stuttgarter Band auf Erfolgskurs.

Die Rikas sind viel unterwegs (von links): Chris Ronge, Sascha Scherer, Sam Baisch und Ferdinand Hübner. Foto: Linda Abrosius Foto:  
Die Rikas sind viel unterwegs (von links): Chris Ronge, Sascha Scherer, Sam Baisch und Ferdinand Hübner. Foto: Linda Abrosius

Stuttgart - Rika, so heißt der Hund bei den Hübners. Im Proberaum des Tango-Five-Musikers Veit Hübner in Korntal üben die vier Jungs schon lange – seit sie 13 Jahre alt sind. Ferdinand Hübner, der Sohn des Jazzers, sitzt am Schlagzeug.

Als die vier Kumpels, die sich aus der Schule kennen, im Laufe der Jahre mit starken Stimmen zu ihrem eigenen Stil fanden, der den Sommer in die Ohren bläst, musste ein neuer Bandname her. Ihr Sound ist von der Musik der Eltern geprägt, von den Beatles und Beach Boys der 1960ern und hört sich trotzdem nagelneu an.

Ihre Gute-Laune-Musik ist gefragt

Too Young To Shave (zu jung zum Rasieren), so nannten sie sich als Pubertärspunker. Irgendwann passte das nicht mehr. Wie gut, dass es Hunde gibt! Mit dem Namen Rikas ist der einstigen Schülerband der Überraschungserfolg des nun endenden Jahres bei etlichen Festivals in Deutschland gelungen.

Der eine wollte Architekt werden, ein anderer arbeitete beim Friedrichsbau als Tontechniker – doch alle Pläne, die nichts mit der Band zu tun haben, sind erst einmal auf Eis gelegt. Die Rikas reisen quer durchs Land von Auftritt zu Auftritt. Ihre Gute-Laune-Musik ist gefragt. Die lässig gespielten Songs voller Lebenslust lassen erkennen, wie gut sich die vier Freunde Sam Baisch, Chris Ronge, Sascha Scherer und Ferdinand Hübner verstehen und wie viel Spaß sie zusammen haben. Wir sind jung und brauchen den Gesang!

Die schwäbische Band, deren Rhythmen an Meer, Sand und Strand erinnern, also an Dinge, die sich von Stuttgart aus nur in der Fantasie blitzschnell erreichen lassen, wird für Popkonzerte als Vorprogramm gebucht, bei Bands wie Bilderbuch oder bei Fil Bo Riva, dem Halbitaliener mit der Reibeisenstimme, mit dem die vier Jungs im neuen Jahr bei 16 Konzerten von Hannover bis Berlin auftreten werden.

Im Frühjahr erscheint ihre EP „Swabian Samba“

Die Engagements als Supports sind ein Indiz dafür, dass die Rikas, die schwäbischen und englisch singenden Strandjungs, vor einer großen Karriere stehen. Musikexperten sind voll des Lobes, und der Erfolgsproduzent Robert Stephenson hat die Band in sein Studio nach Berlin geholt.

Im Frühjahr erscheint „Swabian Samba“, ihre erste EP mit sechs Songs. Der Titel verrät viel, aber nicht alles. Sonnendurchfluteter Indie-Pop kommt tief aus dem Kessel, aus einer Stadt, die seit Peter Schilling und den Fantastischen Vier schon mehrfach für musikalische Überraschungen gut war.

„Die Stuttgarter Musikszene ist ein bisschen schüchtern“, meint Sam Baisch, der Sohn von Entertainer Roland Baisch, „es gibt hier wirklich gute Bands und Künstler, aber viele kommen nicht richtig raus aus der Stadt.“ Und von auswärts kommen nicht viele rein. Für die Rikas sei dies von Vorteil gewesen: „Für uns gab es immer eine Auftrittsmöglichkeit, weil nicht so viele Bands live spielen.“ Sogar die Königstraße habe geholfen, durch Straßenmusik bekannt zu werden. Mit dem Interrail-Ticket sind die Freunde aber auch durch Europa gefahren und haben in Fußgängerzonen gespielt. Die Unbekümmertheit und Fröhlichkeit der Straße wird nun in die Clubs gebracht.

Das Video eines Sommerhits erscheint im Winter

Wer die vier Jungs etwa vor dem Fernsehturm bei der Stuttgartnacht des Magazins „Lift“ hört, bleibt stehen und schaut genau hin. Coverbands gibt es genug. Doch die Rikas stechen hervor. Sie spielen fast ausschließlich eigene Songs, die mit facettenreichem Gesang an britische Beatmusik erinnern und bei denen man im nächsten Moment aber glaubt, die Enkel der Beach Boys seien in Korntal und nicht in Kalifornien zur Welt gekommen.

Als es schon bitterkalt war, haben die Rikas vor Kurzem mit „Tortellini Tuesday“ das Video eines Sommerhits veröffentlicht. Der Song ist drei Minuten lang – etwa so lange dauert es, eine handelsübliche Packung Tortellini zu kochen.

Die erste Idee für das Video war, nur einen Topf zu zeigen, in dem drei Minuten lang Tortellinis schwimmen. Weil das allein nicht sehr spannend wäre, haben die Videokünstler Silvio Rebholz und David Gebka die Animationen in den Topf und auf das Handy der Köchin gezaubert. Die Form der Tortellini ist der Legende nach dem Bauchnabel der Schönheitsgöttin Venus nachempfunden. Eine bauchfrei gekleidete Frau – wer auch sonst? – bereitet im Musikfilm die ringförmige Teigware zu, während die Jungs lässig und vierstimmig dazu singen.

Die Fangemeinde wächst immer weiter

Dienstags gibt’s Tortellini, das schnell zubereitete Single-Essen. Beim gemeinsamen Urlaub am Gardasee ist das Lied entstanden. Vom Text her ist es nicht so heiter wie die Musik. Es geht um den einsamen Geburtstag einer Frau, die an einem Dienstag allein mit Tortellinis ist. Auf den Titel kamen sie, erzählt Gitarrist Sascha Scherer, „weil diese Tortellini-Packungen für zwei Personen meist nur für einen reichen“.

Rikas – das ist locker-leichte Musik zum Alleinhören oder zum gemeinsamen Hochkochen in Konzerthallen. Die Fangemeinde wächst immer weiter. Es dauert nicht mehr lang, dann wird man sagen, dieser Roland Baisch ist der Vater des Rikas-Sängers.