Waranga – so heißt ein Dorf in Uganda. Der nicht gerade urschwäbische Name sollte ausdrücken, was sich die Gründer mit ihrer Bar vor 18 Jahren erhofften: Mitten in der Hektik der Stadt sollte eine exotische Oase entstehen. Die urbane Insel ist exponiert – so wie man’s in Stuttgart gern hat: Halbhöhenlagen erlauben tolle Aussichten.
Junge Leute sitzen in schönen Sommernächten halbhoch oberhalb der Treppen beim Kunstmuseum in exklusiver Lage. Mit Blick auf leuchtende Hügel und aufs Neue Schloss schmecken der Pornstar Martini (15 Euro) und der Sip Sip Sour (14 Euro) – beide Drinks sind zusammen mit dem Klassiker Aperol Spritz die Renner des Sommers 2023 – in diesem Trio aus Bar, Café und Clublounge nach Urlaub.
Auf dem Kleinen Schlossplatz werden seit Jahrzehnten Trends geboren
Ein weiterer Trend seiner Bar sind in diesem Sommer Naturweine, sagt Jeffrey Wagner, der Waranga-CEO. In den Metropolen wird’s neuerdings als Hype gefeiert, wenn die Winzer möglichst wenig eingreifen bei der Herstellung ihrer Produkte. Die einen schwärmen vom besonderen Geschmack, andere meinen, es handele sich dabei um Steinzeit-Wein, der die kellertechnischen Errungenschaften nicht nutze.
Auf dem Kleinen Schlossplatz werden seit Jahrzehnten Trends geboren. Der Ort mit der über fünf Meter hohen Palme, die zum Überwintern in eine Halle transportiert wird, verpflichtet. Die Bar ist Nachfolgerin einer Legende. Paul’s Boutique im früheren Kartenhäusle, wo man einst den Caipi aus der Badewanne geschöpft hat, war in den 1990ern ein Zentrum des jungen Stuttgart.
Die Geschichte des Kleinen Schlossplatzes ist eine Geschichte der Emotionen. Es schien, als würden die stadthistorischen Erbanlagen für ein ewiges Trauma sorgen, als sei die Mitte der Königstraße zum Provisorium verdammt. Hart umkämpft war jeder Schritt von der Ruine des Kronprinzenpalais, vom Streit um den Abriss über die legendäre Freitreppe bis zum rundum verglasten Kunstmuseum.
An einem stadtgeschichtlich bedeutsamen Ort feiert das Waranga am 7. und 8. Juli seinen 18. Geburtstag ganz groß. Die Bar wird quasi volljährig und baut aus diesem Anlass eine Bühne beim Kunstmuseum auf etwa für DJane Brina Knauss, DJ Lexer und andere. Außerdem werden Food Trucks erwartet. Der gesamte Kleine Schlossplatz wird bespielt – in der schnelllebigen Gastroszene sind 18 Jahre eine Besonderheit. Leicht ist es nicht, über so eine lange Zeit ein Hotspot zu bleiben.
„Wir wollen uns auf die positiven Seiten konzentrieren“
Die Treppe des Kleinen Schlossplatzes sei zu einer „Bühne von Krawallmachern“ geworden, war in der Pandemie zu lesen. Zeitweise wurden die Stufen von der Polizei abgesperrt. Der OB-Referent und CDU-Kreisvorsitzende Thrasivoulos Malliaras hatte in einem privaten Post bei Facebook über eine „migrantisch geprägte Szenerie“ beklagt, eine „aufgeladene Stimmung“ und eine „machtlose Polizei“ beschrieben. Die Atmosphäre sei „schaurig“.
Am Wochenende, berichtet Waranga-Geschäftsführer Jeffrey Wagner, stünden noch immer regelmäßig Polizeibeamte auf dem Schlossplatz mit Blick auf die Freitreppe – doch eingreifen müssten sie nur noch selten. „Auf den Stufen sitzen mittlerweile wieder Waranga-Gäste mit Getränken“, sagt Wagner. Das beste Mittel, um den Platz zu befrieden, sei es, ihn zu beleben, findet er. Wenn nebenan Abseits-Chef Winni Klenk seine Boutique schließt, darf die Bar auch dort Stühle aufstellen. Über die Probleme der Vergangenheit am Kleinen Schlossplatz redet Wagner nicht so gern. „Wir wollen uns auf die positiven Seiten und die Zukunft konzentrieren“, sagt er.
Einst hieß es, das Waranga caste sein Personal wie eine Modelagentur – so schön waren die Thekenhelden (Kulturbürgermeister Fabian Mayer hat hier während seines Jura-Studiums fünf Jahre lang als Barmann gearbeitet). Heute ist das Waranga ein beliebter Treff für Tinder-Dates. Denn diesen Ort kennen alle der Stadt.
Über der Bar befindet sich eine Eventlocation, die man für Privatanlässe und Firmenveranstaltungen nutzen kann. Während in der Gastronomie oft Personalnot beklagt wird, berichten die Waranga-Macher, dass dies für sie kein Thema sei. Ein Treff scheint wirklich „in“ zu sein, wenn sich genügend Menschen finden, die dort unbedingt arbeiten wollen. Künftig will sich die Bar treu bleiben, aber sich auch weiterentwickeln mit neuem Innendesign, mit einer Getränkekarte, die Trends setzt.
Unverwechselbare Orte machen eine Stadt attraktiv
Als das Waranga vor 18 Jahren eröffnet hat, stand in unserer Zeitung ein dickes Lob: Hier könne man im Freien „auf individuell designten Sitzgelegenheiten wunderbar den einmaligen Ausblick genießen“. Die wohl schönste Terrasse im Herzen der City gehört zu den unverwechselbaren Orten, die eine Stadt attraktiv machen. Unter der riesigen Palme begegnen sich Menschen mit verschiedenen Interessen und Horizonten, die ihre Liebe zu Stuttgart eint. Alles Gute, Waranga, mach’ weiter so!