Stuttgarter Comedy Clash Politische Haltung mit Humor

Von Berkan Cakir 

Im Club Universum sind Komiker aus ganz Deutschland beim 32. Stuttgarter Comedy Clash aufgetreten. Sie suchen die goldene Mitte zwischen Comedy und Kabarett.

Jens Wieland gibt mit seiner Improvisationskunst den Startschuss  für einen humorvollen Abend im Club Universum. Foto: Heinz Heiss
Jens Wieland gibt mit seiner Improvisationskunst den Startschuss für einen humorvollen Abend im Club Universum. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Marc Balluff, Gründervater und Organisator des Stuttgarter Comedy Clashs, hat Grund zum Klagen: „Verdammt, wir haben keine Plastikchips mehr!“, ruft er. Auf der kleinen Theke vor Balluff steht eine kleine Büchse, in der eigentlich rote Plastikchips übrig sein sollten, die er an jeden Besucher verteilt. Aber sie ist leer. 350 Leute hat er bisher an der Kasse gezählt und eine meterlange Schlange steht noch vor dem Eingang des Club Universums am Charlottenplatz. Im Inneren stehen die Besucher Schulter an Schulter. Wer schon sitzt und kurz auf die Toilette will, muss es sich verkneifen, denn sonst wird der Platz weggeschnappt. „Wir haben mit 200 Leuten gerechnet. Das ist der Normalfall. Keine Ahnung, warum heute so viel los ist“, staunt Balluff. Seit vier Jahren veranstaltet er den monatlich stattfindenden Comedy Clash und zum ersten Mal gehen ihm die Chips aus. Dabei sind die Chips wichtig für die Veranstaltung, denn damit wählen die Zuschauer ihren Favoriten aus sechs verschiedenen Comedians.

Beim 32. Comedy Clash sind es Jens Wieland, Lena Liebkind, Aydin Isik, Paco Erhard, Jaqueline Feldmann und das Komiker-Duo Fußpflege Deluxe, die um die Gunst der Zuschauer konkurrieren. Sie alle kommen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands, was Anlass für den Moderator und Kabarettisten Thomas Schreckenberger war, sich zwischen den Auftritten der Künstler in trockener Lakonie über ihre Herkunftsstädte lustig zu machen. Schreckenberger wies auch daraufhin, dass die Künstler keine Gage für den Auftritt erhalten: „Sie wissen es nur noch nicht.“ Aber wichtiger als das Geld, war ohnehin der Spaß und der Mut zu etwas Neuem. Denn all diese Künstler stehen für eine unkonventionelle Art der Comedy, die Paco Erhard beschreibt: „Wir sehen uns alle nicht einfach als Komiker. Wir sind auch politisch, aber nicht so politisch wie Kabarett. Im Grunde bewegen wir uns zwischen diesen Genres.“ Kabarett findet er „zu sehr von oben herab“ und die Comedy-Szene in Deutschland „ist platt und zu unkritisch.“ Beim Comedy Clash geht es also darum, die goldene Mitte zu finden.

Wettstreit um das bronzene Mikrofon

Vermutlich ist es diese Mischung der Genres, die dem Stuttgarter Comedy Clash zu großer Beliebtheit verholfen hat. Vor allem das jüngere Publikum findet Gefallen daran. Anfangs veranstaltete Balluff den Clash noch in der kleinen Bar Goldmark’s. Auf Grund der schnell steigenden Zuschauerzahl musste er aber in die größere Location des Club Universum umziehen. „Wir haben uns hier gleich wohlgefühlt. Der Club entspricht genau unseren Vorstellungen“, sagt Balluff.

An dem einzigen Fenster im Raum hat man eine großzügige Aussicht auf die stark befahrene B14, an der Decke kreuzen sich dicke, silberne Rohrleitungen und die einzigen Sitzmöglichkeiten bieten aneinander gereihte Bierbänke. Genau die Atmosphäre, die ein gemütlicher Comedy-Wettbewerb nötig hat.

Den Start in den humorvollen Abend machte Jens Wieland mit seiner Improvisationskunst. Als dann Lena Liebkind auf die Bühne trat und über eiweißgesteuerte Frauen scherzte, glaubte das Publikum seine Favoritin für die Trophäe, ein bronzenes Mikrofon, gefunden zu haben. Aber schließlich war der Sieg dann doch Paco Erhard vergönnt, der mit seinem sympathischen und selbstironischen Stil die Herzen – und die meisten Plastikchips erobern konnte. Vielleicht weil gerade er die gewünschte Mischung aus politischer Haltung und lockerem Humor am wirkungsvollsten vereinte.

Universell verständlicher Humor

„Komisch, ich habe noch nie etwas gewonnen“, sagt der Sieger, der mit bürgerlichem Namen Erhard Frank Hübener heißt. Als er seinen wirklichen Namen nennt, fügt er gleich hinzu: „Ja, ich weiß, deutscher gehts kaum noch.“ Dabei hält er sich seltener in Deutschland auf, als sein Name vermuten lässt. Schon seit seiner Kindheit ist der Philosophieabsolvent mehrmals umgezogen und wohnt derzeit in London. Angefangen mit Comedy hat er in Spanien. Australien, Asien und Afrika waren seine nächsten Stationen. Das „Herumtreiben“ auf den verschiedenen Kontinenten macht heute seine Bühnenauftritte aus. Mit Geschichten aus aller Welt zeigte er, dass Humor universell verständlich ist: Grimmige, bärtige Moslems an Hotelrezeptionen, betrunkene, rassistische Briten auf Urlaub in Teneriffa und eingebildete, hochnäsige Amerikaner. Doch hinter der abschreckenden Fassade entdeckt „Paco“ stets die positiven Aspekte der unterschiedlichen Kulturen.

Am Ende, als die Bierbänke weggeräumt sind und das Rauschen der vorbeifahrenden Autos auf der B14 wieder deutlich zu hören ist, zeigt sich auch Marc Balluff zufrieden mit dem Ergebnis und freut sich darauf, Paco Erhard wieder im Finale im kommenden Mai begrüßen zu dürfen. Denn da geht es gegen die anderen Gewinner des Stuttgarter Comedy Clashs.