InterviewStuttgarter des Jahres: Julia Schäuble Das ist wie nach Hause kommen

Julia Schäuble Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Julia Schäuble Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Julia Schäuble wurde 2016 mit dem Ehrenamtspreis Stuttgarterin des Jahres ausgezeichnet. Sie kümmert sich ehrenamtlich um Demenzkranke.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Julia Schäuble war im Jahr 2016 Stuttgarterin des Jahres. Sie kümmert sich ehrenamtlich um Demenzkranke.

Frau Schäuble, wie geht es Ihnen, wenn Sie auf Ihre Auszeichnung zurückschauen?
Da bekomme ich ein wohlig warmes Gefühl. Es war schön, meine Eltern stolz zu machen. Von dem Preisgeld bin ich nach Australien geflogen, zusammen mit meiner besten Freundin, die mich als Patin vorgeschlagen hatte. All das war aber nie der Grund für meinen Einsatz, ich war auch zuvor schon fünf Jahre lang im Gradmann Haus engagiert. Stuttgarterin des Jahres zu werden, das war die Kirsche auf der Sahne.
Auch, um ein Zeichen zu setzen gegen die teils vergiftete politische Stimmung?
Unbedingt. Die Zeit ist leider geprägt von Feindseligkeiten, obwohl wir doch eine Gesellschaft sind. Das Ehrenamt ist der Beweis, dass es nach wie vor auch Zusammenhalt gibt. Ich glaube, jeder Mensch wäre zu einem sozialen Verhalten fähig. Das sollte die Gesellschaft fördern und dem Einzelnen Möglichkeiten aufzeigen, sich einzubringen. Eine gewisse Bereitschaft muss aber aus einem selbst kommen.
Sind in unserer Gesellschaft genug Menschen bereit, sich sozial zu engagieren?
Es gibt einen Trend, etwas zu tun. Ich verstehe nun, dass viele Berufstätige nicht so viel tun können, wie sie gerne würden. Doch es gibt Dinge, die jeder beitragen kann: jemanden über die Straße begleiten oder beim Fahrkartenkauf helfen. Uns geht es gut, wir haben ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Da sollten wir auch etwas zurückgeben.
Wie ging es mit Ihrem Engagement weiter?
Ich bin inzwischen Referendarin, da bleibt leider nicht mehr so viel Zeit wie noch als Studentin. Trotzdem besuche ich regelmäßig „meine“ Leute. Einige von ihnen bekommen dann große Augen und wollen mich direkt umarmen. Das ist wie nach Hause kommen.



Unsere Empfehlung für Sie