InterviewStuttgarter Dragqueen bei „Queen of Drags“ Vava Vilde will nicht das Mädchen von nebenan sein

Von Stefanie Bernhardt 

In der neuen Show „Queen of Drags“ suchen Heidi Klum, Conchita Wurst und Bill Kaulitz Deutschlands schrillste Drag Queen. Unter den Kandidatinnen ist auch Vava Vilde aus Stuttgart. Wir haben mit der 30-Jährigen gesprochen.

Vava Vilde kommt von einem anderen Planeten. Im zweiten Bild sehen Sie die Queen ohne Make-up. Foto Foto: ProSieben/Boris Breuer 2 Bilder
Vava Vilde kommt von einem anderen Planeten. Im zweiten Bild sehen Sie die Queen ohne Make-up. Foto Foto: ProSieben/Boris Breuer

Stuttgart - Wenn Heidi Klum, Bill Kaulitz und Conchita Wurst am Donnerstagabend bei ProSieben nach Deutschlands bester Drag Queen suchen, ist auch die 30-Jährige Vava Vilde aus Stuttgart mit dabei. Bereits seit acht Jahren ist Vava Vilde als Drag Queen aktiv und hat mit Freunden auch eine eigene Show im LSBTTIQ-Zentrum Weissenburg ins Leben gerufen.

„Ich kam über mein Ehrenamt in der AIDS-Hilfe zu Drag“, verrät uns Vava im Gespräch. Dort half sie bei einem Präventionsprojekt mit, bei dem in Clubs und auf Partys Kondome verteilt werden. Die Kombi aus Feiern und sinnvoller Arbeit gefiel Vava, und schnell stellte sie fest, dass man als auffällige Drag das Eis zu einem Gespräch schneller bricht. „Ich konnte die Leute so einfach besser ansprechen“, erklärt sie.

Beigebracht hat Vava sich alles selbst, da die Szene in Stuttgart „ein wenig verschlafen“ ist, wie sie meint. „Vielleicht mache ich darum auch einige Dinge anders als andere Queens.“ Typisch für Drags ist es, dass die Namen oft Wortspiele und Anspielungen sind. Da ist auch Vava Vilde keine Ausnahme. „Die Deutschen sprechen das englische Wort ‚wild’ oft falsch aus, darauf wollte ich anspielen.“ Dass die Aussprache ihres Namens oft für Verwirrung sorgt, nimmt die 30-Jährige mit Humor.

Vava Vilde kommt von einem anderen Planeten

Die Figur Vava Vilde kommt von einem anderen Planeten und ist auch unter Queens besonders auffällig. Aber warum eigentlich gleich eine Queen aus dem Weltall? „Ich wollte einfach nicht das Mädchen von nebenan sein“, sagt Vava. „Wenn Leute das Mädchen von nebenan sehen wollen, können sie nach nebenan gehen“, lacht sie. „Außerdem war ich schon immer auch ein großer Sci-Fi-Fan.“ Das Dasein als Drag Queen ist für Vava auch ein Ventil, die eigene Kreativität und andere Seiten auszuleben. „Klar ist Vava auch ein Teil von mir, aber natürlich bin ich privat nicht so schrill, sondern sitze eben auch mal ungeschminkt mit einer Pizza auf dem Sofa“, stellt sie klar.

Die Verwandlung zu der außerirdischen Queen nimmt zwei bis drei Stunden Zeit in Anspruch. „Ich habe ja gehofft, dass ich mit den Jahren schneller werde, aber das ist leider nicht passiert“, verrät die Drag Queen mit einem Augenzwinkern.

Im Video sehen Sie die Verwandlung zu Vava Vilde im Schnelldurchlauf:

Diese kreative Form des Drags bringt auch Freiheiten mit sich. „Ich kann alles sein. Heute ein Roboter und morgen etwas ganz anderes“, verrät sie uns. Ohnehin bietet Drag den Künstlerinnen unheimlich viele Freiheiten. „Das Tolle an der Show war es auch zu sehen, wie andere Drag leben“, verrät Vava.

Die Juroren sind interessiert und offen

Zu „Queen of Drags“ kam Vava über Germany’s Next Topmodel, wo sie für eine Drag Performance im Finale gebucht war. „Da wurde ich empfohlen, und ich denke, darüber bin ich dann auch für Queen of Drags angefragt worden“, sagt sie.

Im Vorfeld hatte es einige Kritik zu der Sendung gegeben, da Heidi Klum im Gegensatz zu Ru Paul, der verantwortlich für die Sendung „Ru Paul’s Drag Race“ ist, keinerlei Verbindung zu der Szene hat. Vava sieht darin kein Problem: „Die Sendung möchte aus Heidi keinen zweiten Ru Paul machen.“ Als Unterhaltungsprofi und mit ihrer enormen Reichweite sei Heidi Klum für sie schon die richtige Wahl für das Format. „Heidi liebt es ja auch, sich zu verkleiden und mit Charakteren zu spielen. Darum geht es ja auch bei Drag.“ Außerdem lobt Vava Vilde die Offenheit der drei Juroren für die Kunstform Drag: „Sie haben auch Bock auf Drag und viel gefragt.“

Wichtig ist, dass mit der Kunstform respektvoll umgegangen wird

„Mir ist besonders wichtig, dass bei allem Entertainment respektvoll mit der Kunstform Drag umgegangen wird“, stellt Vava klar und verrät, dass es in der Show auch um die Personen hinter den Queens geht. „Wir sind alle queere Persönlichkeiten, die auch ihre negativen Erfahrungen gemacht haben“, erklärt Vava und fährt fort: „Ich hoffe einfach, dass durch die Sendung ein bisschen besser verstanden wird, wie es queeren Menschen geht.“ Klar ist auch, dass die Kandidaten durch die Teilnahme an der Show Angriffsfläche bieten. Ihre echten Namen verraten die Queens darum alle nicht, um sich auch ein wenig zu schützen. „Außerdem wollen wir das Publikum nicht verwirren. Es ist ja so schon schwierig, wenn man zehn Leute hat, die ständig anders aussehen“, lacht Vava.

Ihre Eltern und Freunde sind stolz auf Vava und unterstützen sie. „Ich habe riesiges Glück mit meiner Familie und meinen Freunden“, stellt sie klar. „Ich habe aber auch immer gelernt, mich nicht von Klischees und Rollenbildern aufhalten zu lassen.“ Mit der Sendung wollen die Drag Queens auch anderen queeren Leuten Mut machen und zeigen, dass es ok ist, anders zu sein. „Denn auch wenn man in der Gesetzgebung für queere Menschen viel erreicht hat, heißt das nicht, dass man z.B. vor homo- oder transphoben Übergriffen sicher ist“, betont Vava und hofft auch, mit der Show Berührungsängste abzubauen.

In diesem Video sehen Sie den Trailer zur Sendung:

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