Stuttgarter Experte hilft in Ostafrika DLRG-Lebensretter auf schwieriger EU-Mission in Burundi

DLRG-Hochwasserexperte Thomas Ruhland kümmert sich in Ostafrika um die Sicherung der Wasserversorgung. Foto: privat

Der Stuttgarter Hochwasserexperte Thomas Ruhland ist in Baden-Württembergs Partnerland Burundi im Einsatz. Dort mussten bereits etwa 100 000 Menschen ihr Zuhause wegen Überschwemmungen verlassen. Wie es Ruhland vor Ort ergeht.

Lokales: Iris Frey (if)

Der 49-Jährige Thomas Ruhland ist als Fachmann wenn es um unberechenbare Wassermassen geht. Er ist Mitglied der Expertenmission des europäischen Katastrophenschutzes (UCPM). Mit Hochwasser hatte er auch schon in Stuttgart zu tun. Nicht zuletzt als das DLRG-Rettungszentrum in Hofen im Juni 2016 durch ein defektes Wehr überschwemmt worden war, mit Folgen bis heute. So war er auch beim Hochwasser in Sachsen-Anhalt als Einsatzleiter im Jahr 2013 tätig.

 

Steigende Pegelstände des Tanganyika Sees

Aktuell beschäftigt ihn der steigende Wasserspiegel des Tanganyika Sees im ostafrikanischen Burundi und dessen Folgen. So wurden bereits mehr als 100 000 Menschen aus ihren Häusern durch das steigende Wasser vertrieben, wie er berichtet. Dazu kamen lang anhaltende Regenfälle. Deshalb bat der ostafrikanische Staat die Europäische Union (EU) um Hilfe. Die EU hat in der vergangenen Woche ein Expertenteam in die betroffene Millionenstadt Bujumbura geschickt. Mit dabei ist Ruhland. Zu dem vierköpfigen Team, das seit 17 April in Bujumbura ist, gehören auch zwei Vertreter der Bundesanstalt des Technischen Hilfswerks (THW), je ein Fachmann für Brunnenbau und einer für Wasserförderung. „Unsere Aufgabe ist es unter anderem, die burundischen Behörden bei der Sicherung kritischer Infrastruktur zu beraten“, erklärt er. Insbesondere eine vom Wasser zunehmend bedrohte Trinkwasserpumpstation zur Versorgung von über einer Million Menschen beschäftigt die Experten.

Schutzmaßnahmen und Hilfe für die Behörden vor Ort

Nach der Ankunft hat das Team die lokalen Verantwortlichen und Fachleute kontaktiert und die Pumpstation, die Wasseraufbereitung sowie die überfluteten Gebiete in der Region angeschaut. Seither geht es darum, die bislang gesammelten Daten abzusichern und mit den Erkenntnissen früherer internationaler Missionen am See Tanganyika in Zusammenhang zu bringen. „Dazu tauschen wir uns mit lokalen und italienischen Experten aus, die hier bereits Erfahrungen sammelten“, so Ruhland. Im Ergebnis soll den Behörden vor Ort Hilfestellung geleistet werden. Zudem prüfen die EU-Fachleute von DLRG und THW, inwiefern Katastrophenschutz-Einheiten aus Europa weitere Hilfe leisten könnten.

Schwierige und teils gefährliche Arbeitsbedingungen für das Team

Die Arbeit in Bujumbura findet für Ruhland und seine Kollegen unter erschwerten Bedingungen statt. Wie er berichtet, sind die Strom- und Wasserversorgung immer wieder unterbrochen. Zudem herrsche akuter Kraftstoffmangel und auch die Sicherheitslage außerhalb der Hauptstadt sei bedrohlich: „Die Fahrt ins Umland in Richtung Kongo war nur im gepanzerten Fahrzeug der deutschen Botschaft möglich.“ In der Stadt selbst müssen lange Umwege zurückgelegt werden, weil viele Straßen wegen des Hochwassers überschwemmt sind. „Auch bei uns im Hotel laufen Tag und Nacht die Pumpen, die das Wasser wieder vom Gelände befördern. Teile des Gebäudekomplexes sind gesperrt.“ Steigt das Wasser weiter, könnte der einzige internationale Flughafen im Umkreis von fünf Fahrtagen kurzerhand schließen. Denn: Die Mission findet mitten in der Regenzeit statt.

Eine spannende und sehr fordernde Aufgabe

Die THW-Experten sind bereits abgereist. Am Wochenende werden sich auch Thomas Ruhland und die Vierte im Bunde, eine Verbindungsfrau der EU, auf die Heimreise begeben. „Das ist eine spannende und sehr fordernde Aufgabe hier. Ich bin froh, dass ich mein Wissen und Einsatzerfahrungen helfend einbringen kann“, zieht der Stuttgarter, der unentgeltlich in Burundi im Einsatz ist, eine erste Zwischenbilanz.

Thomas Ruhland (49), ist Vater von zwei Kindern. Der Stuttgarter ist Senior Training Manager bei Bosch Rexroth. In der DLRG ist er seit inzwischen 38 Jahren Mitglied und dort als Zugführer im Katastrophenschutz, Fachberater Wasserrettung und Hochwasser sowie als Einsatztaucher aktiv. Er war mehr als 20 Jahre lang Vorsitzender der Ortsgruppe Feuerbach und Leiter Einsatz des DLRG Bezirks Stuttgart.

30 Jahren Partnerschaft zwischen Burundi und Baden-Württemberg

Ruhland wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für das Thema. „Selbst die Tagesschau hat ganz dünn in drei Zeilen über Überflutungen berichtet und das kleine Land Burundi nicht aufgezählt“, schreibt er. Es geht um die schlimmste Trockenheit seit 100 Jahren im Süden Afrikas, das Wetterphänomen El Nino, das für Dürre, aber auch Überschwemmungen sorgt. In Burundi leben rund 13 Millionen Menschen auf einer Fläche von knapp 28 000 Quadratmetern. Die Partnerschaft besteht seit über 30 Jahren zwischen Burundi und Baden-Württemberg.

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