Stuttgarter Frühlingsfest Wie viele Zelte auf dem Wasen sollen es sein?

So war es früher beim Frühlingsfest. Party auf den Bänken. Heuer gibt es keine Festzelte. Foto: /Leif Piechowski

Festzelte gibt es keine auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Wenn man das Almhüttendorf mal ausnimmt, das sich als Ersatz aufdrängt. Manchen gefällt das, anderen ist das zu langweilig. Wie viele Zelte das Fest verträgt, war schon immer umstritten.

Die Festwirte sind schon fünf Monate weiter. Sie verkaufen bereits fleißig Reservierungen fürs Volksfest, das am 23. September beginnt. Das Frühlingsfest ist für sie abgehakt. Zu knapp war die Zeit, zu ungewiss die Aussichten, um die Zelte aufzubauen und mit immensen Kosten in sechsstelliger Höhe in Vorleistung zu gehen. Also konzentrieren sich die Weebers, Hans-Peter Grandl und Karl Maier aufs Volksfest.

 

Der Zustrom ist groß

Ein Rummel ohne Zelte, undenkbar? Oder doch nicht? Die Besucher kommen eifrig, mehr als eine halbe Million Gäste an den ersten neun Tagen seien da gewesen, sagt die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, Organisatorin des Frühlingsfests. „Seit der Eröffnung am Karsamstag sind die Menschen und insbesondere Familien mit ihren Kindern auf den Wasen geströmt. Das ist großartig und hat unsere Hoffnungen übertroffen“, sagt Andreas Kroll, Geschäftsführer von in.Stuttgart. Und es sei ein Zeichen, wie sehr „sich die Menschen nach Freizeitvergnügen, Spaß und Unterhaltung auf einem Fest gesehnt haben“.

Weniger Party? Mehr Familien?

Ob noch mehr Menschen gekommen wären, wären die drei Festzelte aufgebaut gewesen? Darüber lässt sich trefflich rätseln. Etliche Schausteller jedenfalls vermissen nichts. Doreen Franck betreibt eine Ballwurfbude und beobachtet, dass es weniger Streit gebe, die jungen Leute zwar trotzdem da seien, aber nicht mehr „kostümiert“ und in der Gruppe. Ihr Kollege Lutz Vorlop sieht weniger Betrunkene und „kein Rüpelvolk“.

Aus fünf mach drei

Nun also keine Zelte mehr? So weit wird es nicht kommen. Aber um die Zahl der Zelte wurde beim Frühlingsfest schon immer gestritten, mitunter sogar derber als bei den Kesselflickern. Erst fünf, dann vier, dann drei, beim Frühlingszelt wird rückwärts gezählt. Zurück in die Zukunft. Drei Zelte, das war der Standard. Dann gab Hans-Peter Grandl beim Frühlingsfest 1999 sein Debüt als Wasenwirt als Nachfolger des mittlerweile verstorbenen Walter Weitmann im Hofbräu-Zelt. Doch 2001 ebneten die Stadträte von CDU und FDP dem einstigen Platzhirsch Weitmann den Weg zurück aus dem Ruhestand und aufs Frühlingsfest, 2002 kam mit dem Apfelbaum ein Erlebniszelt hinzu. Damit waren es fünf Bierzelte, zu viele Plätze seien dies für zu wenig Zecher haderten die Wirte und betonten: Es müssten weniger Zelte werden – sofern nicht das eigene weichen muss.

Was macht ein schwäbisches Zelt in Thailand?

Tatsächlich schrumpfte die Zahl schnell wieder. Weitmann wollte so unbeugsam sein, wie er sich immer gab. Selbst als er nach einer Hirnblutung im Rollstuhl saß, behielt er gerne das letzte Wort. Vom Frühlingsfest wollte er sich nicht vertreiben lassen, machte 2005 gemeinsame Sache mit Projektentwickler Kont Kuranyi, Vater von Ex-VfB-Stürmer Kevin. Nachdem Weitmann bei der Vorstellung der Partnerschaft bekräftigt hatte, er werde noch lange wieder kommen und sich aus dem Zelt schieben ließ, erzählte Kuranyi ausgiebig und ohne Scheu von den Vermögensverhältnissen „eines alten Freundes“. Dass Weitmann „drei bis vier Millionen Altschulden“ habe, und er ihm „300 000 Euro beschafft und eine Brauerei besorgt habe.“ Mit einem Sanierungskonzept wolle er Weitmann zu einem sorgen- und schuldenfreien „dritten Lebensabschnitt“ verhelfen. Ein bizarrer Auftritt. Der damit endete, dass Weitmann und Kuranyi eine Pleite hinlegten, ihr Zelt musste in.Stuttgart nach Thailand verkaufen, um einen Teil der Schulden einzutreiben. Der Apfelbaum ist ohnehin längst Geschichte. Und die 2006 neu hinzugekommene Sonja Merz konzentriert sich aufs Volksfest und ihren Biergarten, sie wollte nach zwei Jahren nicht mehr aufs Frühlingsfest.

Wie geht es weiter?

Da war es nurmehr ein Trio, die Weebers, Grandl und Karl Maier. Dieses Jahr konzentrieren sie sich aufs Volksfest. Da wird es sieben Bierzelte geben. Doch kein Weinzelt mehr. Aber das ist eine andere Geschichte.

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