Es hat etwas von einer fast vergessenen Leichtigkeit, im Freien zu sitzen und in der Gemeinschaft ein Getränk zu genießen. Am Mozartplatz ist das derzeit möglich. Mit Anstand – und Abstand.

Stuttgart - Corona macht erfinderisch. Notgedrungen. Manche Nebeneffekte, die aus der Krise heraus geboren wurden, sind mehr als eine Notlösung. Sie könnten für die neue Normalität taugen – wie auch immer diese aussehen mag.

So ein positiver Nebeneffekt ist das Nebenzimmer am Mozartplatz im Stuttgarter Heusteigviertel. Dort hat die Weinstube Vetter, bei der man derzeit Speisen zum Mitnehmen erstehen kann, ein Fenster geöffnet, ein Schild darüber angebracht, auf dem Nebenzimmer steht, und verkauft übers Fensterbrett hinweg Drinks und Heißgetränke to go.

Getränke to go – mit Ausblick

Es ist eine entspannte, friedliche Atmosphäre auf dem schattigen Platz mit den vereinzelten Sonnenflecken, die durch die Sonnenstrahlen entstehen, die ihren Weg durch die Baumkronen hindurch finden. Ein paar junge Männer spielen Tischtennis, Kinder malen auf der kleinen, runden, betonierten Fläche mit Kreide, fahren Fahrrad, Scooter oder üben sich im Inlineskates fahren. Die Bänke sind besetzt von Eltern und Anwohnern, wer dort keinen Platz mehr bekommen hat, hat sich auf der Freitreppe niedergelassen, die fast wie ein Amphitheater angeordnet ist und einen optimalen Blick auf das Treiben auf dem Platz bietet. Ebenfalls etwas erhöht toben Kinder auf dem gerade erst wiedereröffneten Kinderspielplatz.

Auf dem Teil des Platzes, der mit Kopfsteinpflaster bedeckt ist, lassen sich zwei Männer nieder. Sie haben einen Klapptisch und Stühle mitgebracht, holen sich ihr Essen in der Weinstube Vetter. Dazu ein Glas Weißwein. Stilvoll im Glas. Nebenan im Nebenzimmer wird Kaffee, Eiskaffee oder Eistee im Pappbecher raus gereicht – aber es gibt auch Gin Tonic, Campari Soda oder Orange und Lilli.

Eineinhalb Meter Abstand? Kein Problem. Einander dennoch zuzuprosten? Auch keins!

Klar, es geht auch ohne. Ohne Kaffee und Alkohol. Letzteres sowieso. Obschon er desinfiziert. Aber es hat etwas von einer fast vergessenen Leichtigkeit, im Freien zu sitzen und in der Gemeinschaft ein Getränk zu genießen. Eineinhalb Meter Abstand? Auf dem Platz kein Problem. Einander dennoch zuzuprosten? Auch keins!

Er ist ein Segen für alle, dieser Platz. Weil es ein Platz für alle ist. Nicht nur, aber auch zu Zeiten von Corona. Für die Kinder, für ihre Eltern, für Anwohner. Man sollte dafür plädieren, mehr solche Orte in Stuttgart zu schaffen. Aber dafür wird nach Corona kein Geld mehr übrig sein. Es gibt so viel Wichtigeres. Wirklich?

Wie auch immer, das Nebenzimmer sollte unbedingt erhalten bleiben. Und viele Nachahmer finden.