Der Fußballer Daniel Engelbrecht hat die schlimmste Zeit seines Lebens hinter sich – und arbeitet nun für sein Comeback bei den Stuttgarter Kickers. Die Angst spielt bei dem 23-Jährigen nach seiner Herzmuskelentzündung aber weiter mit.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Stuttgart - Der Physiotherapeut der Stuttgarter Kickers hat kurz angebunden in die Runde gerufen: „Geht das auch etwas später?“ Die Antwort wartete Gabriel Dabbagh nicht ab, die Frage war als Machtwort zu verstehen. Sein Schützling hat zu tun. Daniel Engelbrecht drehte an seiner Seite beim Trainingsauftakt des Fußball-Drittligisten schließlich Runde um Runde im ADM-Sportpark. Frisch motiviert. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch, weshalb er gerne über seinen Leidensweg sprechen will. Alles zu seiner Zeit.

Etwas später sagte das Mannsbild Engelbrecht, immerhin 1,86 Meter groß: „Die letzten zehn Monate waren die schwersten in meinem Leben.“ Er ist mit 23 Jahren zwar noch recht jung, dennoch bleiben seine Erfahrungen den meisten Menschen erspart. Gott sei Dank, muss man sagen.

Engelbrecht wurde in der vergangenen Saison für rund 50 000 Euro aus Bochum verpflichtet, als Königstransfer des damaligen Trainers Massimo Morales, nachdem er zuvor in der Rückrunde mitgeholfen hatte, den Klassenverbleib zu schaffen. Doch dann fielen seine Hoffnungen zusammen wie ein Kartenhaus, nachdem er auf dem Rasen zweimal zusammengebrochen war. Schwindelgefühle, Übelkeit, Blackout: „Ich dachte, ich sterbe.“ Nach dem zweiten Vorfall am 10. August 2013 gegen Kiel erfolgten nochmals eingehende Untersuchungen mit der niederschmetternden Diagnose: Herzmuskelentzündung. Drei Monate Sportverbot, daran hat sich auch in der Folgezeit nichts geändert, als dem Fußballprofi ein Defibrillator eingesetzt worden ist.

Engelbrechts Herz wird ständig kontrolliert

Der soll bei einem Rückfall aktiv werden, „was wir natürlich nicht hoffen“, wie der Spieler sagt. Sein Optimismus überwiegt. „Ich will wieder auf den Stand kommen, den ich vor dem Zusammenbruch hatte.“ Zunächst einmal soll er kontinuierlich an das Mannschaftstraining herangeführt werden – in einer Art Wiedereingliederungsmaßnahme. Parallel dazu wird regelmäßig (einmal im Monat) kontrolliert, ob mit seinem Herzen alles in Ordnung ist.

Die Angst spielt noch mit, nicht nur bei seiner Mutter und den beiden jüngeren Brüdern. Aber das ist kein Vergleich mehr zu den Anfängen, als Engelbrecht sechs Wochen lang psychologisch betreut wurde, um den Schock zu verarbeiten. Täglich von acht bis 16 Uhr. „Das hat sehr geholfen“, erinnert er sich an die Zeit in Ludwigsburg. Danach lebte er die meiste Zeit in seiner Heimat Köln bei der Familie, kam lediglich zu Untersuchungen oder mal zu einem Heimspiel im Gazi-Stadion nach Stuttgart.

Vorbei, vergessen, soweit das eben geht. „So gut wie jetzt habe ich mich seit zehn Monaten nicht mehr gefühlt“, sagte Engelbrecht am Montag in Degerloch. Damit das so bleibt, setzt der Spieler sich nicht unter Zeitdruck für sein Comeback, auch wenn der Sportdirektor Michael Zeyer schon mal spekuliert: „Mit ihm sind wir in der Offensive top besetzt.“ Wobei Engelbrecht in der taktischen Aufstellung – wie schon unter Morales – auf der rechten Außenbahn vorgesehen ist. Zumindest in dieser Hinsicht ist also alles beim Alten geblieben.