Stuttgarter Künstler produzieren Beuys-Podcast Kritik an klarer Beuys-Kritik

Zu einseitig aus Sicht der Staatsgalerie: Christian Müller und Jonas Bolle Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Zu einseitig aus Sicht der Staatsgalerie: Christian Müller und Jonas Bolle Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Citizen.KANE.Kollektiv hat schon häufiger mit der Staatsgalerie Stuttgart zusammengearbeitet. Jetzt haben die Künstler für mächtigen Ärger hinter den Kulissen gesorgt.

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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Stuttgart - Wäre Joseph Beuys heute bei den Querdenker-Demos mitmarschiert? Hätte er gar der AfD nahegestanden? „Er war sicherlich kein Nazi, aber hatte klar rechtes Gedankengut“, sagt Hans-Peter Riegel. Der Autor und Kunstwissenschaftler kennt das Leben und Werk von Beuys wie kaum ein anderer, vor ein paar Wochen ist der vierte Teil seiner umfassenden Beuys-Biografie erschienen. „Beuys hat sich vereinnahmen lassen von den Kreisen“, erzählt Riegel nun auf einem Podcast der Staatsgalerie Stuttgart, von dem das Museum sich allerdings ganz offiziell distanziert.

Die Recherche führte zur Anthroposophie

Das Museum hatte Christian Müller und Jonas Bolle vom Citizen.KANE.Kollektiv den Auftrag gegeben, einen Podcast zu Beuys und seinen Verbindungen zu Stuttgart zu produzieren. „Während der Recherche haben wir uns auch mit den anthroposophischen Anteilen in Beuys’ Denken und seiner Zeit im Nationalsozialismus beschäftigt“, sagt der Regisseur Christian Müller. Neben Riegel kommen in dem einstündigen Beitrag auch die Kuratorin Ina Conzen zu Wort, der Beuys-Sammler Josef Fröhlich und die Stuttgarter Aktivistin Janka Kluge, die sich mit Beuys’ Nähe zur Esoterik befasst hat und sagt, er sei „nach rechts offen“ gewesen.

Museum hätte sich mehr Ausgewogenheit gewünscht

Mit dem Ergebnis des Podcasts „Wer nicht denken will, fliegt raus“ ist die Museumsleitung nicht zufrieden. So heißt es auf der Homepage, dass sich die Staatsgalerie gewünscht hätte, „den Forschungsstand ausgewogener wiederzugeben“. Die Autoren seien in der „Verwendung des Materials“ zwar frei, aber: „Nicht immer entsprechen die Ansätze der Autoren dabei denen der Staatsgalerie.“ Entsprechend waren der Veröffentlichung des Podcasts lange Diskussionen vorausgegangen, die Müller und Bolle im Beitrag auch thematisieren. So heißt es, „die Staatsgalerie will den Podcast nicht veröffentlichen, ist ihnen wohl nicht wissenschaftlich genug und zu kritisch“ – und etwas später dann „Will doch veröffentlichen, wir passen gut in den aktuellen Diskurs“.

Für das Publikum könnte der Podcast dennoch eine gute Ergänzung zur aktuellen Beuys-Ausstellung in der Staatsgalerie sein, die aufzeigt, wie Beuys seine Werke im Raum arrangierte. Eine kritische Einordnung der Figur und des Mythos Beuys spielen in der Schau keine Rolle.




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