Stuttgarter Modellbauer Vollmer Miniatur-Häuslebauer werden weiter bedient

Von Robin Daniel Frommer 

Das hessische Unternehmen Viessmann Modellspielwaren GmbH will die Modellbahn-Gebäude des Zuffenhausener Traditionsunternehmens Vollmer wieder in den Handel bringen. Von September an sollen die Produkte wieder zu kaufen sein.

Die Welt im Kleinen: Vollmer-Häuschen wird es weiterhin geben. Foto:  
Die Welt im Kleinen: Vollmer-Häuschen wird es weiterhin geben. Foto:  

Stuttgart - Die Modelleisenbahner können aufatmen: Die Miniaturhäuschen der Zuffenhausener Traditionsmarke Vollmer sollen den Bastlern und Sammlern nun doch erhalten bleiben. Die Viessmann Modellspielwaren GmbH in Hatzfeld (Hessen) will das Bausatz-Sortiment von Vollmer langfristig weiterführen.

Ein Rückblick: Modellbahnzubehör von Vollmer wie die Bahnhöfe Neuffen oder Baden-Baden zählen seit Jahren zu den „Miniatur-Stars“. Gerade der ländliche Fachwerkbahnhof Neuffen ist eines der am stärksten nachgefragten Accessoires für Modellbahnanlagen – auch international. Aus mehr als 350 Teilen besteht wiederum der anspruchsvolle Bausatz des maßstabsgerechten Bahnhofs Baden-Baden in der von Märklin 1935 eingeführten Modellbahn-Nenngröße H0. Das reale Vorbild des Miniatur-Bahnhofs hat heute keinen Gleisanschluss mehr, sondern ist Teil des Festspielhauses. Mit solchen Häuschen sowie Bahnsteigen, Kiosken, Lokschuppen, Stellwerken oder Brücken bildet das Vollmer-Sortiment, gerade wegen seines Württembergischen Stils, die Architekturgeschichte des Südwestens in verkleinerter Form ab.

Der eigentliche Schatz sind die stählernen Spritzformen

Der Firmengründer Wolfram Karl Vollmer (1924 – 2010) hat zusammen mit seinem Mitarbeiter Wolfgang Keck alle Gebäude, die von seinem Unternehmen für die Modellbahnen konstruiert werden sollten, akribisch vermessen und exakt ausgeführt. Stichmaße, Fotos und Handskizzen sind beim Nachbau solcher realen Gebäude die Basis. Manchmal helfen auch Originalpläne der Bahn. Anhand der Vorlagen entsteht zunächst ein proportionsgerechtes Pappmodell, danach wird ein Handmodell aus Kunststoff geschnitzt. Erst dann können die Pläne für den Spritzguss am Computer entwickelt werden. Im Lauf der 68 Produktionsjahre wuchs das Spritzguss-Sortiment so auf gut 1000 Modelle, für die mehr als 4000 stählerne Gussplatten gefertigt wurden – jede zwischen 100 und 300 Kilogramm schwer, alle sind von Hand nachgearbeitet.

Genau diese stählernen Spritzformen stellen den eigentlichen Schatz des Traditions-Modellbauers da. Die wertvollen Gussformen bleiben jetzt wohl in einer Hand: Vollmer-Bausätze werden künftig durch die Viessmann Modellspielwaren GmbH weitergeführt. „Wir haben eine langfristige Lizenz an der Marke sowie alle Werkzeuge erworben“, ließ Geschäftsführer Wieland Viessmann verlauten. „Wir haben die Formen einsehen können und hoffen, dass alles vollständig ist.“

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