Probleme bei Abellio und Go Ahead DB Regio aus dem Spiel – und doch noch dabei
Die neuen Streckenbetreiber Abellio und Go Ahead müssen sich auch weiterhin Züge und Personal leihen, weil ihre Partner Lieferschwierigkeiten haben.
Die neuen Streckenbetreiber Abellio und Go Ahead müssen sich auch weiterhin Züge und Personal leihen, weil ihre Partner Lieferschwierigkeiten haben.
Stuttgart - Mit dem großen Fahrplanwechsel am 15. Dezember übernehmen die Netzbetreiber Abellio und Go-Ahead weitere Strecken im Stuttgarter Netz von der Deutschen Bahn. Nach der gewonnenen Ausschreibung fand die erste Stufe des Stabwechsels am Pfingstwochenende statt. Seitdem beklagen sich die Pendler über noch mehr Verspätungen und Zugausfälle. Nach Aussage von Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium, sollen sie entschädigt werden, sofern sich die Lage nicht schnell bessere.
Das Land nimmt die Firmen auf jeden Fall in Regress. Das kann aber dauern, gerade wird erst die von der Bahn zu bezahlende Strafe aus den Jahren 2016 und 2017 ermittelt. Die Situation hat sich nach Aussage des Ministeriums etwas entspannt, Versprechungen der Vertragspartner begegne man aber mit Skepsis – dem Fahrzeuglieferanten Stadler und vor allem Bombardier mit spürbarer Abneigung. Es wurden Zusagen und Versprechen von oberster Stelle nicht eingehalten und Fahrzeuge mit großer Verspätung und mängelbehaftet geliefert.
Abellio fährt ab Mitte Dezember statt der DB Regio von Stuttgart über Heilbronn nach Mannheim beziehungsweise von Stuttgart nach Osterburken. Geschäftsführer Roman Müller muss improvisieren, weil Bombardier nur sechs von 25 Fahrzeugen liefere, bis Jahresende könnte ein siebtes folgen. DB Regio wird eine Strecke selbst fahren, Züge und Lokführer bereitstellen. „Wir sind in der Lage, alle vom Land bestellten Leistungen umzusetzen“, so Müller.
Das Eisenbahnverkehrsunternehmen Go-Ahead hat ebenfalls Probleme mit seinen Neufahrzeugen. Andreas Hiller vom Lieferanten Stadler sagt zwar zu, alle Fahrzeuge bis zum 15. Dezember geliefert zu haben. Erneut ohne Tests auf die Strecke zu gehen wie im Juni und womöglich wieder wegen technischer Mängel Schiffbruch zu erleiden ist für Geschäftsführer Hans-Peter Sienknecht keine Option. Deshalb leiht auch er sich vorerst Züge und Personal von der Konkurrenz, um die Murrbahn zwischen Stuttgart und Nürnberg zu bedienen.
Von März 2020 an sollen dort dann aber die neuen, modernen Fahrzeuge im Landesdesign verkehren. Diese kommen dagegen schon von Anfang an auf der Frankenbahn Stuttgart–Heilbronn–Würzburg zum Einsatz sowie auf der Filstalbahn Stuttgart–Ulm. Das System ist auf Kante genäht: Damit der Start gelingt, wird ein Ersatzzug vorgehalten, der anderswo fehlt: Der Interregioexpress von Karlsruhe wendet vorerst nicht in Aalen, sondern schon in Schwäbisch Gmünd.