So wirklich will ja niemand mehr über die Pandemie und ihre Folgen reden. Manchmal führt aber kein Weg daran vorbei. Stuttgarts Punkrock-Tresenhocker Schmutzki wissen das. Erst geben die drei jahrelang Vollgas, lassen kein Bier, kein Konzert, keine Party aus. Konzerte überall, Festivals mit den Toten Hosen vor 70 000 Leuten, Dauereskalation. Dann kommt 2020 der abrupte Stillstand. Schlimmer als der schlimmste Kater.
„Gefühlt klopfen wir uns doch immer noch den Coronastaub aus den Klamotten“, sagt der Bassist Dany Horowitz. „Zwei Jahre auf dem Sofa mit zehn Stunden Handynutzung pro Tag haben ihre Spuren hinterlassen. Während man normalerweise in zwei Jahren um etwa zwei Jahre altert, hat uns diese Zeit irgendwie deutlich härter zugesetzt.“ Nächstes Frühjahr geht es auf die erste echte Clubtour seit 2020, als man wegen Corona abbrechen musste.
Verlorene Stücke, unveröffentlichte Schätze, neue Songs
Für Schmutzki fühlt es sich so an, als sei alles auf null gesetzt. Stimmt natürlich nicht. Und davon erzählt auch die neue Platte „Schmutz de la Schmutz“ in 30 herrlich direkten, manchmal derben, immer typisch selbstironischen Schmutzki-Gassenhauern: verlorene Stücke, Raritäten, unveröffentlichte Schätze, neue Songs, zusammengetragen aus zwölf Jahren Bandgeschichte.
„Du willst vielleicht total revoluzzermäßig sein, da passt der Song über die schönen Füße deiner Ex-Freundin einfach nicht auf die Platte“, klärt der Sänger und Gitarrist Beat Schmutz auf, wie es passieren kann, dass 30 Songs einfach so rumliegen. „Oder man will endlich mal was total Anspruchsvolles machen, und es fallen einem ständig nur so lustige Lieder über Bier mit zwei Akkorden ein.“
Zeitreise durch die eigene Geschichte
Wenigstens dafür war die Pandemie gut: Sie schenkt den Fans eine randvolle Schmutzki-Platte mit diesem typisch hintersinnigem Mix aus Punkrock, Pop und Indie. Keine großen Reden, kein geheuchelter Tiefgang. Einfach Spaß, Vollgas und Durst in Musikform.
Das Ganze sei zudem auch eine Art Zeitreise durch die eigene Geschichte. „Zum Glück gibt es ja dieses Phänomen Nostalgie“, sagt Horowitz. „Man erinnert sich nur noch an die coolen Momente, in denen so ein Song entstanden sein könnte. Die schrecklichen Kopfschmerzen, das verkotzte Klo und das Drama mit der Ex auf dem Polizeipräsidium blendet man einfach aus.“ Bei aller Nostalgie sind Schmutzki froh, dass nicht mehr alles so ist wie beim ersten Mal. „Früher sind wir zu dritt mit einem alten Passat und unserem gesamten Equipment zu Konzerten gefahren“, erinnert sich der Schlagzeuger Flo Hagmüller. „Eigentlich war auf der Rückbank kein Platz mehr, aber man hat so lang gegen die Tür gedrückt, bis Instrumente und der dritte Mann sich irgendwie zusammenkomprimiert haben. Das war doch alles recht unbequem. Und jetzt fangen wir gefühlt wieder von vorne an.“
Freude: Das Bier ist noch da
Dies aber eben nicht irgendwo, sondern beim Release-Konzert im ausverkauften Goldmark’s in Stuttgart. „Nichts ist selbstverständlich, schon gar kein ausverkauftes Goldmark’s, denn das könnte in einer Stadt wie Stuttgart ja auch schon lange zugemacht worden sein“, betont Beat Schmutz. „Also freuen, freuen, freuen wir uns, dass wir noch da sind und die Leute noch da sind und das Bier noch da ist.“
Schmutzki Release Party: 11. November, 19 Uhr, Goldmark’s, Stuttgart. Das Konzert ist ausverkauft.