Stuttgarter Schulen gegen Hass im Netz Beim Thema Cybermobbing müssen auch Lehrer noch lernen

Von Torsten Schöll 

Was als vermeintlich harmloser Streich beginnt, kann schnell zum Mobbing-Fall werden. Damit Lehrer und Eltern bei Hass im Netz schneller reagieren können, gibt es eine Aufklärungskampagne des Landesmedienzentrums.

Cybermobbing zwischen Schülern ist ein immer größer werdendes Problem. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Cybermobbing zwischen Schülern ist ein immer größer werdendes Problem. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Stuttgart - Für viele Schüler hört sich das wie ein harmloser Streich an: Das Foto eines Lehrers wird von der Schul-Homepage kopiert, lustig verfremdet und anschließend in den sozialen Netzwerken geteilt. Könnte witzig sein. Ist es aber nicht. Noch immer hat, und das nicht ohne Grund, jeder das gesetzlich festgeschriebene Recht am eigenen Bild. Doch wissen das auch Schüler?

Zugetragen hat sich das an einer Schule im Landkreis Göppingen. Die Schulsozialarbeiterin, die davon berichtet, will nicht sagen, wo genau. Aber das spielt keine Rolle: Ähnliches und Schlimmeres passiert im Zeitalter sozialer Medien andauernd. „Die Schüler überschreiten da ständig Grenzen“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Sie hat am Dienstagabend auf Einladung des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) bei einem Informationsabend im Alten Schloss im Rahmen der Veranstaltung „Hass, Hetze und Halbwahrheiten – Was können Eltern, Lehrer und Pädagog(inn)en tun“ von ihren Erfahrungen berichtet.

Eltern und Lehrer müssen jugendliches Hass-Vokabular kennen

So viel steht fest: Hatespeech und Cybermobbing sind, so der Medienpädagoge Thorsten Junge, „an den Schulen ein relevantes Phänomen“. Die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg nimmt deshalb diese Problembereiche bei der Ausbildung künftiger Lehrer verstärkt in den Fokus. Was auch diese erst lernen müssen: Cybermobbing unterscheidet sich deutlich vom klassischen Schulhofmobbing. Man wird leichter Opfer, leichter Täter und manchmal kann Mobbing in sozialen Medien auch schlichtweg unbeabsichtigt geschehen, berichtet Junge. Die Hochschule hat aus diesem Grund für Lehramtsstudenten ein Projektseminar entwickelt, das beim Thema Cybermobbing auf Erkennung, Prävention und Gegenmaßnahmen abzielt. Entscheidend auch: Um Cybermobbing zu identifizieren, müssen Eltern und Lehrer jugendsprachliches Hass-Vokabular verstehen. Oder wer weiß schon, was es bedeutet, wenn Jugendliche sagen: „Gemobbt werden Schwache und No Skins!“

Kampagne will helfen, extremistische Tendenzen früher zu erkennen

Der Informationsabend war Teil der Kampagne „Bitte Was?! Kontern gegen Fake und Hass“ der Landesregierung Baden-Württemberg, mit der Schüler, Eltern und Lehrer neben Cybermobbing auch dafür sensibilisiert werden sollen, extremistische Tendenzen frühzeitig zu erkennen. So betont Anja Franz vom LMZ in ihrem Vortrag, dass auch islamistische oder rechtsextreme Symbole verstanden werden müssen. Auch hier komme es darauf an, Sprachcodes zu entschlüsseln. Haben sich Jugendliche bereits radikalisiert, sei die Grenze des Machbaren für Lehrer allerdings erreicht, sagt Franz. „Für die Deradikalisierung selbst sind dann Profis zuständig.“

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