Absage des Stuttgarter Weihnachtsmarkts OB Frank Nopper zeigte sich beratungsresistent
Die Absage des Weihnachtsmarkts war eine mit Ansage. OB Nopper hat sich wieder einmal uneinsichtig gezeigt, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Die Absage des Weihnachtsmarkts war eine mit Ansage. OB Nopper hat sich wieder einmal uneinsichtig gezeigt, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Stuttgart - Man sollte bei der Wahl seiner Bilder vorsichtig sein, sonst ergeht es einem wie Stuttgarts OB Frank Nopper (CDU). Vor noch nicht einmal einer Woche, als er den Weihnachtsmarkt gegen Widerstände durchsetzte, wähnte er den Budenzauber unter einem guten Stern – nun ist dieser als Sternschnuppe verglüht. Der Schaden dürfte für die Beschicker nach der kurzfristigen Absage größer sein, als wenn sie vor dem Aufbau ausgeladen worden wären.
Dabei war klar, dass der Druck mit jeder Horrorzahl des RKI wachsen würde. Aber der OB scheint dem einer Pandemie innewohnenden dynamischen Effekt noch immer nicht die nötige Bedeutung beizumessen. Für ihn zählt größtmögliche Freiheit, nicht maximale Sicherheit. Es fehlt ihm zudem politisches Gespür: Was hätten die Pflegekräfte auf den Intensivstationen von Feiernden auf einem überfüllten Schlossplatz halten sollen? Oder jene, in deren Kinos, Bars und Behandlungsräumen nun sogar die 2-G-plus Regel gilt?
Beängstigend ist Noppers Hang, mit dem Kopf durch die Rathauswand zu wollen. Warnungen wie vom Leiter des Gesundheitsamts, die persönlichen Kontakte im Alltag zu minimieren, verhallen nicht nur ungehört, sondern werden mit der Aussage konterkariert, die Behörde habe „Rückendeckung“ beim Ja zum Weihnachtsmarkt gegeben.
Auch die Fraktionen haben kein Gegenmittel gegen die Beratungsresistenz gefunden, außer – wie beim heutigen Impfappell – den OB zu ignorieren. Bei dieser Gelegenheit sei an Noppers Vorgänger erinnert: Fritz Kuhn hatte für die Schließung des Fernsehturms mächtig Prügel bezogen – aber er hatte die Hinweise seiner Experten ernst genommen.
OB Nopper hat die Verantwortung beim Land verortet, das die Coronaverordnung erst gestern verschärfte. Dabei gab es in der Vergangenheit Sonderwege in Stuttgart, etwa bei der Maskenpflicht in Schulen. Es könnten mehr sein, wie die niedrige Impfquote nahelegt. In Bremen fahren Impfbusse längst Brennpunkte an, in Stuttgart stehen die Menschen für den Piks in der Kälte. Die Schlange reicht 100 Meter zurück bis zur Rathaustreppe – ein weiteres Sinnbild.
Es hat am Montag größter Mühe bedurft, den OB für die Absage des Markts zu gewinnen. Der Verweis auf die Entscheidungen kleinerer Städte, die ihre Veranstaltungen stornierten, sollte signalisieren, er habe keine andere Wahl gehabt, weil alle Glühweinfans seinen Weihnachtsmarkt geflutet hätten. Das ist absurd, noch letzte Woche hatte Nopper die „strengsten Vorgaben im Land“ präsentiert, die für Sicherheit sorgen würden.