Stuttgarts marode Brücken Zeitplan für neue Wilhelmsbrücke steht

Die Wilhelmsbrücke soll nach ihrem Abbruch ab 2026 neu gebaut werden. Foto: Uli Nagel

Die wichtige Neckarquerung zwischen der Neckarvorstadt und der Cannstatter Altstadt soll ab 2026 neu gebaut werden. Sie wird danach allerdings nur für Passanten, Radfahrer und Rettungsfahrzeuge nutzbar sein.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

In den kommenden Jahren muss die Stadt mit der Rosenstein- und der Wilhelmsbrücke gleich zwei Neckarquerung abreißen und durch Neubauten ersetzen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik stimmte jetzt dem weiteren Vorgehen des Tiefbauamts zu. Bekanntlich soll nach dem Abbruch der Rosensteinbrücke im Sommer 2024 an gleicher Stelle eine Interimsbrücke für Radfahrer und Passanten – die Kosten liegen bei 2,12 Millionen Euro – errichtet werden. Dass auch Autos dort fahren können, lässt sich laut den Experten des Tiefbauamts nicht realisieren. Der Grund: Vor allem im Bereich der Kreuzung Prag-/Neckartalstraße ist kein Platz für die dafür benötigte, längere Zu- und Abfahrtsrampe.

 

Sobald diese Behelfsquerung steht, soll die Wilhelmsbrücke zurückgebaut und ersetzt werden. Die Fraktionen gaben grünes Licht für 3,5 Millionen Euro für die Planung. Diese Summe hatte das Tiefbauamt für den Rückbau der Wilhelmsbrücke sowie den Bau des Interimsbauwerks veranschlagt. Darin enthalten sind die Kosten für einen Ingenieurwettbewerb.

Neue Rosensteinbrücke soll 2031 fertig sein

Obwohl vor allem Handel und Gewerbe in Cannstatt die Dauer der Gesamtmaßnahmen – die neue Rosensteinbrücke soll erst 2031 fertig sein – kritisieren, stimmte der Ausschuss dem grundsätzlichen Vorgehen und Zeitablauf zu. Claus-Dieter Hauck, beim Tiefbauamt für Tunnel und Brücken verantwortlich, rechnet fest mit einem Grundsatzbeschluss für die künftige Rosensteinbrücke im ersten Quartal 2024. Nach dem Abbruch – allein der Rückbau kostet fast 9,5 Millionen Euro – im kommenden Sommer, ist der Wettbewerb für Ende 2024/Anfang 2025 vorgesehen. „Im Anschluss werden für die endgültigen Planungen rund zwei Jahre benötigt, für den Bau weitere drei Jahre“, sagte Claus-Dieter Hauck. Somit könne die neue Rosensteinbrücke ab 2031 einsatzbereit sein.

Keine Nutzung für Kraftfahrzeuge

Die Wilhelmsbrücke soll nach ihrem Rückbau (die Kosten werden zum Doppelhaushalt 2026/2027 angemeldet) ab 2026 an gleicher Stelle als reine Fuß- und Radverkehrsverbindung geplant werden. Bestandteil des Wettbewerbs ist jedoch, dass sie für Einsätze der Polizei, Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge befahrbar ist. Im Prinzip soll sie die Dimensionen der heutigen Querung zwischen der Neckarvorstadt und der Cannstatter Altstadt haben. Das bedeutet, dass sie insgesamt rund elf Meter breit wird. Der Radverkehr fließt mittig, daneben soll es zwei Gehwege für Passanten geben. Kann der Zeitplan eingehalten werden, könnten 2028 die ersten Fußgänger und Radfahrer über die neue Brücke gehen oder fahren.

Erste Wilhelmsbrücke 1838 eingeweiht

Die erste Wilhelmsbrücke entstand ab 1835 und wurde drei Jahre später im Beisein von König Wilhelm an seinem Geburtstag am 27. September eingeweiht. Das Bauwerk fiel fast hundert Jahre später der Neckarregulierung zum Opfer: 1929 wurde die Brücke abgebrochen und durch eine neue Stahl-Nieten-Konstruktion ersetzt. Die neue Neckarquerung hatte auch deshalb große Bedeutung für die Bevölkerung, weil so die Straßenbahnlinie 12, die damals noch durch die Marktstraße fuhr, weiter über die Flussquerung in die Neckarvorstadt unterwegs sein konnte.

Wie so viele Brücken wurde auch die Wilhelmsbrücke am Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt, jedoch in den folgenden Jahren bis 1949 aus vielen Originalteilen wiederhergestellt – allerdings diesmal ohne SSB-Gleise. Seitdem wurde die Flussquerung von Radfahrern, Passanten und Autofahrern genutzt. Der motorisierte Verkehr wurde allerdings per Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats im Frühjahr 2022 von der Brücke verbannt, was vor allem CDU, Freie Wähler und FDP kritisieren.

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