InterviewStuttgarts Radbeauftragter Claus Köhnlein „Wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg“

Von Tom Hörner 

Claus Köhnlein, Stuttgarts Radbeauftragter, gibt Tipps zum Winterradeln und erzählt, welche Stadt für ihn das Fahrradpadies auf Erden ist.

Auch im Winter kann man  Rad fahren. Foto: dpa
Auch im Winter kann man Rad fahren. Foto: dpa

Stuttgart - Als Radbeauftragter der Stadt Stuttgart muss man gelegentlich über den Kesselrand hinausschauen. Claus Köhnlein hat sich auch schon in Lateinamerika An­regungen geholt.

Herr Köhnlein, vor Ihrem Büro liegt Schnee. Ein guter Tag, um übers Radfahren zu reden?
Man kann immer übers Radfahren reden, auch im Winter. So wie man auch im Winter Rad fahrenkann.
Wie kommt man mit dem Rad gut durch die kalte Jahreszeit?
Indem man die entsprechende Ausrüstung hat, also Spike-Reifen und eine gute Beleuchtung. Und indem man für den Notfall gewappnet ist – also auch mal absteigt. Außerdem muss man noch mehr als sonst auf Fußgänger achten, die bei dem Wetter ja auch ihre Probleme haben.
Fahren Sie selbst mit gutem Beispiel voran?
Ich radle auch im Winter, allerdings weniger als im Sommer. Leider sind im Winter nicht alle Radwege geräumt, dann ist mir das bei Dunkelheit manchmal zu gefährlich. Außerdem fahre ich selbst keine Spikes.
Beim Schneeräumen könnte die Stadt eine Schippe drauflegen. Wenn man durch Kaltental nach Vaihingen will, fährt man unter Umständen durch Tiefschnee.
Das ist leider so. Zwei Drittel der Strecke wird geräumt, da dort der Radweg Teil der Fahrbahn ist. Am letzten Stück ist der Radweg durch einen Bordstein von der Straße getrennt. Er gilt als baulicher Radweg im Außerortsbereich – und der kann von der Stadt geräumt werden, muss aber nicht. Innerorts, als dort wo Häuser stehen, wären die Anwohner fürs Räumen zuständig.
Claus Köhnlein Foto: Köhnlein
Wir sprechen hier nicht von einer Nebenstrecke, sondern von einer Hauptradroute.
Das ist richtig. Deshalb empfehle ich auch dem Gemeinderat, Geld zur Verfügung zu stellen, dass zumindest die Hauptstrecken geräumt werden können. Manche Abschnitte wurden in den Winterdienst einbezogen, etwa die König-Karls-Brücke und die daran anschließende Route am Leuze vorbei.
Mehr als fordern können Sie nicht?
Ich kann nur meine Argumente weitergeben und darauf hinweisen, dass auch im Winter immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind und Winterdienst aus Sicherheitsgründen dringend erforderlich ist. Wir haben zwei Zählstellen in der Stadt, eine in Kaltental, eine beim Leuzebad. Anhand derer kann man nachweisen, dass selbst bei Glatteis Radfahrer unterwegs sind.
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