Stuttgarts Soulkitchen mit Sonja Backkunst vom Balkan

Von Tanja Simoncev 

Der Balkan kann nicht nur Beats, sondern auch Backkunst. Das beweist Sonja Lukenda entweder auf ihrem Blog "The whitest cake alive" oder in unserer Soulkitchen. Die Stuttgarterin mit kroatischen Wurzeln kredenzt diesmal kroatische Hörnchen mit Marmelade - einfach zuckersüß!

Für ihren Food-Blog The whitest cake alive backt Sonja Lukenda leidenschaftlich gern süße Spezialitäten. Foto: Sonja Lukenda 6 Bilder
Für ihren Food-Blog "The whitest cake alive" backt Sonja Lukenda leidenschaftlich gern süße Spezialitäten. Foto: Sonja Lukenda

Stuttgart - Balkan-Beats sind mittlerweile jedem schwäbischen Brate ein Begriff, aber wie sieht's mit der Küche von "da unten" aus? Dass die nicht nur aus Cevapcici und Ajvar besteht, wird spätestens in Stuttgarts Soulkitchen herausgebacken und bestätigt. Und zwar von Sonja Lukenda, einer Food-Bloggerin mit Geschmack und kroatischen Wurzeln. Vielleicht ist sie ja auch "The whitest girl alive", definitiv ist "The whitest boy alive" aber eine ihrer Lieblings-Bands und ganz sicher ist "The whitest cake alive" ihr Blog. Ein Back-Blog so süß wie ein Sahne-Baiser.

Denn die fructoseintolerante Backfee, wie sie sich selbst beschreibt, hegt eine Vorliebe für Wein, laute Musik, gute Steaks, Flohmärkte, laue Sommernächte. Und was noch? Süße Backwaren natürlich. Schon mit 16 Jahren backte sie sich selbst eine Schwarzwälder Kirschtorte zum Geburtstag und stand dafür rund fünf Stunden in der Küche. Das nennt sich dann wohl Leidenschaft, vererbt von Mama und Oma - ganz klassisch. Doch da wäre noch etwas, das Sonjas Herz berührt. Das Schreiben. Bei einem Online-Magazin habe sie gemerkt was für einen Spaß das kreative Herumgetippe bereite und wollte dran bleiben. Gleichzeitig sei sie in ihrem Freundeskreis immer die Süßkram-Beauftragte gewesen und aus der harmlosen Frage: "Hast du dir nicht mal überlegt einen Blog zu machen?" wurde ein schlagkräftiges Argument. 

Back-Blog statt Büro-Job

"Ja, wieso eigentlich nicht", dachte sich die 31-Jährige. Und dann hieß es einfach mal machen. Das war vor vier Jahren. Damals backte sie für "The whitest cake alive" fünf Mal pro Woche. "Keine Ahnung wie ich das bewältigt habe", fragt sie sich heute. Denn gerade fehle der gelernten Wirtschaftskorrespondentin für Englisch und Spanisch schlichtweg die Zeit dafür. Es gibt ja was zu tun. In Sonjas Fall im pois, dem portugiesischen Lebensmittel-Shop im Fluxus. "Der Büro-Job davor war einfach nicht meins." Außerdem passe eine Foodbloggerin ja ganz gut in einen Lebensmittel-Laden.

Bei Waiblingen aufgewachsen und im Stuttgarter Westen beheimatet backt die quirlige Bloggerin also nun voller Elan vor sich hin und findet in der Küche, bei lauter Musik, Freude und Entspannung pur. Selbst ihre eigene Lebensmittelunverträglichkeit stellt Sonja nicht vor große Herausforderungen. Natürlich habe sich ihre Ernährung komplett verändert, "aber ich bleibe ganz Genussmensch." Denn ein Leben ohne Baklava sei sinnlos.

In diesem Sinne: Der Balkan fließt in ihrem Blut. Dann zeig uns was kroatisches Temperament hinter dem Herd auslöst, haide Sonja.

Rezept für: Kroatische Schmalz-Hörnchen mit Marmelade

Mit den Worten "Sonja, du könntest doch etwas Kroatisches backen" wurde ich in die Soulkitchen eingeladen. Und da die schwäbische Balkan-Fraktion hier doch noch eher dünn gesäht ist und mir passenderweise meine Mutti erst kurz vorher von diesem Rezept ihrer besten Freundin vorgeschwärmt hatte, dachte ich: "Let's do this". Ich weiß, ich weiß, der Sommer ist wieder im Ländle ausgebrochen und eigentlich möchte man sich eher mit Eis, coolen Törtchen oder Käsekuchen aus dem Kühlschrank erfrischen. Aber, ich finde backen geht immer! Auch, wenn man so wie ich unter dem Dach wohnt und erst Recht, wenn man grad akutes Fernweh nach der Heimat hat. Ich weiche erst ab 38 Grad Außentemperatur von diesem Grundsatz ab.

Zum Backwerk: Dieses Rezept hat, wie viele andere Rezepte der traditionellen (in meinem Fall kroatischen) Küche auch, eine für diese Breitengrade eher unkonventionelle Zutat: Schweineschmalz. Ja, ihr habt richtig gelesen. Aber ich sag's euch: Probiert das unbedingt mal aus - es lohnt sich. Ohne wird der Teig einfach nicht so gut, das macht sich schon beim Kneten bemerkbar. Ganz schön geschmeidig sage ich euch und ich habe wirklich schon viele Teige in meinem Leben geknetet, das könnt ihr mir glauben. Das Schmalz bekommt ihr sicher auch beim Metzger bzw. Laden eures Vertrauens. Für das waschechte Balkan-Feeling könnt ihr es aber auch beim ungarischen Stand in der Markthalle erwerben. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Zutaten: (für zwei Bleche)

500g Weizenmehl

3 EL Zucker

2 Eier (L)

200g Sauerrahm

200g Schweineschmalz

1/2 Pck. Backpulver

am besten (selbstgemachte) Marmelade oder Pflaumenmus

etwas Puderzucker

Zubereitung:

1. Schmalz und Zucker ein wenig mit den Händen vermengen. Anschließend Sauerrahm, Eier, Backpulver und Mehl dazu geben und mürbeteigmäßig zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Der Teig ist sehr weich und kann auch etwas an den Händen kleben, aber das muss so! Jetzt für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen, das geht auch gut über Nacht.

2. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Den Teig aus dem Kühlschrank holen und in fünf Teile teilen. Diese rollt ihr nun mit Hilfe eines Nudelholzes und etwas Mehl auf der Arbeitsfläche kreisförmig aus, in etwa im Durchmesser eines großen Tellers. Der Teig wird nun wiederum in acht Teile unterteilt, die um Himmels Willen nicht alle exakt gleich aussehen müssen.

3. Am breiten Ende die beiden Seiten zuerst etwas einschlagen, dazwischen etwa einen Teelöffel Marmelade geben. Hier eignet sich z.B. Pflaumenmus wegen der festeren Konsistenz sehr gut. Packt aber rein, was ihr am liebsten mögt. Nur kein Gelee, das rennt euch weg. Jetzt vom breiten Ende her aufrollen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben.

4. Auf der mittleren Schiene 20-25 Minuten backen. Bitte während der Backzeit ein Auge darauf haben. Wenn die Hörnchen euren gewünschten Bräunegrad erreicht haben (ich mag meine z.B. eher etwas heller), den Ofen ausschalten und die Hörnchen herausnehmen. Noch heiß in Puderzucker wälzen. Mein Kollege pflegt immer zu sagen: "Wer heiß anfassen kann, der kann auch heiß lieben!" In diesem Sinne haut rein!

Musik-Beilage:

Der Song, ohne den es gerade gar nicht geht - ob in der Küche oder sonstwo - ist "Gas Gas" von Goran Bregovic. Die Balkan-Beats lassen grüßen.