Stuttgarts Trainer Konstantin Bitter „Dieser Terminplan ist krass!“

Ständig unterwegs: Konstantin Bitter und die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Volleyballerinnen sind nach dem Tod von Tore Aleksandersen emotional angeschlagen, zudem reisen sie von einem Auswärtsspiel zum nächsten. Auch deshalb fehlt es laut Coach Konstantin Bitter an Konstanz.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart sind derzeit stark gefordert – körperlich, aber vor allem auch emotional. In dieser Woche verstarb ihr ehemaliger Erfolgscoach Tore Aleksandersen, zugleich stehen nun noch einmal drei schwierige Auswärtsspiele an – das erste an diesem Samstag (19 Uhr) beim SC Potsdam.

 

Herr Bitter, wie geht die Mannschaft damit um, dass ihr Meister-Trainer Tore Aleksandersen den Kampf gegen den Krebs verloren hat?

Emotional ist es gerade sehr schwierig. Alle sind sehr betroffen, denken oft in Trauer und Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit mit ihm zurück, die sie sehr geprägt hat. Aber das Leben muss weitergehen, auch das sportliche. Wir müssen zu akzeptieren lernen, dass er nicht mehr da ist und werden für ihn, für uns und für unsere gemeinsame Sache weiterkämpfen. Es ist genau das, was er gewollt hätte.

Wie wichtig ist das Spiel an diesem Samstag bei Vize-Meister SC Potsdam?

Sehr wichtig. Eine gute Leistung würde uns helfen, in dieser schwierigen Zeit zu einem positiven Gefühl zurückzufinden.

Zuletzt gab es in der Champions League in Conegliano die erwartbare 0:3-Niederlage. Wie froh sind Sie, die beiden Duelle gegen den haushohen Favoriten hinter sich zu haben?

Conegliano ist derzeit die beste Mannschaft der Welt. Das Heimspiel, das wir 1:3 verloren haben, war gut und hat viel Spaß gemacht. Nun in Italien haben wir eine Lehrstunde erhalten, wie man auswärts bei so einem Gegner nicht auftreten darf.

Inwiefern?

Uns hat es an Aggressivität und Konstanz gefehlt. Wer auf so ein starkes Team trifft, muss von Anfang bis Ende voll da sein. Das waren wir nicht. Wir sind zu viel mit uns selbst beschäftigt gewesen, um Conegliano in seinem Lauf stoppen zu können.

Trotzdem . . .

. . . hätte ich liebend gerne viel mehr solcher Spiele, weil sie einen unheimlich weiterbringen.

In der Champions League hat Ihr Team drei der ersten vier Partien verloren. Wie stehen die Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale?

Weiterhin bestens. Es ist sehr gut möglich, Gruppen-Zweiter zu werden und damit in die Play-offs zu kommen, in denen es um die Qualifikation fürs Viertelfinale geht.

Was macht Sie so optimistisch?

Ich weiß, dass mein Team stärker ist als Rzeszów und Beveren. Und dass wir international zu Hause stets überzeugend auftreten. Wir benötigen im Januar zwei Heimsiege gegen diese beiden Teams, und ich bin sicher, dass wir diese Chance nutzen werden.

Zuvor steht nächsten Donnerstag noch das Pokal-Halbfinale beim Dresdner SC an .  .  .

. . . in dem wir etwas gutzumachen haben. Die Heimniederlage in der Bundesliga gegen Dresden kam unerwartet und hat sehr weh getan. Danach haben wir zwar eine Reaktion gezeigt, mit der ich sehr zufrieden war. Doch nun geht es darum, ins Finale einzuziehen.

Wie ist die Ausgangslage?

Der Dresdner SC hat eine perfekt aufeinander eingespielte Startformation, die eine bessere Block-Abwehr als Conegliano spielt. Und trotzdem bin ich überzeugt davon, das wir stärker sind, wenn wir unser Leistungslimit erreichen und mit dem nötigen Selbstvertrauen auftreten. Ich würde sagen: Wir sind bereit für die Revanche!

Obwohl es zuletzt an Konstanz fehlte?

Das ist für mich keine Überraschung. Wir werden es nicht hinbekommen, ständig auf höchstem Niveau zu spielen, wenn wir nicht lernen, uns auch in den Spielen weiterzuentwickeln. In den Trainingseinheiten ist das seit Wochen leider nicht möglich, da wir kaum einmal richtig trainieren können.

Warum nicht?

Weil wir ständig unterwegs sind. Innerhalb der nächsten acht Tage müssen wir in Potsdam, Dresden und Wiesbaden ran, dann hatten wir im Pokal, in der Bundesliga und der Champions League sieben Auswärtsspiele in Serie. Das ist Wahnsinn! So einen krassen Terminplan habe ich noch bei keinem Verein erlebt.

Weitere Themen