Stuttgarts Wahrzeichen Fernsehturm meldet Besucherrekord

Von Uwe Bogen 

So hoch in der Publikumsgunst war er seit Ewigkeiten nicht mehr: Wenn der Andrang auf den Fernsehturm in Stuttgart bis Ende des Jahres anhält, könnten es 2016 fast doppelt so viele Besucher sein, wie sie vor der Sanierung gezählt worden sind.

Die Massen strömen auf den Fernsehturm. Foto: 7aktuell.de/Adomat
Die Massen strömen auf den Fernsehturm. Foto: 7aktuell.de/Adomat

Stuttgart - Die Liebe ist neu erwacht. Viele Fans der eleganten Betonnadel haben darunter gelitten, dass Stuttgarts Wahrzeichen fast drei Jahre lang für einen besseren Brandschutz geschlossen war. Seit dem Neustart vor über zehn Monaten strömen die Massen umso heftiger, um die traumhafte Aussicht zu genießen. „Unsere Erwartungen sind weitaus übertroffen worden“, jubiliert Julia Gärtner, die Sprecherin der SWR Media Services GmbH. Wenn der Andrang bis Ende des Jahres anhält, könnten es 2016 fast doppelt so viele Besucher sein, wie sie vor der Sanierung gezählt worden sind.

Dass Oberbürgermeister Fritz Kuhn im März 2013 die Schließung des Fernsehturms angeordnet hatte, weshalb er von vielen Seiten kritisiert wurde, sei „keine Marketing-Aktion“ gewesen, wie der Grüne heute augenzwinkernd klarstellt. Obwohl man bei den explodierenden Besucherzahlen dahinter Raffinesse vermuten könnte. „Wir haben jetzt mit Sicherheit den sichersten Fernsehturm der Welt“, sagte Kuhn im Interview mit dem Onlinesender Stuggi.TV, der in seiner Sendung „News“ am Dienstagnachmittag zum ersten Mal über den Riesenerfolg auf den Höhen von Degerloch berichtet hat.

Maximal 320 Besucher dürfen gleichzeitig auf dem Turm sein

„Die meisten Besucher kommen aus Stuttgart und der Region“, erklärt Fernsehturmsprecherin Julia Gärtner auf Anfrage unserer Zeitung. Der Anteil internationaler Gäste sei nicht so hoch. Bei schönem Wetter und schöner Aussicht brechen offensichtlich viele, die in der Nähe des Turms wohnen, zu einem spontanen Besuch auf. Vor allem im Sommer war der Andrang so groß, dass es immer wieder lange Schlangen gab.

Maximal 320 Menschen dürfen sich aus Sicherheitsgründen gleichzeitig auf der Plattform des vor 60 Jahren eröffneten Leonhardt-Baus aufhalten. Ein Computersystem am Eingang sorgt dafür, dass die genauen Zahlen stets ermittelt sind. Bei Traumwetter sind im Sommer 3000 Gäste am Tag gekommen. Die Jahresdauerkarte für 25 Euro hat sich als Renner erwiesen. Eine Einzelfahrt kostet für Erwachsene sieben Euro, sodass sich die Dauerkarte bei vier Besuchen im Jahr bereits ausgezahlt hat. Am schönsten findet es Turmsprecherin Julia Gärtner beim Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang hoch oben – sowie nachts beim Blick auf die beleuchtete Stadt.

Alle Kabel im Turminneren sind nun flammenhemmend „umkapselt“. Die Besucher sehen dies nicht. Was ihnen auffällt, ist ein neuer, großer Souvenirshop im Foyer, den die Media Services GmbH selbst betreibt. Zum Brandschutz muss der Bereich des alten Kartenhäuschen freigehalten werden. Nicht mehr die Aufzugfahrer verkaufen Tickets, sondern neues Personal, das gleichzeitig Turmdevotionalien unter die Leute bringen soll. Die Hoffnungen des SWR auf ein Zusatzgeschäft haben sich erfüllt.

Brandschutzkrise ging spurlos an Souvenirverkäufern vorbei

Am Wahrzeichen verdienen kann aber jeder. Geschützt ist nur das offizielle Turmlogo. Abbildungen, Zeichnungen oder Entwürfe aller Art laufen unter der „Panoramafreiheit“ – jeder kann sie in seinem Firmenlogo oder auf seinen Waren verwenden. „Wir würden gern Lizenzgebühren verlangen“, heißt es beim SWR, „aber die vielen Geschenk- und Souvenirartikel sind auch Werbung für einen Turmbesuch.“

Die Brandschutzkrise war an den Souvenirverkäufern problemlos vorbeigegangen. „Alles, was mit dem Fernsehturm zu tun hat, läuft immer – egal ob er auf oder geschlossen ist“, heißt es im „Unnützen Stuttgartwissen“. Am besten verkaufen sich dort Kühlschrankmagneten und Turnbeutel mit dem Aufdruck „Turmbeutel“. Begehrt sind außerdem Fernsehturmenten und Kugelschreiber mit Fernsehturm und King Kong.

Der SWR hofft, dass der Erfolg im nächsten Jahr anhält und die Besucherbilanz keine Einmalzahlen aufweist. Doch eines dürfte klar sein: Die Liebe zum Turm endet nie.

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