StZ im Gespräch Die SPD hat noch „Luft nach oben“

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Käfer zufolge kommt eine weitere Variable hinzu: Die Union habe ihr Potenzial in den Meinungsumfragen schon ausgeschöpft, meinte er, während die SPD einen Teil der unentschlossenen Wähler wohl noch nicht erreicht habe. Die Genossen hätten „mehr Luft nach oben“. Im Übrigen seien Meinungsumfragen nicht per se schlecht. Es gebe zwar ein Institut, das gerne Ausreißer für einzelne Parteien skizziere, um damit Nachrichten zu produzieren – generell beeinflussten Umfragen jedoch das Verhalten der Parteien, wie sich etwa an der veränderten Einstellung der Union zum Mindestlohn gezeigt habe. Des Volkes Meinung setze sich auf diese Weise durch.

In der Diskussion mit den Lesern wurde der Wunsch laut, die Medien sollten mehr über Inhalte informieren als über vordergründige Aufreger wie Peer Steinbrücks Foto mit dem Stinkefinger. Käfer wendete ein, dass Gesten einiges über den Politiker verraten – so wie auch Merkels Raute die Unaufgeregtheit ihres Regierungsstils kennzeichne. Zudem müsse die SPD einen großen Teil des bürgerlichen Publikums ansprechen, wolle sie die Wahl gewinnen. So gesehen habe der Kanzlerkandidat aber einen Teil seines Publikums mit dem Stinkefinger vor den Kopf gestoßen, urteilte er.

Steinbrück, der Klartext-Politiker, pflege im Umgang mit den Journalisten einen mitunter unterschwellig aggressiven Ton. Derweil bleibe Merkel stets gefasst. Hinter den Kulissen sei sie gar ein „Kontrollfreak“ – am liebsten würde sie jedes Zitat und jedes Foto von sich überprüfen, sagte Käfer. Anders als ihren Vorgänger Gerhard Schröder würde man sie nie spät abends an der Bar mit Medienvertretern plaudern sehen. „Merkel will sich nicht allzu sehr gemein machen“, schilderte er aus seinem Erfahrungsschatz. „Distanz bedeutet für sie auch Schutz.“ In ihrem direkten Umfeld schätze sie am meisten Loyalität und Verschwiegenheit. Dazu passt, dass die Kanzlerin auf der funktionalen Ebene und situationsbedingt handele – wie bei der Europapolitik. Sie denke nicht, wie einst Helmut Kohl, in historischen Dimensionen.

Amtszeit des Regierungschefs besser nicht begrenzen

So kam gegen Ende fast zwangsläufig wieder die Rede auf die Langweile, die eine Leserin in dem Prinzip „Weiter so“ der deutschen Politik sieht. Sollte man nicht – wie in den USA – die Amtszeit des Regierungschefs auf zwei Legislaturperioden begrenzen? Käfer widersprach: Ein „Weiter so“ sei doch für diejenigen Menschen eher faszinierend, die davon profitierten, dass es dem Land relativ gut geht, sagte er. Und es sei prinzipiell schlecht, wenn eine Demokratie gesetzlich regeln müsse, wie lange der Kanzler im Amt bleiben solle. Der einstige Merkel-Mentor Helmut Kohl sei einst abgewählt worden, als sich das Gefühl verbreitet hatte: Jetzt ist Schluss. Dieses Verfahren sei immer noch das beste, so Käfer. „Und warten wir mal ab – es sind ja noch ein paar Tage bis zum Wahlsonntag“, fügte er an. Mit anderen Worten: Vielleicht beantwortet sich diese Frage dann von selbst.




Unsere Empfehlung für Sie