StZ im Gespräch Die Risiken der Angela Merkel

Vor 200 Lesern der Stuttgarter Zeitung fragte der StZ-Politikchef Rainer Pörtner (links) den Berliner Büroleiter Armin Käfer unter anderem, welchen Einfluss die Landtagswahl in Bayern auf die Bundestagswahl am kommenden Sonntag hat. Foto: Achim Zweygarth 28 Bilder
Vor 200 Lesern der Stuttgarter Zeitung fragte der StZ-Politikchef Rainer Pörtner (links) den Berliner Büroleiter Armin Käfer unter anderem, welchen Einfluss die Landtagswahl in Bayern auf die Bundestagswahl am kommenden Sonntag hat. Foto: Achim Zweygarth

Die CDU-Chefin hat große Chancen auf eine Wiederwahl. Doch es bleiben Unsicherheiten, meint der Berliner Büroleiter der Stuttgarter Zeitung, Armin Käfer, in der Reihe „StZ im Gespräch“.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Stuttgart - Langweilig – so lautet ein vielfach geäußertes Urteil über einen dahin dümpelnden Wettstreit der Parteien. Wer die Stichworte „Wahlkampf 2013 langweilig“ bei der Internetsuchmaschine Google eingibt, erhält 160 000 Treffer. Das ist natürlich kein tragfähiger Beleg, zumal die Kombination „Wahlkampf 2013 spannend“ gleich 622 000 Ergebnisse bringt. Es scheint vielmehr so zu sein, dass die Landtagswahl in Bayern auf den letzten Metern Schwung in das Rennen gebracht hat. Dieser Eindruck entsteht auch, wenn man das große Interesse von 200 Lesern der Stuttgarter Zeitung als Maßstab nimmt, die am Montagabend im Pressehaus aus erster Hand erfahren wollten, wie es mit der Republik politisch weitergehen könnte.

„Das allgemeine Lamento, dass der Wahlkampf inhaltsleer sei, kann ich nicht teilen“, sagte Armin Käfer, der seit acht Jahren das Berliner Parlamentsbüro der Stuttgarter Zeitung leitet. Nach dem CSU- Triumph gilt dies ohnehin nicht mehr. Es gebe einige Parallelen zwischen dem Wahlsieger in Bayern und der Kanzlerin: „Wie zuvor Horst Seehofer führt auch Angela Merkel einen Kümmerer-Wahlkampf – beide sacken alles ein, was an Themen für die Wähler von Interesse sein könnte.“ Doch da ist ein zentraler Unterschied: „Seehofer konnte seine Klientel im Wahlkampf begeistern – bei Frau Merkel geht der Puls nicht hoch, wenn sie auf dem Marktplatz steht“, sagt Käfer. Ohnehin werde der frisch gestärkte Bayer – der „aufgeputschte Superman“ – der Regierungschefin, so sie es denn bleibt, noch schwer zu schaffen machen. Bei der Maut vor allem: Ihren Widerstand dagegen werde sie wohl „sofort auf dem Altar der Koalition opfern“, sollte dies nötig sein.

Wie groß ist der „Schamfaktor“ bei der AfD?

Befragt von Rainer Pörtner, dem Leiter des Politikressorts der StZ, wagte der 53-jährige Käfer eine Prognose: Die Wahrscheinlichkeit, dass Merkel Kanzlerin bleibe, sei zwar sehr hoch. Doch blieben Restrisiken in Form der FDP und der Alternative für Deutschland (AfD). Die Euro-Kritiker seien wohl der größte Unsicherheitsfaktor. Steckt in den Umfragen – wie früher schon bei rechten Parteien – gar ein Schamfaktor, so dass die Beliebtheit der AfD noch größer ist, als es die Werte andeuten? In jedem Fall sei die Angst in der Union ausgeprägt, dass die Alternative für Deutschland ihr noch einen Strich durch die Rechnung mache, so Käfer.

FDP-Chef Philipp Rösler stelle die Bürger nach dem Desaster in Bayern gar vor die Wahl: Entweder Rot-Rot-Grün oder die „Freiheit“, womit er Schwarz-Gelb meint. Ganz offen setzten die Liberalen auf eine Zweitstimmen-Kampagne. „Die FDP redet sich ein: Wenn die Generalprobe misslingt, dann wird die Premiere umso besser“, sagte der StZ-Büroleiter. Doch die Union sei gewarnt, weil sie ein „zweites Niedersachsen“ befürchtet; dort hatten der CDU nur wenige Stimmen für die Regierungsübernahme gefehlt. Diese hatte die FDP erhalten.




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