InterviewStZ-Kongress Stadt der Zukunft „Öffentlicher Verkehr muss Spaß machen“

Von Lena Hummel 

Überfüllte Züge sind für viele Pendler Alltag – das muss sich ändern, findet Prof. Dr. Steffen de Rudder. Im Interview spricht er über den Autoverkehr, alternative Verkehrsmittel, Zukunftskonzepte und Verantwortlichkeiten.

Ist die autofreie Stadt die bessere Stadt? Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Dr. Steffen de Rudder, Vertretungsprofessor an der Bauhaus-Universität Weimar, beim Fachkongress „Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt“. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ist die autofreie Stadt die bessere Stadt? Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Dr. Steffen de Rudder, Vertretungsprofessor an der Bauhaus-Universität Weimar, beim Fachkongress „Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt“. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Ist die autofreie Stadt die bessere Stadt? Diese Frage beantwortete Prof. Dr. Steffen de Rudder, Vertretungsprofessor an der Bauhaus-Universität Weimar, mit einem klaren Nein. Trotzdem muss sich einiges ändern.

Herr de Rudder, bedeutet Ihre Antwort, dass in Bezug auf Autos, alles so bleiben soll, wie es jetzt ist?

Nein, natürlich nicht. Es geht um die Frage, wie wir ein System, das ganz und gar auf Autoverkehr aufbaut, ändern können. Tatsache ist, dass es erst wenige Autos gab und dann immer mehr. Und es werden jetzt immer noch mehr. Die Zulassungszahlen steigen jedes Jahr. Das heißt, irgendwann ist einfach die Stadt voll – und dieser Punkt ist jetzt erreicht. Und wir werden jetzt darüber nachdenken müssen, wie wir die Mobilität und den Platz in der Stadt neu organisieren. Und diese Überlegungen führen dazu, dass wir mehr andere Verkehrsmittel brauchen und weniger Autoverkehr.

Haben Sie eine ideale Lösung, wie das aussehen sollte?

Nein, ich habe keine ideale Lösung, weil wir ja nicht wissen, was es noch für Verkehrsmittel geben wird. Das ist eine Entwicklung, die über Jahrzehnte geht. Es gibt schon viele Modelle, einige davon werden aber wahrscheinlich wieder verschwinden. Ein Beispiel hierfür sind autonom fahrende Busse, die man sich per App nach Hause holt, die in Echtzeit Fahrzeiten verschiedener Mitfahrer koordinieren. Diese Busse gibt es erst jetzt. Das ist ein Ergebnis der Digitalisierung. Und das ist ein Prozess, der gerade das ganze Leben verändert. Und wie sich das entwickelt, können wir noch nicht vorhersagen. Ich habe aber ein Ideal und das sieht so aus, dass es in Zukunft mehr Fußgänger, Fahrrad- und öffentlichen Verkehr geben wird, und dass das alles Spaß macht. In Stuttgart sind die Züge aber oft vollgestopft. Das ist für viele Pendler Alltag und nicht angenehm. Das sind die Ziele – zu Fuß gehen, Fahrradfahren und den öffentlichen Nahverkehr angenehm gestalten.

Und wer muss jetzt aktiv werden, um die Entwicklungen voranzutreiben?

Alle müssen aktiv werden. Es ist nicht die böse Politik oder die böse Autolobby oder irgendeine Partei. Es müssen alle aktiv werden und ganz besonders jeder, der sich in der Stadt bewegt. Denn wir sind die, die Verantwortung tragen, wir sind der Verkehr, wir sind der Stau. Es sind unsere Entscheidungen, welches Verkehrsmittel wir wählen. Wir haben jetzt andere Bedingungen, dadurch dass es mehr Menschen gibt auf der Welt. Alles wird voller, und alles wird dichter. Immer mehr Menschen auf der Welt produzieren immer mehr CO2. Wir erleben das als Touristen – überall, wo wir hinkommen, sind schon andere da. Wir verhalten uns aber eigentlich nicht gemäß dieser Erkenntnis. Das heißt, die Politik muss sich bewegen, die Stadtplanung, die Verkehrsplanung, Verkehrsbetriebe, Wohnungsbauunternehmen müssen sich bewegen, aber auch wir.

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