StZ-Sommerferienaktion Auch Kakteen kann man streicheln

Von Luitgard Schaber 

Mit der Zoopädagogin Stefanie Reska erkunden Kinder bei der StZ-Sommerferienaktion die Gewächshäuser der Wilhelma in Stuttgart.

Stefanie Reska erklärt den Kindern, wie die Kannenpflanze Insekten fängt. Foto:  
Stefanie Reska erklärt den Kindern, wie die Kannenpflanze Insekten fängt. Foto:  

Stuttgart - Zwar stehen Elefanten, Seelöwen, Tiger, Gorillas und Co bei einem Besuch in der Wilhelma bei den jungen Besuchern meist im Mittelpunkt des Interesses. Aber eigentlich hat der zoologisch-botanische Garten in Stuttgart noch viel mehr zu bieten: Die Zoopädagogin Stefanie Reska nimmt die jungen Teilnehmer der StZ-Sommerferienaktion mit auf eine Entdeckungsreise in die Pflanzenwelten der Gewächshäuser – von der Wüste bis zum Regenwald Amazoniens.

Was Kakteen sind, weiß jedes Kind – und auch die StZ-Kids haben die stacheligen Trockenheitsspezialisten sofort identifiziert. Aber wer hätte gedacht, dass man manche von ihnen auch streicheln kann? „Ihr müsst nur wie bei Hund und Katze aufpassen und immer mit dem Strich von oben nach unten streicheln“, erklärt Stefanie Reska den Buben und Mädchen im Alter von sieben bis zehn Jahren. An einem mehrere Meter großen Säulenkaktus mit weißem Haarpelz zeigt sie, wie das geht. Zaghaft strecken auch die Kinder ihre Finger nach dem stacheligen Gesellen aus. Und tatsächlich: Der piekst ja gar nicht!

Von der Wüste in die Tropen

Im nächsten Raum des Glasbaus finden sich die Kinder plötzlich in einem völlig anderen Klima wieder. Feucht und dämpfig ist es hier, Blütenduft liegt in der Luft. Orchideen verströmen ihn. Es ist die Welt der Tropenpflanzen – die mitunter ganz schön heimtückisch sein können, wie etwa die fleischfressende Kannenpflanze, die auf der südostasiatischen Insel Borneo beheimatet ist. „Die kann sogar Mäuse fangen“, verrät Stefanie Reska. „Boah“, rufen die Kinder und staunen mit offenen Mündern. Meist werden die glatten Ränder der Blüten indes Insekten zum Verhängnis, erklärt die Zoopädagogin: „Sie rutschen ab und fallen in den Kelch, der mit einer Flüssigkeit gefüllt ist, ähnlich der Magensäure in euren Bäuchen.“ Na, und wer will eine Blüte der Kannenpflanze nun mal anfassen? Ein Mädchen wagt sich mutig vor, während die anderen lieber respektvoll Abstand von dem fleischfressenden Gewächs halten.

Immer tiefer tauchen die StZ-Ferienkinder im Lauf der Führung in den Regenwald ein. Aus getrockneten Fasern von Bananenblättern bastelt Stefanie Reska Stirnbänder, dazu gibt’s eine Gesichtsbemalung, die die Pädagogin aus Pflanzensamen herstellt.

Wie ein echter Indianer fühle er sich jetzt, stellt der siebenjährige Jason stolz fest. „In Amazonien leben heute noch Indianer“, sagt Stefanie Reska. Dann sind die Buben und Mädchen ja passend gekleidet für die nächste Station ihrer Entdeckungsreise: Es geht ins Amazonienhaus der Wilhelma, in dessen grüner Welt sich tierische und pflanzliche Bewohner verbergen, etwa der Goldene Pfeilgiftfrosch, „der giftigste Frosch der Welt“. Nur gut, dass der hinter dem Glas seines Terrariums sitzt. Dafür darf der friedliche Leguan sich frei im Haus bewegen – wenn er das denn wollte. Aber das grüne Reptil hält lieber in luftiger Höhe auf einem Ast Mittagsschlaf.

Naschereien im Gewächshaus

Doch was ist das überhaupt für ein Baum, auf dem der Leguan liegt? „Das ist ein Schokoladenbaum“, erklärt Stefanie Reska den Kindern, denen sogleich das Wasser im Mund zusammenläuft. Ein begeistertes, vielstimmiges „Jaaaa“ ist dann auch die Antwort auf die Frage der Zoopädagogin, ob sie einmal eine Kakaobohne probieren möchten. Die vermeintliche Schleckerei, die Stefanie Reska aus ihrem Tragekorb hervorzaubert, erweist sich allerdings als wenig lecker. Bitter sei die Kakaobohne, meint die neunjährige Lara und verzieht das Gesicht. „Schokolade ist tausendmal besser“, findet auch Jason. Der süße Nektar, den es aus einer Bananenblüte zu naschen gibt, trifft dagegen schon eher den Geschmack der StZ-Ferienkinder. Im Haus der tropischen Nutzpflanzen erfahren die Buben und Mädchen dann auch noch, wie Zimt-, Kaffee- und Papayabäume sowie Reispflanzen und Kokospalmen aussehen.Und wieder hat Stefanie Reska Kostproben dabei, Zimtrinde beispielsweise. „Mmmh, das riecht nach Weihnachten“, sagt die acht Jahre alte Emma, die sich über den wohlbekannten Duft freut. Vorsichtig knabbert sie etwas von ihrem Stückchen Zimtrinde ab und kaut es sorgfältig. „Das wird aber ganz schön scharf!“

Dafür gibt’s beim anschließenden Vesper in der Wilhelma Süßes, das zudem noch gesund ist. Mit Begeisterung verspeisen die Kinder Mango, Papaya, Karambola und Co – nicht ahnend, dass zum Abschluss noch ein Höhepunkt auf sie wartet: Harold, wie Stefanie Reska den Kindern den tierischen Bewohner der Wilhelmaschule, eine Kronnatter, vorstellt. Ungiftig und völlig harmlos sei das Reptil. „Süüüß“, rufen da die Mädchen prompt und wollen Harold unbedingt einmal streicheln. Caroline traut sich sogar, sich ihn um den Hals hängen zu lassen. Und wie fühlt er sich an? „Glatt, und er kitzelt“, antwortet die Zehnjährige.

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