Wie lebt man eigentlich im Untergrund? Normalerweise denkt man wohl an wechselnde Wohnsitze, leer stehende Industriebrachen, ein Leben fernab von Großstädten und Menschenmengen.
Im Fall der RAF-Terrorverdächtigen scheint es ganz anders gewesen zu sein: Mitten in Berlin-Kreuzberg wohnte die seit mehr als 30 Jahren gesuchte Daniela Klette bis zu ihrer Festnahme in der vergangenen Woche. Über ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg, der noch auf der Flucht ist, weiß man inzwischen, dass er über Jahre auf einem Bauwagengelände im benachbarten Stadtteil Friedrichshain lebte.
Nachdem bekannt wurde, dass Journalisten schon im Dezember kurz davor waren, Daniela Klette zu enttarnen, indem sie sie mit einer Gesichter-Suchtmaschine ausfindig gemacht hatten, hält sich die Erzählung, dass die Polizei erst durch diese Recherchen auf die Spur der Terrorverdächtigen gekommen sei. Doch das zeugt von Unkenntnis.
Zum einen ist es nicht so, dass die Fahndung nach den Terrorverdächtigen ruhte, bis sie von einem Team Journalisten aufgewirbelt wurde. Vor knapp einem Jahr schon durchsuchten Ermittler beispielsweise die Wohnung und ein Hotelzimmer, in dem Angehörige von Garweg gewohnt hatten. Die Ermittlungen kamen offenbar voran.
Zum anderen handelt es sich bei der Software, mit der die Journalisten Daniela Klette fanden, um ein Tool, das so effizient wie problematisch ist. So erfolgreich es den Journalisten auch geholfen haben mag: Die Risiken des Missbrauchs solcher Instrumente ist so hoch, dass man sich eher fragen müsste, wieso es für Normalverbraucher überhaupt zugänglich ist.
Eines ist auch nicht ausgemacht: ob das Tool überhaupt eine Rolle bei den Ermittlungen der Polizei spielte. Gut möglich, dass die Erkenntnis am Ende lautet: Man hätte stärker nach Unterstützungsnetzwerken suchen müssen. Und zwar auf herkömmlichen Wegen - ganz ohne fragwürdige Programme.