Südtirol-Rückkehrer So erlebt unsere Mitarbeiterin die häusliche Quarantäne

Von Claudia Bell 

Der Skiurlaub in den Dolomiten ist vorbei. Doch seit Südtirol zur Corona-Risikozone erklärt worden ist, gilt für unsere Mitarbeiterin Claudia Bell und ihre Familie Isolation. Sie berichtet für uns von ihren Erlebnissen.

Hier im Corona-Testzentrum in Schorndorf hat sich auch unsere Mitarbeiterin auf das Virus testen lassen. Foto: Gottfried Stoppel
Hier im Corona-Testzentrum in Schorndorf hat sich auch unsere Mitarbeiterin auf das Virus testen lassen. Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Der Skiurlaub in den Dolomiten ist vorbei. Doch seit Südtirol zur Corona-Risikozone erklärt worden ist, gilt für unsere Mitarbeiterin Claudia Bell und ihre Familie Isolation. Sie berichtet für uns aus der Quarantäne.

Samstag, 29. Februar: Gemeinsam mit unserer Skitruppe machen wir uns im Bus auf die Rückfahrt und sind gespannt: Dürfen wir überhaupt nach Deutschland einreisen?

Sonntag, 1. März: Wir sind symptomfrei, fühlen uns gesund und stoßen mit unseren Nachbarn auf unsere Urlaube an.

Montag, 2. März: Unsere Tochter geht – nach Rücksprache mit der Schulleitung – in die Schule. Mittags berichtet sie bedrückt von Kindern, die nicht mit ihr spielen wollten, weil sie „im Risikogebiet“ war. Ich verstehe die Sorgen der Eltern zu hundert Prozent, bin mir aber sicher: Wir haben korrekt gehandelt, kein Institut oder Ministerium hat Südtirol entsprechend eingestuft. Wenn man sich darauf nicht verlassen kann – auf wen dann?

Test im Conona-Zentrum Schorndorf

Donnerstag, 5. März, 21 Uhr: Südtirol wird zum Risikogebiet erklärt. Der Blick in Kühlschrank und Keller zeigt: kein Grund zur Panik.

Freitag, 6. März, 6.30 Uhr: Die ersten Fragen ploppen auf dem Handy auf, ob unsere Tochter heute zur Schule kommt. Selbstverständlich sind wir auf dem Laufenden und bleiben zuhause! Die Sicherheit der Kinder und Lehrer hat oberste Priorität für uns. Für mich persönlich kommt hinzu, dass ich als Gesamtelternbeiratsvorsitzende gewisserweise im Fokus stehe. Nicht auszudenken, wenn ausgerechnet unser Kind das Virus in die Schule gebracht hätte – auch wenn sie am wenigsten dafür könnte.

Freitag, 9.30 Uhr: Test im Corona-Zentrum Schorndorf – auch am Montag liegt immer noch kein Ergebnis vor.

Freitag, 11.30 Uhr: Nach Rücksprache mit der Geschäftsführenden Schulleitung und unserer Rektorin wird von mir an alle Fellbacher Elternvertreter eine Mail mit Infos aus den Ministerien verschickt. Zudem gibt es einen entsprechenden Elternbrief aus dem Rektorat.

Hilfsbereite Freunde melden sich

Freitag, 16 Uhr: Eine Welle der Hilfsbereitschaft schwappt nun über uns herein. Eltern und Freunde rufen an und fragen, wie es uns geht. „Was braucht ihr, was können wir tun oder einkaufen?“, sind in diesen Tagen oft gehörte Sätze. Am Abend liegen Tulpen und Gummibärchen vor der Tür, am nächsten Tag frische Brötchen, später ein lieber Brief und kleine Geschenke von der Freundin unserer Tochter. Eine andere Freundin geht extra in die Bücherei und besorgt Lesestoff.

Freitag, 18.25: Dies alles tut extrem gut – es fließen aber natürlich auch jede Menge Kindertränen: In die für Samstagnachmittag geplante Eisshow in der Porsche-Arena gehen wir nicht, eine Wandertour mit Freunden am Sonntag muss ebenfalls ausfallen. Der Wirt, in dessen Lokal wir mit der Gruppe einkehren wollten, versteht meine Absage – und ist frustriert. „Wir kriegen gerade täglich solche Anrufe“, sagt er und seufzt.

Warum dürfen die anderen sich frei bewegen?

Montag, 9. März: Auch bei uns gibt es Momente der Frustration. Nicht, weil wir zuhause sitzen müssen – sondern weil wir uns hin und wieder fragen, ob das alles überhaupt Sinn macht, was wir hier tun. Dass wir uns im Haus verschanzen, niemanden mehr zu uns lassen, vor allem nicht unsere über 80-jährigen Eltern. Die betroffenen Kinder müssen zuhause bleiben, sagt das Kultusministerium.

Aber was ist mit den Eltern jener Kinder: Weshalb gibt es für die denn nur eine „Empfehlung“ des Sozialministeriums? Weshalb gibt es für die keine klare Ansage, weshalb können die arbeiten gehen und sich frei überall bewegen? Und weshalb dürfen Menschen derzeit etwa zu Tausenden ins Fußballstadion pilgern, und wir trauen uns nicht einmal auf den Kappelberg? Und weshalb bin ich so wahnsinnig und sage wichtige Arzttermine ab, auf die ich seit Wochen warte, nur um niemanden zu gefährden? Tun andere das auch?

Bilanz: Frustriert sind wir auch über das fahrlässige Verhalten mancher Südtirol-Heimkehrer, die am Wochenende zu Sport und Einkauf gehen oder ihr Kind sogar zum Kindergeburtstag lassen. Natürlich lässt sich die Verbreitung des Virus nur noch schwer aufhalten. Aber vielleicht kann ja jeder Einzelne dazu beitragen, sie zumindest in Fellbach zu verlangsamen? Immerhin: So viel gemeinsame Zeit hat auch etwas Gutes, auch wenn es bisweilen eine echte Herausforderung ist.

Denn es ist ja nicht so, dass man plötzlich geschenkte Urlaubszeit hat. Und schließlich soll die Tochter ja auch nicht stundenlang vor der Glotze sitzen. Da ist es wunderbar, dass die Lehrerinnen der Freundin Unterlagen mitgeben, die diese vor die Haustür legt. Und nun löse ich auch meine Versprechen ein und bringe der Tochter Stricken und Nähen bei – und kaufe endlich die Kiste mit Bausteinen. Ausnahmsweise übers Internet – ich soll ja nicht raus.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie