Südwestmetall-Mitgliederversammlung Arbeitgeber sehen industrielle Produktion in Gefahr

Südwestmetall-Chef Wolf warnt vor einem weiteren Verlust der Industrieproduktion. Wenn diese immer mehr ins Ausland abwandere, verschwinde wichtige Wertschöpfung. Ministerpräsident Kretschmann widerspricht: Er sehe nicht so schwarz für das Land.

Der Südwestmetall-Chef Stefan Wolf bekennt, sich von der grün-roten  Landesregierung „mehr Beistand für die Belange unserer Industrie“ gewünscht zu haben. Foto: dpa
Der Südwestmetall-Chef Stefan Wolf bekennt, sich von der grün-roten Landesregierung „mehr Beistand für die Belange unserer Industrie“ gewünscht zu haben. Foto: dpa

Stuttgart - Baden-Württemberg bezieht seinen Wohlstand aus der Stärke der Metall- und Elektroindustrie, die mit ihren 900 000 Arbeitsplätzen drei Viertel der Industrie im Land ausmacht. Doch die Spitzenstellung scheint bedroht: „Weil die Firmen immer effizienter produzieren müssen, sind gerade in der Produktion viele Arbeitsplätze verloren gegangen“, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf auf der Mitgliederversammlung in Stuttgart. Zuwächse bleiben aus: „Seit der Erholung nach der Krise 2008/2009 tritt die Produktion im Land quasi auf der Stelle.“

Insbesondere einfachere Tätigkeiten verschwinden aus den Betrieben. Dies wird allenfalls noch durch den Personalaufbau in den indirekten Bereichen (abseits der Produktion) kompensiert. Wenn die Produktion abhanden komme, „droht mittel- oder langfristig auch der Verlust anderer Wertschöpfungsschritte“, warnte Wolf. Die Sorge um die industriellen Kerne speist sich auch aus einer Studie, die die Metallarbeitgeber seit einem Jahr mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW Consult) erarbeiten. Sie deckt auch auf, dass seit Jahren zu wenig in die Standorte investiert werde. Zusätzliche Produktion werde fast nur noch im Ausland aufgebaut.

Der Negativtrend hat viele Ursachen – vor allem die hohen Lohnkosten. Allein die drei Tarifabschlüsse seit 2012 haben den Arbeitgebern einen Entgeltanstieg von knapp 14 Prozent eingetragen. Unter dem Damoklesschwert möglicher Streiks ist der Arbeitgeberverband immer wieder zu relativ hohen Abschlüssen bereit. „In den letzten Jahren haben wir leider den Pfad einer angemessenen Tarifentwicklung verlassen“, übte Wolf dezente Selbstkritik.

Als weitere Gründe für die Abwanderung ins Ausland würden die Mitgliedsfirmen sehr oft Eingriffe der Politik in unternehmerische Freiheiten nennen. Direkt wandte sich der Südwestmetall-Chef an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): Zwar würden viele Maßnahmen auf Bundesebene beschlossen, doch „hätte ich mir mehr Beistand unserer Landesregierung für die Belange unserer Industrie gewünscht“. Demnächst wollen die Arbeitgeber ihre Forderungen mit Blick auf die Landtagswahl im März konkretisieren.

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