Superlative in der Region Der Neuling und der alte Hase

Von Alexander Günzler 

30 Kilometer und 40 Jahre Berufserfahrung trennen die Bürgermeister in Murr und Murrhardt. Trotzdem haben sie mehr gemein als nur einen Fluss.

Manfred Hollenbach vor dem Katz-und-Maus-Brunnen in Murr. Foto: FACTUM-WEISE 2 Bilder
Manfred Hollenbach vor dem Katz-und-Maus-Brunnen in Murr. Foto: FACTUM-WEISE

Murr/Murrhardt - Anfangs sah es nicht so aus, als ob Manfred Hollenbach in Murr eine lange Karriere beschieden sein würde: "Um ehrlich zu sein, hatte ich bei meiner ersten Wahl sogar damit gerechnet, mir schon nach kurzer Zeit eine neue Arbeit suchen zu müssen", sagt er. Denn als Hollenbach am 1. September 1972 im Alter von 26 Jahren sein Amt als Bürgermeister von Murr (Kreis Ludwigsburg) antrat, war die Gemeindereform in Baden-Württemberg in vollem Gange. "Für Murr stand damals eher die Eingemeindung als eine dauerhafte Selbstständigkeit auf dem Plan", erzählt der 66-Jährige.

Doch es kam anders: Murr blieb Murr, und Hollenbach blieb dort - und mit ihm, wie er sagt, die Herausforderung, "diese Gemeinde weiterzuentwickeln". Die Murrer gaben ihm die Gelegenheit dazu: 1980 wurde Hollenbach wiedergewählt, ebenso 1988, 1996 und 2004. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich in dieser Zeit auf mehr als 6000. Mittlerweile steht Hollenbach seit fast 40 Jahren an der Rathausspitze - und damit so lange wie sonst kein Bürgermeister in der Region Stuttgart und sogar in ganz Baden-Württemberg. Im Sommer, wenn seine fünfte Amtszeit endet, wird er altersbedingt in den Ruhestand gehen. Er befindet sich also durchaus schon im Endspurt. Zwar betrete er immer noch jeden Tag "mit Freude" das Rathaus, sagt der Rekordhalter, der seit 2005 auch für die CDU im Landtag sitzt. Morgens daheim zu bleiben werde ihm aber nicht schwerfallen, beteuert er.

"Man weiß vorher, worauf man sich einlässt"

Zwar noch nicht lange, dafür aber auch "mit großer Freude" betritt Armin Mößner täglich einen stattlichen Rathausbau rund 30 Kilometer östlich von Murr. "Bislang ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Auch wenn ich noch zu wenig Zeit hatte, mich intensiver mit bestimmten Themen zu beschäftigen", sagt der 27-jährige Diplom-Verwaltungswirt. Für ihn haben bei der Bürgermeisterwahl in Murrhardt (Rems-Murr-Kreis) im Juli rund zwei Drittel der Wähler gestimmt. Am 16. Oktober, also erst vor knapp drei Monaten, trat Mößner sein Amt in der 14.000-Einwohner-Stadt an und ist damit der dienstjüngste Bürgermeister in der Region. Den Neuling verbindet mit dem alten Hasen indes mehr als nur ein Amtszeit-Superlativ und der Fluss, der durch beide Kommunen fließt. Seine Ausbildung und die berufliche Erfahrung als Kämmerer hat er mit Hollenbach ebenso gemein wie das CDU-Parteibuch und das Engagement im Roten Kreuz. Und wie Hollenbach gefällt auch ihm besonders die Vielseitigkeit seines Berufs. Auf eines würde er gerne verzichten: permanent in der Öffentlichkeit zu stehen. "Aber man weiß ja vorher, worauf man sich einlässt", sagt Armin Mößner.

Das wusste auch Manfred Hollenbach, der sich noch gut an seine Anfänge erinnert. "Ich musste innerhalb weniger Wochen wichtige Entscheidungen vorbereiten und treffen - und wollte das auch", sagt er. "Zum Beispiel haben wir einen Kindergarten geplant und gebaut, der acht Monate nach meinem Amtsantritt in Betrieb genommen werden konnte." Überhaupt habe es immer viel Spannendes zu tun gegeben: eine neue Ortsmitte, ein neues Rathaus, eine neue Umgehungsstraße. "Ich war erfüllt von dem, was hier zu tun war", sagt Hollenbach. Jahr für Jahr rückte der Schultes von Murr in der Liste der etablierten Bürgermeister weiter nach oben. Als er las, dass er inzwischen der Dienstälteste im Land sei, habe ihn das zwar ein bisschen erschreckt, aber nicht belastet.

In vier Jahrzehnten noch Bürgermeister?

Armin Mößner denkt nicht darüber nach, ob er in vier Jahrzehnten noch an der Murrhardter Verwaltungsspitze steht: "Eine Aussage, was in 40 Jahren sein wird, erübrigt sich, da bis dahin sehr viel geschehen kann." Aber wenn es der Lauf der Zeit, das Schicksal und die Bürgerinnen und Bürger erlaubten, könne er sich das vorstellen. Wobei ihn doch interessiere, ob sein Amtskollege in Murr nie daran gedacht habe, etwas anderes zu machen.

"Ein Mal, nach 24 Bürgermeisterjahren, habe ich mich um eine andere Aufgabe beworben", sagt Hollenbach. 1995 wäre er gerne Landrat des Kreises Ludwigsburg geworden. Mit 40 zu 41 Stimmen verlor er im dritten Durchgang gegen Rainer Haas (parteilos), der den Posten bis heute innehat und gerade seine dritte Amtszeit angetreten hat. "Das hat mich damals kurz geärgert", sagt Hollenbach. Er habe dann einmal darüber geschlafen und dann nach vorne geblickt. Ein halbes Jahr später war er mit 93,8 Prozent zum vierten Mal zum Bürgermeister von Murr gewählt worden.

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