Surfen auf dem Neckar Auf der Suche nach der perfekten Welle für Stuttgart

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Eine Gruppe Stuttgarter Surf-Fans hat ein Konzept für eine Neckarwelle präsentiert. Die Idee ist angelehnt an die Eisbachwelle im Englischen Garten in München. Es gibt schon mehrere Unterstützer.

Für ihre Neckar-Welle gehen diese Surf-Fans sogar baden. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky
Für ihre Neckar-Welle gehen diese Surf-Fans sogar baden. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Stuttgart - Rund dreißig Surfer hüpfen mit ihren Brettern in den Neckar. Ein Bild, das es eigentlich in Stuttgart nicht gibt. Die richtige Welle fehlt. Das wollen einige Stuttgarter, die sich Team Neckarwelle nennen, ändern – und sie treffen offensichtlich einen Nerv. Brechend voll war das Restaurant Cassiopeia in Untertürkheim bei der Vorstellung der Idee. „Schön, dass wir nicht die einzigen sind, die in Stuttgart eine Welle brauchen“, sagte der Mitinitiator Martin Jetter begeistert. Beim diesjährigen Bürgerhaushalt ist der Vorschlag für eine Neckarwelle auch schon auf Platz 20 gelandet.

Der Erfolg hat das achtköpfige Team um den Ingenieur Volker Sellmeier angespornt. Im Cassiopeia haben sie ein umfangreiches Konzept für eine Surfwelle im Stil des Münchner Eisbachs vorgelegt. Auch den perfekten Ort für die Welle haben sie gefunden: an der kleinen Neckarinsel in Untertürkheim zwischen dem Cassiopeia an der Inselstraße 147 und dem Untertürkheimer Inselfreibad. Die Welle soll wenige Meter stromabwärts hinter der Brücke liegen. Erreichen könnte man sie über den Parkplatz des Freibades. Eine kleine mehrstufige Terrasse schwebt den Surfern dort noch vor. Denn natürlich soll die Welle ebenso wie der Münchner Eisbach aktive Surfer und Fans anlocken.

Nach ersten Berechnungen könnte die Welle in Untertürkheim funktionieren

Eine Fotomontage hat das Team auch schon entworfen. „Aber schöne Bilder sind eine Sache, wir als Ingenieure berechnen natürlich, ob es funktioniert“, sagt Sellmeier. Oder wie man in Süddeutschland sage: „Ob es hebt.“ Sein Ergebnis: Zwischen Inselbad und Cassiopeia seien die hydrologischen Bedingungen für die Welle ideal. Nur müsse man das Wasser dort um etwa einen Meter aufstauen, berichtet er.

Weitere Standortvorteile zählt sein Teamkollege Martin Jetter auf: Es gibt dort keinen Schiffverkehr, Parkplätze und Umkleiden könnte man von den umliegenden Einrichtungen mit benutzen, der Bahnhof Untertürkheim ist zudem fußläufig erreichbar.

Der Bezirksbeirat Untertürkheim hat sich im Übrigen bereits einstimmig für die Welle ausgesprochen. „Und das will wirklich etwas heißen“, fügte eine anwesende Bezirksbeirätin hinzu. Stadtrat Ralph Schertlen von den Stadtisten findet die Neckarwelle „total geil für Stuttgart“. Obwohl er selbst kein Surfer ist. Auch das Engagement der Truppe findet er „klasse“. Es habe alles Hand und Fuß. Ebenfalls begeistert hat das Konzept die Grünen-Stadträtin Christine Lehmann: „Es ist eine Chance, den Neckar auch für junge Leute erlebbarer zu machen.“ Sie lobt besonders, wie das Team vor Ort mit allen etwaigen Betroffenen kommuniziert. Sie ist überzeugt, dass sich die Gruppe „dort keine Feinde“ machen werde.

Nun hoffen die Surfer auf Unterstützung der Stadt. Die finanziellen Mitteln für die Welle haben sie selbst natürlich nicht. „Bei einem positiven Votum des Gemeinderates gründen wir einen Verein“, sagte Sellmeier abschließend. Mit diesem rechtlichen Status sei dann der nächste Schritt eine Machbarkeitsstudie in Kooperation mit der Stadt.

Die EnBW prüft derzeit, die Konsequenzen für ihr Kraftwerk

Neben Geld und der technischen Überprüfung stehen der Realisierung der Neckarwelle noch andere Hürden im Weg. So ist der Neckar eine Wasserstraße des Bundes und liegt in der Zuständigkeit des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes. Eigentlich. Denn just dieser kleine Abschnitt gehört nicht dazu, wie Amtsleiter Walter Braun bestätigt. Vermutlich gehört dieser noch zum Gelände der EnBW, die dort ein Kraftwerk betreibt. Bei dem Energieversorger lobt man zwar die „positiven Gespräche“ mit der Gruppe. Eine abschließende Meinung habe man sich aber noch nicht gebildet, sagt Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth. Die Fallhöhe des Kraftwerks werde sich durch die Welle verringern. Man müsse prüfen, wie sich die Energieproduktion – die dort aus erneuerbaren Energien stamme – verringert.

Ein emotionales Argument hatten Jetter und Sellmeier am Ende aber auch noch parat: Die etymologische Bedeutung des Wortes Neckar sei schließlich „wilder Geselle“.