SV Fellbach, TSV Berg Mit Spaghetti und Personalsorgen

Ausblick: Für Mario Marinic (links) und den SVF beginnt die Saison. Foto: Cüneyt Karacuha

Die Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach um den neuen Cheftrainer Mario Marinic treten an diesem Samstagmorgen mit Proviant für die Mittagspause und einem eher kleinen Aufgebot die Busreise nach Oberschwaben zum TSV Berg an.

Wird er, vielleicht nach einem 0:1-Rückstand in der 60. Spielminute, im Affekt auf den Platz eilen und den Ball aus guter Gewohnheit zwischen die Pfosten bugsieren? Mario Marinic, Serientorjäger seit einer gefühlten Ewigkeit, will nach allem, was man weiß, jedwedes Kribbeln ignorieren und das Geschehen anhaltend an der Seitenlinie beaufsichtigen. Der 37-Jährige ist jetzt Trainer der Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach und nicht mehr – wie noch in der vergangenen Saison – Spielertrainer der TSG Backnang in der Oberliga. Seine Zeit als Schrecken der Defensivreihen aller Gegner ist ganz offiziell vorbei, wenn an diesem Samstag, 15.30 Uhr, beim TSV Berg in Oberschwaben die Verbandsliga-Runde beginnt.

 

Mario Marinic will das Geschehen bloß an der Seitenlinie beaufsichtigen

Allerdings bleibt ja doch immer abzuwarten, was passiert in einer Saison, die sich über zehn Monate erstreckt und bis Juni des nächsten Jahres 34 Aufgaben in der Liga bereithält. Zumal Mario Marinic schon jetzt, zum Start, mit einigen Personalsorgen konfrontiert wird. Der neue Sportdirektor Frank Weinle hat mit Markus Weiß, dem neuen Sportlichen Leiter, den Kader stark reduziert. Die Effizienz allerdings kommt direkt schon an ihre Grenzen. Von den 21 Akteuren, die außer den Tormännern um Philipp Gutsche das angestammte Personal in der Verbandsliga bilden sollen, können lediglich zwölf an diesem Samstag dem Auftaktkonkurrenten nahe Ravensburg entgegentreten. Zu den drei Langzeitpatienten Nikola Jelic, Niklas Weiß und Timo Marx – allein Letzterer ist einigermaßen nah dran am belastbaren Mitwirken – kamen in der Vorbereitung zwei weitere hinzu. Jamie Miller und Fabijan Domic sind nach Knieoperationen bis auf Weiteres ebenfalls außen vor. Mika Müller kann nach einer Knieblessur erst am Montag wieder ins Training einsteigen. Die Zugänge Luka Milenkovic und Endrit Beshi sind im Urlaub. Und darüber hinaus hat der Kapitän Leon Braun vor einer Woche den 3:1-Erfolg im württembergischen Pokalwettbewerb beim VfB Neckarrems nur 78 Minuten lang selbst mit auf den Weg bringen dürfen. Dann sah der 25-Jährige – eine arg fragwürdige Entscheidung – Gelb-Rot und ist deshalb an diesem Samstag zur Premiere der Verbandsliga-Saison beim TSV Berg gesperrt.

Die Fellbacher Verbandsliga-Mannschaft stellt sich fast von alleine auf

Auch Leon Braun wird mit am Treffpunkt sein, wenn der Fellbacher Tross an diesem Samstagmorgen mit dem Bus – und mit Spaghetti in Warmhalteboxen für eine Mittagspause – die Reise zum Auswärtsspiel antritt. Der Kapitän will zweieinhalb Autostunden entfernt mit anderen verhinderten Spielern des Verbandsliga-Teams die Verbliebenen unterstützen. „Es ist ärgerlich, dass wir mit einem dezimierten Aufgebot starten müssen“, sagt Mario Marinic: „Wir brauchen den Konkurrenzkampf, aber die Mannschaft stellt sich fast von allein auf.“ Deshalb möchte er in den nächsten Tagen „Augen und Ohren offen halten“, um vielleicht noch externe Unterstützung dazugewinnen zu können.

Niklas Pollex, „ein absoluter Qualitätsspieler“ in zentraler Rolle

Fürs Erste müssen es aber diejenigen richten, die gerade einsatzbereit und -berechtigt sind. „Grundsätzlich haben wir eine sehr gute Vorbereitung hinter uns“, sagt Leon Braun. Vieles von dem war da schon zu sehen, das den neuformierten Verbund in den nächsten Wochen und Monaten auszeichnen soll. Vorneweg ein starkes Mittelfeld auch und gar nicht zuletzt mit Niklas Pollex, dem Rückkehrer von der TSG Backnang. „Ein absoluter Qualitätsspieler“, sagt der Kapitän, der beim SV Fellbach schon in Jugendjahren mit dem Zugang zusammengespielt und harmoniert hatte, später überdies bei den Stuttgarter Kickers und beim SGV Freiberg. Auch auf viel Dynamik auf den Außenbahnen können die Fellbacher setzen – dank der hauseigenen Begabungen Niklas Hofmeister und Niklas Koroll oder der jungen Zugänge Riccardo Scarcelli und Mustafa Uslu. Alle miteinander können sie mit Niklas Pollex oder etwa Ali Ferati reichlich Offensivkraft entwickeln. Und davon soll Samuel Wehaus profitieren, nach der Verletzung des Gefährten Fabijan Domic, dem in der Vorsaison der Durchbruch in der Verbandsliga gelang, einzig verfügbarer zentraler Angreifer beim SVF. „Samu ist gut drauf. Er wird das machen“, sagt Leon Braun.

Mario Marinic wird sich das sehr wünschen. Nicht, dass ihn, den bekennenden Torjäger, sein Kribbeln an der Seitenlinie doch noch auf den Platz stürmen lässt. SV Fellbach: Gutsche – Koroll (Jäkel), Parharidis, Plaste, Uslu, Binner (Michaltsis), Pollex, Hofmeister, Scarcelli, Ferati, Wehaus.

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