SV Fellbach, TSV Ilshofen Wer ist denn hier in Überzahl?

Unaufhaltsam: Niklas Hofmeister (links) vom SV Fellbach Foto: Heiko Potthoff

Die Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach verlieren früh ihren Abwehrchef Charalambos Parharidis, nicht aber das Spiel gegen den Tabellenführer TSV Ilshofen. Sie sind dennoch besser und gewinnen mit 3:2.

Rems-Murr: Thomas Rennet (ren)

Mika Müller übernimmt – engagiert wie auch davor schon auf dem Rasen des Max-Graser-Stadions – den Part des Vorsängers. Bald hüpft und tobt und tanzt er mit den Teamgefährten und Trainern. Es ist am Samstagabend der rituelle Abschlussreigen nach einem besonderen Sieg, obschon der siebte bereits in dieser Verbandsliga-Saison. Die jetzt schon drittplatzierten Fußballer des SV Fellbach mussten – gegen den Tabellenführer TSV Ilshofen – 82 und noch ein paar Minuten mehr in Unterzahl verbringen. Der numerische Nachteil konnte sie allerdings nicht von einem 3:2-Erfolg abhalten. Überaus verdient war dieser Erfolg obendrein, weil der Gastgeber mit Zweikampfstärke, Umschaltspiel und allerlei Offensivaktionen das Publikum zum Nachzählen animierte: Wer ist denn hier in Überzahl?

 

Nicht nur Mika Müller muss im Max-Graser-Stadion mächtig kämpfen

In den letzten Spielminuten musste Mika Müller mit seinen Nebenleuten Schwerstarbeit verrichten. Der 23-Jährige warf sich vorneweg mit eben der Leidenschaft, die ihn auch später im Feierkreis seiner Mitspieler auszeichnen sollte, allem entgegen, was da auf die Verteidigungsreihe des SV Fellbach zukam. Nach dem Anschlusstreffer des Gäste-Angreifers Enrico Zimbili zum 2:3 (79.) war der Sieg des SV Fellbach tatsächlich noch bedroht. Dem Spielverlauf allerdings hätte der Ausgleich keineswegs entsprochen: Die Mannschaft um den versierten Kapitän Leon Braun in zentraler Position war dem Gegner größtenteils voraus. Auch ohne den angestammten Abwehrchef.

Nicht lange nach dem rasanten Führungstor des rasanten Flügelläufers Niklas Hofmeister quasi direkt nach dem Anpfiff (1.) nahm das Geschehen für den SVF einen vermeintlich grimmigen Verlauf. Charalambos Parharidis verhinderte mittels Handspiels vor der eigenen Torlinie einen Treffer des TSV Ilshofen. Also präsentierte die Schiedsrichterin Silke Fritz dem Klasseverteidiger im Noteinsatz die Rote Karte. Julian Schiffmann verwandelte den fälligen Strafstoß zum 1:1. Und es war erst die 8. Minute der Begegnung. Für die Fußballer des SV Fellbach sah es nicht gut aus. Wie sollten sie angesichts der getrübten Ausgangslage nun dem Ligaersten beikommen? Zumal sich wenig später noch Ali Ferati eine Verletzung zuzog; für den Mittelfeldakteur sollte sich der Angreifer Samuel Wehaus einbringen. Der Fellbacher Cheftrainer Mario Marinic zog dafür Niklas Pollex aus der vordersten Position zurück. Und nicht zuletzt der Rückkehrer von der TSG Backnang hatte maßgeblichen Anteil daran, dass an diesem Abend vor den 300 Zuschauern fortan meist die Mannschaft in Unterzahl überlegen war.

Niklas Pollex attackiert wieder und wieder den Spielaufbau des Gegners

Niklas Pollex war der erste Störenfried des SVF. Er attackierte wieder und wieder robust den Spielaufbau des Gegners, gewann mit seinem kongenialen Partner Leon Braun grob geschätzt 200 Zweikämpfe. Die beiden trugen so tatkräftig zum Gesamtbild bei: Ihr Team – natürlich auch wieder mit den starken Eigengewächsen Niklas Hofmeister, Niklas Koroll und Matteo Binner – war das ungleich bessere. Niklas Pollex und seinen Mitstreitern eröffnete sich insbesondere nach Balleroberungen eine Vielzahl an Torchancen, und immerhin zwei Treffer fügten sie hinzu. Niklas Hofmeister war erneut erfolgreich (23.), und Niklas Pollex gelang nach Leon Brauns famoser Vorarbeit das – letztlich vorentscheidende – Tor zum 3:1 (61.).

Der TSV Ilshofen, nun Zweiter, kam bloß noch heran, nicht aber zu einem Punkt oder gar mehr. Ramazan Kandazoglu, der Spielertrainer, stand am Ende entsprechend verärgert auf dem Platz: „Ich bin enttäuscht über unsere Leistung, wir haben einfach zu schlampig gespielt.“ Mario Marinic hatte derweil nichts zu beanstanden: „Die Jungs haben an diesem Tag viele Steine in den Weg gelegt bekommen. Was sie dann gezeigt haben, hat mit unglaublich gut gefallen.“ So hatten sie allerlei Grund zum Toben und Tanzen. Und die Nacht war für Mario Marinic und den Verbandsliga-Verbund erst sehr viel später beim Fellbacher Herbst vorbei. SV Fellbach: Gutsche – Jäkel, Parharidis, Müller, Koroll (85. Plaste), Binner (78. Fossi), Braun, Ferati (18. Wehaus), Hofmeister, Uslu (64. Milenkovic), Pollex.

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